Schmidt mit Dete

Work in progress

15. August 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (16-08)

Von Sommer kann man im Moment ja nicht wirklich reden, deshalb gibt es für mich dieses Jahr auch keine großen Sommerferien, sondern nur eine kurze Woche Urlaub – und jede Menge laufende Vorhaben und Baustellen. Was mache ich gerade so?

  • Einen Großteil meiner Zeit fließt weiterhin in das Intermediäre-Projekt. Der erste wesentliche Auswertungsschritt ist, die leitfadengestützten Gespräche zu Gruppen- und Einzelfallportraits zu verdichten. Zur Erinnerung: Wir haben sechs Gruppen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Graden des gesellschaftlichen Engagements befragt, und zudem aus jeder Gruppe drei Mitglieder für vertiefende Einzelgespräche rekrutiert. Die Gruppenportraits fassen die wesentlichen Merkmale der Gruppe als kommunikative Figuration zusammen, d.h. wir beschreiben die Akteurskonstellation, das Medienensemble und exemplarische kommunikative Praktiken der Meinungsbildung, bei denen Intermediäre wie Facebook oder WhatsApp eine prägende Rolle spielen. Die Einzelfallportraits gehen dann in die Tiefe und beschreiben das Informationsrepertoire der jeweiligen Person mit einem Fokus auf der Stellung von Intermediären darin; hinzu kommen Einschätzungen über den Wissensstand und Reflexionsgrad im Hinblick auf die Funktionsweisen der Intermediäre (z.B. zu Personalisierungs- und Empfehlungsmechanismen) sowie erneut beispielhafte Praktiken der Meinungsbildung über & mit Intermediären. Weitere Auswertungsschritte folgen, um dann gruppen- bzw. fallübergreifende Aussagen über die Bedeutung von Intermediären für die Meinungsbildung treffen zu können. Aber bereits die Portraits werden eine sehr reichhaltige und anschauliche Lektüre bieten…
  • Die zweite Baustelle, die mehr und mehr Zeit fordert, ist das wissenschaftliche Gutachten für den Kommunikations- und Medienbericht der Bundesregierung. Hier geht es derzeit vor allem noch darum, die Arbeit der vielen studentischen Mitarbeiter/innen zu koordinieren, die Daten und Studien recherchieren und Tabellen aktualisieren. In den kommenden Wochen werde ich dann aber verstärkt damit zu tun haben, die Analyse drumherum zu verfassen (natürlich auch nicht alleine, sondern mit mehreren meiner Kolleg/innen am Institut).
  • In den vergangenen Wochen hatte ich aber auch immer wieder mit Christian Nuernbergk von der LMU München Kontakt, weil wir uns gemeinsam mit der Twitter-Nutzung von Bundespressekonferenz-Journalist/innen auseinandersetzen. Uns geht es zum einen um eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Stellenwert, den Twitter für die journalistische Arbeit dieser Gruppe hat, zum anderen aber auch um Bezüge zu politischen Akteuren, d.h. vor allem zu Bundestagsabgeordneten. Wir kombinieren dazu zwei methodische Ansätze: Eine Online-Befragung unter den Mitgliedern der Bundespressekonferenz, die Christian Nuernbergk federführend betreute, ist mittlerweile abgeschlossen (und erzeugte erste Resonanz :-)); hinzu kommen Analysen des „Twitter Friend Repertoires“ dieser Gruppe, also der Muster in den Accounts, denen die Journalist/innen auf Twitter folgen. Wir haben auch schon mehrere konkrete Fragestellungen identfiziert, die wir vermutlich zu Konferenzvorträgen ausarbeiten werden, aber das ist im Moment noch nicht spruchreif.
  • Apropos Konferenzen: Inzwischen ist das Programm der AOIR 2016 veröffentlicht, die Anfang Oktober in Berlin stattfindet und vom HBI ko-organisiert wird. Ich bin als Co-Author an einem Beitrag zu „News Sharing on Twitter“ beteiligt (bin aber, wie ich tatsächlich gerade erst merke, in einer parallelen Session als Moderator eingespannt.. :-/) und Teil einer Panel Session zu „Algorithmic Personalization and Digital Traces„, wo es u.a. auch um unseren Ansatz der Twitter Friend Repertoires gehen wird. Es ist zwar noch eine Weile hin, aber die Vorfreude auf die Tagung steigt schon!

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. den Aufsatz „Disconnected, fragmented, or united? a trans-disciplinary review of network science“ von C. Hidalgo, der einen kompakten und erhellenden Überblick der unterschiedlichen Zugänge der Netzwerkforschung gibt, wie sie die Sozialwissenschaften einerseits und die Naturwissenschaften andererseits vertreten.

 

 

 

Nach der Arbeit

5. August 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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5 Jahre Scientipps!

Kaum zu glauben – die #scientipps-Tipprunde geht schon in die fünfte Bundesliga-Saison – der letzte HSV-Trainer, der das geschafft hat, war Ernst Happel, Gott hab‘ ihn selig!

Wie in den letzten Jahren gibt es auch für die Bundesliga-Saison 2016/2017 wieder eine Tipprunde mit wissenschaftlichen Preisen und generischem Femininum1. Ich freue mich über viele Mittipperinnen – wer neu einsteigen möchte, kann sich auf dieser Seite bei kicktipp.de anmelden. Die Regeln des Tippspiels sind auf einer eigenen Blog-Unterseite niedergeschrieben, sodass mir an dieser Stelle eigentlich nur bleibt, die Pokale und Preise vorzustellen. Mich freut, dass sich wieder eine illustre Runde von Wissenschaftlerinnen bereit erklärt hat, Grundlegendes, Horizonterweiterndes und Skurriles aus ihrem Belegexemplarschrank zu stiften (an dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Damen Bieber, Bruns, Hohmann, FaasMende und Weller).

