Schmidt mit Dete

15. Dezember 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-12)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Wieder mal bin ich etwas zu spät dran, um meinen „Mittendrin zur Monatsmitte“ pünktlich am 15. um 12 Uhr zu veröffentlichen – aber ich habe eine gute Entschuldigung, dass es heute einige Stunden später wurde: Heute war mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr, weshalb die vergangenen Tage recht arbeitsam und deadline-intensiv waren. Unter anderem habe ich auf den letzten Jahresmetern noch abgeschlossen:

  • Für einen Beitrag zu „Blogs“, der in der Neuauflage des „Handbuch empirische Sozialforschung“ erscheinen wird, mussten noch einige Rückmeldungen der Herausgeber berücksichtigt werden.
  • Gleiches gilt für einen Beitrag zur Social-Media-Nutzung der Kandidierenden zur Bundestagswahl, der noch dringend vor Weihnachten überarbeitet werden musste, damit er im Januar 2018 in den Media-Perspektiven erscheinen kann.
  • Dann galt es noch eine kurze Expertise für den MDR fertig zu stellen, die sich mit „Algorithmischem Empfehlen“ beschäftigt und hoffentlich 2018 in weiteren, dann auch breiter kommunizierbaren Aktivitäten mündet.
  • Und zu guter Letzt waren noch einige Reviews fällig; neben einigen Gutachten zu Aufsatzeinreichungen für Medien & Kommunikationswissenschaft gehörte dazu auch eine Stellungnahme zu einem Forschungsprojekt im Rahmen einer universitätsinternen Förderinitiative (mehr verrate ich nicht, sonst wäre es nicht mehr anonym.. ;-)).

Natürlich gab es noch mehr „to do“’s und „man müsste mal“’s, die ich dieses Jahr nicht geschafft habe. Aber wenn ich auf meine Post-It-Wand schaue, bin ich doch ganz zufrieden, was ich dieses Jahr so alles auf die linke „erledigt“-Seite schieben konnte…

Die bunten Zettel in der rechten Spalte zeigen, dass 2018 schon seine Schatten vorauswirft. Aber die nächsten drei Wochen habe ich erstmal Urlaub… :-)

Was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln im Urlaub? U.a. „The Hanging Tree“ aus der sehr empfehlenswerten Rivers-of-London-Reihe von Ben Aaranovitch.

15. November 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-11)

Heute gibt es eine ganz besondere Folge von „Mittendrin zur Monatsmitte“. Warum? Weil heute mein 10-Jähriges Dienstjubiläum am Hans-Bredow-Institut ist! Zehn Jahre darf ich nun also schon mit wunderbaren Kolleg/innen und motivierten studentischen Mitarbeiter/innen an unglaublich spannenden und gesellschaftlich relevanten Themen forschen, wie schön! Und noch toller: Das Institutsgedächtnis hat gespeichert, dass ich vor zehn Jahren zu meinem Einstand einen Original Bamberger Leberkäse mitbrachte, buk und verteilte1. Statt eines Jubiläumskuchens gab es daher heute Leberkäsbrötchen als Geschenk für mich und alle Anwesenden…! :-)

Leider besteht meine Arbeit derzeit nicht ausschließlich aus Dienstjubiläen und kulinarischen Überraschungen; im Moment treiben mich vor allem zwei Vorhaben um:

  • Für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag arbeiten wir ja an einem Gutachten zum Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung. Morgen steht ein interner Team-Workshop an, bei dem wir den bisherigen Stand aus den verschiedenen Arbeitspaketen zusammen tragen und abgleichen wollen. In Sachen Forschungsstand soll das insbesondere vermeiden, dass manche Studien und Befunde mehrfach erwähnt werden, oder dass bestimmte Aspekte übersehen werden. In Sachen eigener empirischer (Sekundär-)Analysen geht es vor allem um einen allerersten Überblick, in welche Richtung die Befunde gehen werden; hier wird die eigentliche Arbeit wohl erst Anfang 2018 laufen.
  • Ausserdem sitze ich weiterhin an einer ersten Zusammenfassung der Studie zu den Social-Media-Aktivitäten der Bundestagskandidierenden. Hier gilt es in den kommenden Tagen vor allem noch, die Analyse der Twitter Friend Repertoires abzuschließen; also zu überprüfen, wie die Sets von Accounts zusammengesetzt sind, denen die Kandidierenden auf Twitter folgen.