(1) Der Scientipps Grand Prix

Am Ende der Saison (inklusive Relegation, DFB-Pokalfinale und Ende der 2. Liga) entscheidet der Punktestand; die drei Erstplatzierten unter den aktiven Tipperinnen erhalten folgende Preise (bei Gleichstand entscheidet das Los):

  1. Preis: Drei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste
  2. Preis: Zwei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der vom 1. Preis gewählten Bücher)
  3. Preis: Ein Buch nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der vom 1. und 2. Preis gewählten Bücher – also das, das übrig bleibt)

Die Bücher:

Daneben gilt es eine Reihe von Sonderpreisen zu ergattern, die zum Teil (#2) auch schon während der laufenden Saison vergeben werden:

(2) Die „Faas’sche Wundertüte“

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Wer wird Herbstmeisterin?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x ein Überraschungspreis von Faas
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer bis dahin die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(3) „Snurb’s dynamic down under cup“

  • Sonderpreis für die korrekten Bonustipps „Welche Mannschaften belegen die letzten drei Plätze?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x Weller, Bruns et al. (2014): Twitter & Society [als eBook]
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

 (4) „Dr Bieber’s most daring tipper special trophy“

  • Sonderpreis für das torreichste korrekt vorausgesagte Spiel: 1x ein Überraschungspreis von Bieber
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(5) Jannes „Siegen ist nicht alles“-Prämie

  • Sonderpreis für die meisten Punkte aus Spieltagssiegen: 1x Mende (2015): Kultur als Menschenrecht
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(6) kwelle’s Zusatzherausforderung: „Nie mehr zweite Liga!“

  • Sonderpreis für die korrekten Bonustipps „Welche Mannschaften belegen die ersten drei Plätze in der zweiten Bundesliga?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x König, Stahl, Wiegand (Hrsg.) (2014): Soziale Medien. Gegenstand und Instrument der Forschung.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(7) Hohses „Das ganze Leben ist ein Spiel“-Trophäe

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Wo findet der erste Trainerinnenwechsel statt?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x zwei Ausgaben von WASD, dem „Bookazine für Gameskultur„.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(8) Der „Vorne hilft uns der liebe Gott“ Gedächtnis-Pokal

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Welche Mannschaft stellt die Torschützenkönigin?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x die Ausgabe 3/2002 von „Communicatio Socialis. Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft“.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

Muss ich noch extra erwähnen, dass der Rechtsweg ausgeschlossen ist? Ja? Also: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Spaß beim Tippen, und möge die beste Tipperin gewinnen!

  1. Männer sind bei den Formulierungen also immer mit gemeint.

15. Juli 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (16-07)

Im heutigen Beitrag aus der „Mittendrin zur Monatsmitte“ geht es wirklich um „Mittendrin“-Momente, denn verschiedene Vorhaben laufen gerade parallel zueinander:

  • Da ist erstens das Intermediäre-Projekt, bei dem weiterhin die Feldphase läuft, wir aber parallel bereits in die qualitative Auswertung einsteigen. Konkret bedeutet das, dass unsere studentischen Mitarbeiter/innen im Projekt die bereits vorliegenden Transkripte aus Gruppendiskussionen und Einzelinterviews für die Bearbeitung in MaxQDA aufbereiten (d.h. vor allem: pseudonymisieren und unklare Stellen nachprüfen) und dann erste Codierungen vornehmen, z.B. Textstellen daraufhin markieren, ob bzw. welche Online-Intermediäre zur Sprache kommen. Weil in den Gesprächen sehr viel mehr interessante Aspekte und Themen rund um Meinungsbildung & Online-Intermediäre zur Sprache kommen, als wir für den Bericht werden auswerten können, zurren wir parallel dazu gerade die wesentliche Struktur des Endberichts fest, die uns einen Rahmen für die Aufbereitung und Auswertung der Befunde geben wird.
  • Zweitens bin ich in die Erstellung eines größeren Gutachtens eingebunden, das unser Institut für den Kommunikations- und Medienbericht der Bundesregierung erstellt. Unsere Aufgabe ist, die Lage „der Medien“ in Deutschland (klassische Print- und Rundfunkangebote genauso wie digitale Medien; zudem eine Reihe von Querschnittsfragen wie Werbemarkt oder Jugendmedienschutz) aus den vergangenen Jahren übersichtsartig darzustellen, d.h. vorliegende Daten und Befunde zu verdichten sowie übergreifende Entwicklungen zu diskutieren. Klingt nach viel? Ist es auch :-)
  • Drittens steht just in diesen Tagen die Koordination der Sonderausgabe von kommunikation@gesellschaft zu „Algorithmen, Kommunikation und Gesellschaft“ an. Auf unseren Call hatten wir fast 15 Einreichungen von abstracts erhalten, die wir im Herausgeberkreis gesichtet haben und uns nun noch abstimmen müssen, ob und gegegebenfalls mit welchen Anregungen wir um die Ausarbeitung eines vollständigen Papers bitten. Soviel kann ich jetzt schon verraten: Es sind viele sehr spannende Vorschläge dabei, und das Thema „Filterblase“ spielt eine große Rolle…

Und was lese ich gerade in der S-Bahn? Ganz oben auf dem Stapel liegt „Political Turbulence„, das unsere Institutsbibliothek unlängst angeschafft hat. Ich habe noch nicht näher reingeschaut, aber das Versprechen – eine Verbindung von „Data Science“ und politikwissenschaftlicher Analyse, um neue Formen internetbasierter Partizipation besser beschreiben und erklären zu können – klingt spannend.

Work in progress

15. Juni 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (16-06)

Nach zwei elternzeitbedingt eher ruhigen Monaten gibt es wieder mehr zu berichten. Woran arbeite ich gerade?

Oberste Priorität hat das Projekt zur Rolle von Online-Intermediären in der Meinungsbildung, das mittlerweile deutlich an Fahrt aufgenommen hat: Wir sind mitten in der Feldphase, d.h. wir führen derzeit Gruppendiskussionen und Einzelinterviews durch, um näher zu ergründen, wie Menschen unterschiedlichen Alters im Internet Informationen zu gesellschaftlich relevanten Themen auffinden und mit anderen diskutieren. Ich kann zu den Befunden noch nichts Näheres sagen, aber könnte mir vorstellen, in einigen Wochen mal etwas zu der Methode der Netzwerkkarten zu schreiben, die wir im Zuge der Interviews einsetzen.

Zum Thema „Intermediäre“ bin ich passenderweise heute in Berlin beim „Sommerforum Medienkompetenz“ der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg: Ich gebe einen kurzen Input und diskutiere am Nachmittag mit Robert Behrendt und Dagmar Unz darüber, welche Kompetenzen die gegenwärtige Medienlandschaft für die Meinungsbildung voraussetzt. Hier die Folien:

Auch sehr interessant in diesem Zusammenhang: Meine Kollegen Sascha Hoelig und Uwe Hasebrink haben in den letzten Wochen den deutschen Länderbericht (.pdf) des „Reuters Institute Digital News Survey 2016“ zusammengestellt und mir netterweise vorab zu lesen gegeben. Die Studie liefert Befunde, die repräsentativ für die deutsche Internetnutzerschaft sind und für eine Vielzahl von aktuellen Debatten hilfreich sein können; von allgemeinen Trends des Informationsverhaltens über Fragen des Vertrauens in Nachrichten(medien) und die Nutzung sozialer Medien um Nachrichten zu kommentieren oder weiterzuleiten bis hin zur Zahlbereitschaft für Nachrichten online.

Eine Lektüre des Berichts lohnt sich auf jeden Fall; ich will hier kurz auf einen sehr interessanten Aspekt eingehen, den ich auch mit den Kollegen diskutiert habe: In Abschnitt 3.3 geht es um die Einschätzungen der Befragten zu Auswahlmechanismen für Nachrichten. Eingeleitet wurden diese Fragen wie folgt: „Jede Nachrichten-Website, mobile App oder jedes soziale Netzwerk trifft Entscheidungen darüber, welcher Inhalt Ihnen angezeigt wird. Die Entscheidungen können von Redakteuren und Journalisten oder von Computer-Algorithmen getroffen werden, die Informationen darüber analysieren, welche anderen Inhalte Sie genutzt haben oder was Sie und Ihre Freunde auf sozialen Netzwerken geteilt oder womit Sie interagiert haben.“ (S. 45) Drei Varianten sollten eingeschätzt werden (Hervorhebung durch mich):

  1. Journalistische Selektion („Die Auswahl von Berichten für mich durch Redakteure und Journalisten ist ein guter Weg, Nachrichten zu erhalten“): 36% eher oder volle Zustimmung, 38% Unentschiedene, 26% eher oder volle Ablehnung.
  2. Algorithmische Selektion I („Die automatische Auswahl von Berichten für mich auf der Grundlage der von mir früher abgerufenen Informationen ist ein guter Weg, Nachrichten zu erhalten“): 36% eher oder volle Zustimmung, 39% Unentschiedene, 26% eher oder volle Ablehnung.
  3. Algorithmische Selektion II („Die automatische Auswahl von Berichten für mich auf der Grundlage der von meinen Freunden abgerufenen Informationen ist ein guter Weg, Nachrichten zu erhalten“): 23% eher oder volle Zustimmung, 41% Unentschiedene, 36% eher oder volle Ablehnung.

Diese Befunde sind m.E. mehrfach interessant. Erstens fällt der hohe Anteil der Unentschiedenen auf, was dafür sprechen kann, dass es sich um eine Frage handelt, über die sich die Befragten keine eindeutige Meinung gebildet haben bzw. nicht bilden können. Zweitens sind bei allen drei Varianten keine großen Unterschiede zwischen den verschiedenen Altersgruppen erkennbar, allenfalls einige wenige Prozentpunkte mehr oder weniger. Drittens lassen sich offensichtlich auch keine Muster erkennen, dass journalistische Selektion und algorithmische Selektion als Gegensätze aufgefasst würden, also jemand nur das eine oder nur das andere für begrüßenswert hält. Im Bericht wird das nicht entsprechend ausgewiesen, aber mir wurde mündlich berichtet, dass die Antworten zu Statement 1 und 2 wohl recht hoch positiv korrelieren. Sprich: Wer journalistische Selektion für eher gut hält, hält auch algorithmische Selektion für eher gut, und umgekehrt. Ein interessanter nächster Schritt wäre, diesen Zusammenhang etwas näher zu ergründen – gilt er wirklich für alle Befragten oder lassen sich Gruppen erkennen, die ausschließlich das eine oder das andere befürworten würden?

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. „Kultur der Digitalität“ von Felix Stalder; eine sehr interessante Analyse der gegenwärtigen „digitalen Situation“, die u.a. auf drei Grundformen der Referentialiät, der Gemeinschaftlichkeit und der Algorithmizität zurückgeführt wird.

Vorträge01

10. Juni 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Vorträge 2016 (1)

Es ist schon eine Weile her, dass ich den letzten Überblick zu anstehenden Vorträgen gegeben habe – es wird also Zeit für eine neue Übersicht! Folgende Termine stehen bei mir in den kommenden Monaten an:

  • Es geht los mit einem Beitrag, den ich am kommenden Mittwoch, 15.6., in Berlin beim „Sommerforum Medienkompetenz“ der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg halte.  Der Titel des 20-minütigen Input-Vortrags ist „Soziale Medien als Intermediäre der Meinungsbildung und Nachrichtenvermittlung“; am Nachmittag werde ich zudem mit Robert Behrendt und Dagmar Unz auf dem Podium darüber diskutieren, welche Kompetenzen die gegenwärtige Medienlandschaft für die Meinungsbildung voraussetzt.

Danach ist erstmal wieder (selbstgewählte) lange Pause, bevor es im Herbst einige weitere Termine gibt.

  • Am 22/23.9 findet in Frankfurt a. M. auf der Tagung „Privatheit und Demokratie“, die das von der Volkswagenstiftung geförderte Projekt „Strukturwandel des Privaten“ durchführt. Ich werde dort einen Vortrag zum Thema „Soziale Medien, Öffentlichkeit und Privatheit“ halten.
  • Zeitgleich dazu findet in Antwerpen die RIPE2016-Konferenz statt, die sich mit „Public Service Media In a Networked Society“ befasst. Zwar werde ich es nicht einrichten können, zugleich in Frankfurt und Antwerpen zu sein – aber als Ko-Autor eines Papers mit dem Titel „An Algorithmic PSM Diversity Diet“ werde ich zumindest dem Geiste nach vertreten sein. Das Paper, das ich zusammen mit Jannick Kirk Sorensen von der Aalborg University verfasse, wird sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Algorithmische Empfehlungssysteme eine für Öffentlich-Rechtliche Medienanbieter geeignete Technologie sind, um Vielfalt zu fördern.
  • Am 29.09 steht dann was ganz anderes auf dem Programm: Für den Tag ist an der Sachsenwaldschule in Reinbek eine Podiumsdiskussion zur Rolle digitaler Medien im Leben von Jugendlichen geplant, und ich soll dort die Perspektive der Wissenschaft einbringen.
  • Vom 5. bis 8. Oktober schließlich findet in Berlin die „AOIR 2016“ statt, in die ich auch organisatorisch involviert bin; das Hans-Bredow-Institut ist neben dem Berliner HIIG lokaler Organisator. Eine Vortragseinreichung von mir zu den „Twitter Friend Repertoires“ wurde leider abgelehnt, aber ich bin als Ko-autor an einem Paper beteiligt, das sich mit „News Sharing on Twitter: A Nationally Comparative Study“ befasst, und werde an einem Panel teilnehmen, das einige Vorträge zum Thema „Caught in a feedback loop? Algorithmic personalization and digital traces“ versammelt.
Nach der Arbeit

1. Juni 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Euroscientipps 2016 (mit Primzahlsensationsalgorithmus)

[Update 3.6.2016: Der Primzahlsensationsalgorithmus hat ergeben: Die Türkei wird Europameister! Nähere Details ganz unten am Ende dieses Beitrags.]

Kaum sind die Scientipps 2015/16 beendet, steht schon das nächste Großereignis vor der Tür: Die EM 2016, zu der ich eine Sonderausgabe des allseits beliebten Tippspiels mit wissenschaftlichen Preisen und generischem Femininum anbiete – die Euroscientipps (Link führt zur Anmeldung; alle interessierten Tipperinnen, ob Wissenschaftlerin oder nicht, sind  herzlich eingeladen!).

Während ich bei den regulären Bundesliga-Runden immer auch Preise von Kolleginnen schnorre stiften lasse, gibt es bei den Euroscientipps nur Trophäen aus meinem Belegexemplarschrank zu gewinnen – und zwar folgende Preise (Hinweis: als „aktive Tipperin“ gilt jede Teilnehmerin, die mindestens an acht der zehn „Spieltage“ inkl. Bonustipps teilgenommen hat):

(1) „Die invertierte Preispyramide“

Am Ende der EM (alle Spiele inklusive Bonus-Fragen) entscheidet der Punktestand; die drei Erstplatzierten unter den aktiven Tipperinnen erhalten folgende Preise (bei Gleichstand entscheidet das Los):

  1. Preis: Drei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste
  2. Preis: Zwei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der von der 1. Gewinnerin gewählten Bücher)
  3. Preis: Ein Buch nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der von der 1. und 2. Gewinnerin gewählten Bücher – also das, das übrig bleibt)

Die Bücher:

  • Ästhetik & Kommunikation, Heft 154/155 (2011): Aufmerksamkeitsgier
  • Bellut (2012): Jugendmedienschutz in der digitalen Generation
  • Bundeszentrale für Politische Bildung (2012): Digitale Demokratie. Aus Politik und Zeitgeschichte 7/2012
  • Kaumanns / Siegenheim / Sjurst (2008): Auslaufmodell Fernsehen?
  • Livingstone / Haddon (2009): Kids Online. Opportunities and risks for children
  • Schmidt / Weichert (2013): Datenschutz. Grundlagen, Entwicklungen und Kontroversen

 

2) „Die Trophäe des treffsichersten Torjägerinnentipps“

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Welche Mannschaft stellt den Spieler [sic!] mit den meisten Toren?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Bonusfragen abgegeben werden): 1x Schenk / Gölz / Niemann (2015) Faszination Scripted Reality.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.
  • Sollte keine Tipperin die richtige Mannschaft tippen, geht dieser Preis an die aktive Tipperin mit den wenigsten Bonuspunkten; bei Gleichstand entscheidet das Los.

—-

Wie schon bei der WM 2014 wird auch bei der EURO 2016 wieder Sepp Blatter am Tippspiel teilnehmen, bzw. besser gesagt: simuliert werden. Dazu kommt ein weiteres Mal der von mir entwickelte Primzahlsensationsalgorithmus zum Einsatz. Sein zentraler Parameter ist der Rang einer Mannschaft auf der FIFA-Weltrangliste (Subgruppe: UEFA) vom 3.6.2016. Um das Ergebnis einer Partie zu bestimmen, gelten folgende Regeln:

1) Bestimme die Mannschaft mit dem niedrigeren Rang. Sie schießt mindestens so viele Tore:
Rang >= 30: 0 Tore
Rang >= 20: 1 Tor
Rang >= 10: 2 Tore
Rang >= 2: 3 Tore

2) Bestimme die Differenz zwischen den Rangplätzen der beiden Mannschaften. Die bessere Mannschaft schießt

0 Tore mehr wenn Diff < 4
1 Tor mehr wenn 4 =< Diff <8
2 Tore mehr wenn 8 =< Diff <15
3 Tore mehr wenn 15 =< Diff < 25
4 Tore mehr wenn 25 <= Diff

Es kann nach dieser Regel also Unentschieden geben, wenn die Mannschaften weniger als vier Plätze voneinander entfernt sind. Daher brauchen wir Regel

3) In K.O.-Spielen (ab dem Achtelfinale) gilt: Die bessere Mannschaft schießt

1 Tor mehr in der Verlängerung wenn 1 < Diff < 4
1 Tor mehr im Elfmeterschießen wenn Diff = 1

Weil sich nach diesen Regeln aber immer die besserplatzierte Mannschaft durchsetzen würde, gibt es noch den *trommelwirbel* „Primzahlsensation“-Faktor:

4) Wenn [(Produkt der beiden Weltranglistenplätze) – 1] eine Primzahl ist, dann geht das Spiel genau andersherum aus als in den Schritten 1-3 errechnet. Bei einem Unentschieden bleibt es bei einem Unentschieden.

Ein Beispiel: Spanien (Rang 6) spielt gegen Portugal (Rang 8) [Stand der Weltrangliste am 31.5. beim Verfassen dieses Beitrags]
1) Rangniedrige Mannschaft (POR) schießt 2 Tore
2) Ranghöhere Mannschaft (ESP) hat weniger als 4 Ränge Vorsprung, ergo schießen sie 0 Tore mehr
Das Spiel geht 2-2 aus. Bei Spielen in der Gruppenphase bleibt es dabei, Primzahlsensation hin oder her.

Wenn es aber ein K.O.-Rundenspiel wäre, würde greifen:
3) Die Differenz von 2 Punkten macht ein Tor mehr in der Verlängerung für Spanien.
4) Nun ist aber (6*8)-1 = 47, also eine Primzahl. Ergo erleben wir eine Primzahlsensation, und Portugal gewinnt 3-2 n.V..

Sobald die FIFA-Weltrangliste Anfang Juni veröffentlicht wurde, werde ich die Spiele nach diesem Algorithmus durchtippen und Tipperin Sepp_Blatter ins Rennen schicken. s.u.

Nun aber: Macht zahlreich mit, und möge die beste Tipperin gewinnen und Deutschland Europameisterin werden!

[Update 3.6.2016] Die neue FIFA-Weltrangliste wurde veröffentlicht und ich konnte alle Spiele unter Zuhilfenahme des Primzahlsensationsalgorithmus tippen.1

Worauf müssen wir uns also einstellen? In Gruppe A erleidet Frankreich direkt im Auftaktspiel eine Primzahlsensationsniederlage gegen Rumänien und wird am Ende nur Dritter. In den Gruppen B, C und E erwischt es die Favoriten England (gegen die Slowakei), Deutschland (gegen Polen) und Belgien (gegen Italien, das wiederum auch gegen Schweden verliert) auch primzahlsensationell,  aber sie können sich letztlich alle durchsetzen. Anders in Gruppe D, wo es bei Spanien gegen Tschechien und gegen die Türkei jeweils Primzahlsensationen gibt, sodass die Titelverteidigerin ebenfalls nur Gruppendritte wird – und als eine der beiden schlechtesten Gruppendritten (neben Wales) ausscheidet. Noch härter erwischt es Portugal, das gegen Island und gegen Österreich verliert und am Ende punktgleich mit Island, aber mit dem schlechteren Torverhältnis Gruppenletzter wird.

Im Achtelfinale kommt es dadurch zu einigen reizvollen Paarungen (wenn ich die komplizierten Kriterien im UEFA-Reglement unter Punkt 17.02 und 17.03 richtig angewandt habe): Unter anderem gewinnt England gegen Frankreich nach Verlängerung, genauso wie Österreich gegen Italien. Deutschland gibt sich gegen Island keine Blöße und gewinnt 3-0. Belgien hingegen, auf FIFA-Rang 2 absoluter Favorit gegen Tschechien (Rang 30), erwischt einen primzahlsensationell rabenschwarzen Tag und geht mit 0-3 unter. Auch die Slowakei schafft die Primzahlsensation und gewinnt 2-1 n.V. gegen Ungarn.

Im Viertelfinale gewinnt die Türkei denkbar knapp mit 3-2 nach Elfmeterschießen gegen die Ukraine, während Deutschland Tschechien souverän mit 3-0 wegbügelt. Die Slowakei setzt ihren Primzahlsensationssiegeszug fort und gewinnt 2-1 gegen die Schweiz. Die größere Primzahlsensation aber gelingt England: Sie gewinnen im Elfmeterschießen (!!) 3-2 gegen Österreich.

Im Halbfinale ist dann aber die Kraft zuende und es setzt eine primzahlsensationelle 3-2-Niederlage nach Verlängerung gegen die Türkei. Deutschland stoppt den Siegeszug der Slowakei mit 3-1.

Und so kommt es zum Finale Türkei gegen Deutschland, Erdogan gegen Merkel, Jogi Löw gegen Fatih Terim, Mats Hummels gegen Nuri Sahin, alle HSV-Fans gegen Hakan Calhanoglu, Bosporus gegen Harz, Baklava gegen Gummibärchen. Und was soll ich sagen? Wenn der 18. gegen den 4. der Weltrangliste spielt … dann ist (Produkt minus eins) = 71 … und das ist eine Primzahl … die Türkei wird durch ein letztlich hochverdientes 3-2 Europameister 2016!

  1. In diesem .pdf habe ich die Ergebnisse, die der Algorithmus vorhersagt, in die „Ergebnis“-Kästchen eingetragen; in den „Tipp“-Kästchen ist jeweils die Platzierung der Mannschaft in der Weltrangliste vermerkt. Wenn ein * vor den Platzierungen steht, kommt es bei dem betreffenden Match zu einer Primzahlsensation.
Calls

26. Mai 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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CfP für Sonderausgabe zu Algorithmen – Kommunikation – Gesellschaft

Das Online-Journal kommunikation@gesellschaft, in dessen Herausgeberteam ich sitze, plant eine Sonderausgabe zum Themenkomplex „Algorithmen, Kommunikation & Gesellschaft“. Neben Christian Stegbauer, Nils Zurawski und mir wird auch Katharina Kinder-Kurlanda dieses Projekt als Gast-Herausgeberin mit betreuen, was mich sehr freut! Unten habe ich mal die inhaltlichen Teile des Calls angehängt; die vollständige Ausschreibung inkl. der Fristen findet sich als .pdf auf unserer Homepage. Wir freuen uns auf viele interessante Einreichungen (erste Frist: 1-2 Seiten abstract bis 30.6.2016).

Die Durchdringung unserer Gesellschaft mit digitalen Technologien führt dazu, dass soziales Handeln in wachsendem Maße mit Algorithmen verschränkt ist, also mit Software-Prozeduren, die digitale Daten erheben, verarbeiten und ausgeben. Diese Entwicklung macht auch vor Kommunikation nicht halt: Algorithmische Medien bringen Kommunikations­partner zusammen und konstituieren Öffentlichkeiten; sie filtern Daten, Informationen und Inhalte, bündeln sie und verbreiten sie; sie machen Kommunikationsprozesse nachvollziehbar, durchsuchbar und überwachbar. Zugleich lassen sie die Grenzen zwischen den einstmals separaten Kommunikationsmodi der massenmedial-publizistischen Kommunikation und der interpersonalen Kommunikation verschwimmen und schaffen neue, hybride Modi. Verschiedene Akteure sind am Entstehen und der Instandhaltung algorithmischer Medien beteiligt, die oft Teil komplexer und global vernetzter technischer Systeme sind und gleichzeitig neue Formen der Mensch-Computer-Interaktion nahelegen, mit denen sich Akteure wiederum auf unterschiedliche Weise auseinandersetzen.

Während die Informatik eine lange Tradition der Entwicklung und Evaluation algorithmischer Medien hat, kommt die sozial- und kulturwissenschaftliche Reflexion dieser Entwicklungen erst langsam in Fahrt: Welche Auswirkungen hat eine durch Algorithmen geprägte Kommunikation auf gesellschaftliche Strukturen und alltägliche Praktiken? Inwiefern sind die Algorithmen, ihre Parameter und ihre Rolle in umfassenderen soziotechnischen Systeme selbst Ergebnis von sozialem, kommunikativem Handeln? Und mit welchen Methoden kann eine (weit verstandene) sozialwissenschaftliche Perspektive diese Phänomene und Prozesse untersuchen?

Für eine Sonderausgabe des interdisziplinär-sozialwissenschaftlichen Online-Journals kommunikation@gesellschaft suchen wir „klassische“ Journal-Beiträge genauso wie Essays, Forschungsnotizen oder andere kritisch-reflektierende Analysen zum Themenkomplex “Algorithmen, Kommunikation, Gesellschaft”. Die folgenden Stichworte geben Hinweise auf mögliche Themen und Fragestellungen, ohne Beiträge zu darüber hinausgehenden Aspekten auszuschließen, sofern sie sich in das Oberthema einordnen lassen:

Algorithmen und soziale Interaktion

  • Welche Annahmen über Akteure und ihre Beziehungen sind in Algorithmen eingeschrieben? Wie wirken sie sich auf Interaktionen aus?
  • Welche neuen Möglichkeiten der Interaktion mit oder des ‘Sich-Zunutze-Machens’ von Algorithmen lassen sich beobachten?
  • Wie gestalten Menschen ihren Arbeits-, Spiele- oder Kommunikationsalltag in und mit algorithmischen Medien?
     

Algorithmische Öffentlichkeiten

  • Steigern algorithmische Medien die Vielfalt oder fördern sie Filterblasen und Echokammern?
  • Welchen Einfluss hat algorithmische Selektion auf individuelle wie gesellschaftliche Informiertheit, Meinungsbildung, Partizipation?
  • Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten kennzeichnen algorithmische vs. journalistische Vermittlung und Kuratierung von Inhalten?
     

Algorithmen & Beobachtung, Monitoring, Kontrolle, Surveillance

  • Auf welche Weise unterstützen algorithmische Medien die Beobachtung des Selbst und der Welt?
  • Welche Rolle spielen algorithmische Medien in Regimes der Kontrolle und Überwachung?
  • Wie gehen Akteure in verschiedenen Situationen damit um, dass sie Teil algorithmischer Prozesse der Beobachtung, Sortierung und Messung sind?
     

Die kommunikative Konstruktion von Algorithmen

  • Wie verlaufen öffentliche Diskurse über Algorithmen?
  • Welche Akteurskonstellationen und kommunikativen Figurationen schaffen und platzieren Algorithmen als Teil umfassenderer soziotechnische Systeme?
  • Was kann oder sollte eine “Ethik der Algorithmen” auszeichnen?
     

Zugänge und Methoden einer sozialwissenschaftlichen „Algorithmenforschung“

  • Lässt sich das gegenwärtige Feld der sozialwissenschaftlichen Algorithmenforschung kartieren? Welche Disziplinen, Theorien, Methoden dominieren?
  • Ist “der Algorithmus” ein angemessenes Erkenntnisobjekt? Wie lassen sich algorithmische Macht und situative Kontingenz analytisch in Einklang bringen?
  • Lassen sich etablierte sozialwissenschaftliche Methoden umstandslos auf die Analyse algorithmischer Medien übertragen, oder braucht es angepasste oder gar neue Methoden?
Publikationen02

24. Mai 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
1 Kommentar

Neue Publikationen

Ich bin zurück aus der Elternzeit und gewöhne mich langsam wieder an das Leben im Büro – wozu auch gehört, wieder einen Rhythmus für’s Bloggen zu finden. Der nächste „Mittendrin zur Monatsmitte„-Eintrag ist ja noch etwas entfernt, aber ich kann immerhin auf einige Publikationen hinweisen, die in den vergangenen Wochen erschienen sind.

Da ist erstens ein Paper, das das Konzept der „Twitter Friend Repertoires“ erläutert, mit dem wir seit einiger Zeit am Bredow-Institut arbeiten (Ende 2015 hatte ich dazu im Bredowcast auch schon etwas erzählt). Für das Online-Journal „First Monday“ habe ich unseren Vorschlag für die Operationalisierung bzw. empirische Umsetzung zusammengefasst und erste Befunde exemplarisch vorgestellt. Mittlerweile haben wir für verschiedene Gruppen von Twitter-Nutzern entsprechende Analysen vorliegen und weitere Präsentationen bzw. Publikationen in Vorbereitung, z.B. für die „AOIR 2016“-Konferenz Anfang Oktober in Berlin.

Schmidt, Jan-Hinrik (2016): Twitter friend repertoires: Introducing a methodology to assess patterns of information management on Twitter. In: First Monday, Vol. 21, Nr. 4, 4 April 2016. DOI: 10.5210/fm.v21i4.6207

Zweitens ist in diesen Tagen das „SAGE Handbook of Digital Journalism“ erschienen, für das Wiebke Loosen und ich einen Beitrag verfasst haben. Ich freue mich, dass wir als Teil einer sehr illustren und internationalen Runde von Herausgeber/innen und Autor/innen zentrale methodologische Erkenntnisse aus unserem #jpub20 – Projekt zusammenfassen durften:

Loosen, Wiebke / Jan-Hinrik Schmidt (2016): Multi-method Approaches in Journalism Research. In: Tamara Witschge / Chris W. Anderson / David Domingo / Alfred Hermida (Hrsg.) The SAGE Handbook of Digital Journalism. Thousand Oaks: SAGE. S. 562-576.

Und schließlich kann ich drittens ankündigen, dass die Print-Ausgabe des „Handbuch Soziale Medien“ in Produktion ist und hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit veröffentlicht wird. Die Online-Fassung des Handbuchs, das ich mit Monika Taddicken herausgebe, ist ja schon seit einiger Zeit verfügbar; die Printversion wird dann insgesamt 20 Kapitel umfassen. Sobald es soweit ist, weise ich gerne noch einmal darauf hin.

Publikationen02

1. April 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Soziale Medien in der Wissenschaftskommunikation

Am 18.3.2016 fand in Berlin der Workshop „Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation“ statt. Im Nachgang dazu hier noch einige Informationen:

Die drei Expertisen, die in diesem Rahmen vorgestellt und diskutiert wurden, sollen in den kommenden Tagen auf der Homepage der Acatech zum Download verfügbar gemacht werden, darunter auch meine:

Schmidt, Jan-Hinrik (2016): Soziale Medien als Intermediäre in der Wissenschaftskommunikation. Entwurf einer Expertise für das Akademienprojekt „Kommunikation zwischen Wissenschaft, Öffentlichkeit und Medien (Phase 2)“. Hamburg. Online verfügbar: http://www.acatech.de/fileadmin/user_upload/Baumstruktur_nach_Website/Acatech/root/de/Projekte/Laufende_Projekte/WOEM2/Expertise_Schmidt_Entwurf.pdf

Beim Workshop habe ich einige zentrale Gedanken aus meiner Expertise vorgestellt; unten sind die Folien des Vortrags eingebettet, und im Scilog-Blog habe ich noch einen nachbereitenden Gastblogger-Eintrag verfasst. Zu guter Letzt hat Daniela Friedrich für die aktuelle Ausgabe des Bredowcast mit mir über dieses Thema gesprochen – die Episode kann hier angehört werden.

 

Work in progress

15. März 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (16-03)

Was, schon wieder ein Monat rum? Nun denn, hier also die nächste Folge „Mittendrin zur Monatsmitte“. Was beschäftigt mich gerade?

  • Ende dieser Woche, am 18.3., findet in Berlin der Workshop „Bedeutung, Chancen und Risiken der sozialen Medien für die Wissenschaftskommunikation“ statt, auf dem ich meine Expertise „Soziale Medien als Intermediäre in der Wissenschaftskommunikation“ zur Diskussion stellen werde; einige Gedanken hatte ich ja bereits auf dem Projektblog präsentiert. Wenn die Diskussion auf dem Workshop ähnlich konstruktiv und interessant wird wie im Blog, dürfte das eine spannende Veranstaltung werden!
  • Für die drei Landtagswahlen am vergangenen Sonntag hatte ich wieder den Twitter-Tracker angeworfen: Seit vier Wochen wurden die zentralen wahlbezogenen hashtags sowie die Twitter-Accounts der Kandidierenden getrackt, und das wird auch noch bis Sonntag in acht Tagen laufen, sodass ich wieder für jede Wahl den Zeitraum von vier Wochen vor und zwei Wochen nach der Wahl abgedeckt habe. Damit liegen dann Datensätze vor, die mit dem zur Hamburgischen Bürgerschaftswahl 2015 vergleichbar sind und weitere Aufschlüsse über die Twitteraktivitäten während verschiedener deutscher Landtagswahlen geben können. Bis ich zur Auswertung komme, wird es aber noch etwas dauern; im Moment sitze ich noch an einem Manuskript zur #hhwahl-Studie… Ich kann aber zumindest schon mal als Vorgucker die bisher aufgezeichneten Aktivitäten zu den drei hashtags #ltwlrp, #ltwlsa und #ltwbw (von oben nach unten; jeweils 15.2. bis 14.3.; Klick vergrößert) liefern.

ltwrlp_snapshot ltwlsa_snapshot ltwbw_snapshot

  • Vertwittert hatte ich es schon, aber hier auch nochmal im Blog: Die Analyse der E-Petitionsplattform des Deutschen Bundestags, aus der vor knapp zwei Jahren bereits ein Arbeitspapier von Katharina Johnsen und mir veröffentlicht wurde, ist in einem weiteren Paper gemündet, das in Information, Communication & Society erscheinen wird (der Aufsatz ist noch nicht beim Journal online, aber ein preprint dieses Papers kann auf SSRN abgerufen werden).

Puschmann, Cornelius / Marco Bastos / Jan-Hinrik Schmidt (2016): Birds of a feather petition together? Characterizing e-petitioning through the lens of platform data. In: Information, Communication & Society. DOI: 10.1080/1369118X.2016.1162828 .

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Paper „Trace Interviews: An Actor-Centered Approach“ von Elizabeth Dubois und Heather Ford, das für das Projekt zu Intermediären und Meinungsbildung sicherlich hilfreich ist – dort wollen wir ja ebenfalls mit dieser Methode arbeiten, um von unseren Interviewpartnern näheres über die Rolle von Online-Intermediären bei ihrem politischen Informationsverhalten zu erfahren.

Work in progress

15. Februar 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (16-02)

Im Januar habe ich mich ja selbst in Zugzwang gebracht – hier nun also die Februar-Ausgabe von „Mittendrin zur Monatsmitte“. Mit was für Dingen beschäftige ich mich im Moment so?

  • Da ist zunächst einmal, wie hier auch angekündigt, meine Gastbloggerei auf scilogs.de, wo ich noch bis Ende der Woche zu meiner Expertise „Soziale Medien als Intermediäre in der Wissenschaftskommunikation“ Rede und Antwort stehe. Dank der interessanten und konstruktiven Rückfragen ist es auch recht lebhaft dort, sehr schön!
  • Das Thema „Intermediäre“ treibt mich im Moment aber auch noch anderweitig um; zum einem im Zusammenhang des Projekts für die medienanstalten, zum anderen weil ich Anfang März an einem Expertenworkshop der „AG Intermediäre“ teilnehmen werde, die innerhalb der Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz  arbeitet. Es geht jeweils insbesondere um die Rolle von Suchmaschinen und Netzwerk-, Video- oder (Micro-)Blogplattformen für die gesellschaftliche Meinungsbildung.
  • Daneben hatte ich gerade die letzten Tage auch recht viel damit zu tun, zwei Installationen von DMI-TCAT einzurichten (bzw. sie mir von unseren Instituts-Admins einrichten zu lassen). Für die drei anstehenden Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt werde ich wieder die zentralen Wahlkampf-Hashtags und Twitter-Aktivitäten der Kandidierenden tracken. Diese Datensätze möchte ich dann vergleichend auswerten, insbesondere um zu prüfen, welchen Anteil an den „hashtag publics“ die Kandidierenden haben, und welchen Anteil andere öffentliche Sprecher. Das Vorgehen ist also ähnlich wie beim Projekt zur „#hhwahl“ Anfang 2015, fokussiert diesmal aber nur Twitter, nicht auch noch andere soziale Medien.

Auch noch erwähnenswert: Ende letzter Woche war ich bei NDR 90,3 zu Gast, um eine Sendung aufzuzeichnen, die am Dienstag, 16.2. von 20 bis 21 zu hören sein wird: „Hass in sozialen Netzwerken“ ist das Thema, und ich habe zusammen mit der Bürgerschaftsabgeordneten Stefanie von Berg und dem ZEIT-Journalisten Oliver Hollenstein darüber diskutiert, wie insbesondere Facebook die politische Öffentlichkeit beeinflusst (es ging nicht nur um Hass.. :-)).

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. „Open-Source-Projekte als Utopie, Methode und Innovationsstrategie“ von Jan-Felix Schrape; eine kompakte organisationssoziologische Studie zur Open-Source-Software-Entwicklung.

 

(Netz-)Politik

10. Februar 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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Gastblogger bei den Scilogs

Im Januar hatte ich ja bereits kurz erwähnt, dass ich für eine Arbeitsgruppe der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften an einer Expertise zum Thema „Soziale Medien als Intermediäre in der Wissenschaftsberichterstattung“ arbeite. Sie ist zwischenzeitlich fertiggestellt und wird, gemeinsam mit zwei anderen Expertisen, Mitte März in Berlin öffentlich vorgestellt. Im Vorfeld dieses Termins gibt es aber auch schon Gelegenheit, über die Inhalte zu diskutieren: Auf der Science-Blog-Plattform scilogs.de steht ein eigens dafür eingerichtetes Blog bereit. Ich darf dort den Anfang als Gastblogger machen und werde bis etwa zum 20. Februar einige Thesen aus meiner Arbeit vor- bzw. zur Diskussion stellen. Kommt doch einfach alle mit rüber! :-)

Publikationen02

26. Januar 2016
von Jan-Hinrik Schmidt
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„Handbuch Soziale Medien“ – erste Beiträge veröffentlicht

Schon seit längerer Zeit (ich will gar nicht nachschauen, wie lange eigentlich….) betreue ich mit Monika Taddicken zusammen als Herausgeber das „Handbuch Soziale Medien„, das in der Reihe „Springer NachschlageWissen“ erscheint. Zu Jahreswechsel war es nun endlich soweit: Die ersten Beiträge sind online veröffentlicht worden, darunter auch die beiden einführenden Texte, die Monika und ich gemeinsam verfasst haben – eine Übersicht der aktuell verfügbaren Artikel findet sich hier.

Unser Ziel mit dem Handbuch ist, den aktuellen Forschungs- und Diskussionsstand zu sozialen Medien in der Kommunikationswissenschaft sowie angrenzenden sozialwissenschaftlichen Disziplinen zu bündeln und systematisch aufzubereiten. Insgesamt sieht unsere Konzeption 20 Beiträge vor; sobald alle Texte vorliegen, wird auch eine Print-Ausgabe des Handbuchs produziert. Kern des Bandes soll aber die Online-Veröffentlichung sein, auch weil das Konzept der von Springer so genannten „Living Reference Works“ vorsieht, dass einzelne Beiträge von ihren Autor/innen jederzeit aktualisiert werden können.

Schmidt, Jan-Hinrik / Taddicken, Monika (Hrsg.) (2015): Handbuch Soziale Medien. Wiesbaden: VS Springer. Online-Publikation: http://link.springer.com/referencework/10.1007/978-3-658-03895-3 . DOI: 10.1007/978-3-658-03895-3

Taddicken, Monika / Schmidt, Jan-Hinrik (2015): Entwicklung und Verbreitung sozialer Medien. In: Schmidt, Jan-Hinrik / Monika Taddicken (Hrsg.): Handbuch Soziale Medien. Online-Publikation: http://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-658-03895-3_1-1 . DOI: 10.1007/978-3-658-03895-3_1-1

Schmidt, Jan-Hinrik / Monika Taddicken (2015): Soziale Medien: Gattungen, Funktionen, Angebotstypen. In: Dies. (Hrsg.): Handbuch Soziale Medien. Online-Publikation: http://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-658-03895-3_2-1 . DOI: 10.1007/978-3-658-03895-3_2-1