Daneben gibt es eine Reihe von kleineren Aufgaben und Vorhaben, und nicht zuletzt noch zwei Vortragsreisen, bevor dann Mitte Dezember bereits mein Weihnachtsurlaub beginnt. Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Buch „The closing of the Net“ von Monica Horten, das eine sehr interessante Perspektive auf die Machtstrukturen und Prozesse der Ordnungsbildung gibt, die die derzeitige Gestalt des Internet prägen.

  1. Die anfängliche Skepsis bei einigen Kolleg/innen mit norddeutschem Hintergrund wich bald der Freude über so leckeres Essen…. bilde ich mir zumindest ein… :-

15. Oktober 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-10)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Mit eintägiger Verspätung kommt jetzt der „Mittendrin zur Monatsmitte“-Eintrag für den Oktober. Das Warten hat sich gelohnt, denn heute ist die Bredowcast-Folge online gegangen, die ich mit Daniela Friedrich zur frisch erschienenen 2. Auflage meines Buches „Social Media“ aufgenommen habe. Wer sich also anhören möchte, was ich zu Inhalt, Anliegen und Kontext dieser Neuauflage zu erzählen habe:

(Das Buch kostet leider nicht, wie ich bei der Aufnahme des Podcasts noch dachte, „zehn bis zwölf Euro“, sondern wird vom Verlag jetzt für 15 [ebook] bzw. 20 Euro [print] angeboten. Ich hätte mir ja weiter den niedrigeren Preis wie bei der ersten Auflage gewünscht, hatte da aber leider kein Mitspracherecht…)

Was Projekte angeht, stehen derzeit vor allem zwei Dinge im Vordergrund:

  • Die Auswertung der Social-Media-Aktivitäten der Bundestagskandidierenden geht voran; eine erste Publikation habe ich für Anfang 2018 in Aussicht, aber das ist im Moment noch nicht ganz spruchreif.
  • Zusammen mit Cornelius Puschmann koordiniere ich die Erstellung eines Gutachtens, das wir in einem größeren HBI-Team für den Deutschen Bundestag erstellen, genauer: Für das Büro für Technikfolgenabschätzung, das sich derzeit u.a. mit dem Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung beschäftigt.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. den Aufsatz „Qualitäts- und Erfolgsmessung in einem öffentlich-rechtlichen Medienhaus„, der einige Fragen berührt, die mich gerade im Zusammenhang mit algorithmischer Personalisierung beschäftigen.

 

29. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Rezension zu „Der (des)informierte Bürger im Netz“

Für die aktuelle Ausgabe von M&K habe ich eine Rezension beigesteuert, nämlich von Wolfgang Schweigers Buch „Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern“ – hier im Blog gibt es die Fassung mit Hyperlinks! :-)

In den letzten Jahren sorgten unter anderem die Debatten um Flüchtlingspolitik und die Geschehnisse in der Kölner Silvesternacht 2015/2016, aber auch die für viele Beobachter/-innen überraschenden Ausgänge des Brexit-Referendums und der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl für ein enormes Interesse an der Rolle, die soziale Medien mittlerweile im Gefüge der politischen Öffentlichkeit eingenommen haben. Neben solchen äußeren Anlässen motivierten wohl auch die hartnäckigen Nachfragen von Fachkollegen Wolfgang Schweiger dazu, die Überlegungen seiner Hohenheimer Antrittsvorlesung vom Januar 2015 weiter zu denken und zu einem gestandenen Buch auszuarbeiten. Von Seiten des Rezensenten vielen Dank für diesen kollegialen Druck, denn das Werk kommt, soviel kann dem Fazit schon vorgegriffen werden, zur richtigen Zeit – auch wenn es damit leben muss, dass manche Passagen angesichts der rasanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklung wie auch der hoch dynamischen Forschungslage quasi mit Erscheinen schon wieder veraltet sind.

Schweiger beginnt seine Ausführungen mit der Diagnose, dass wir derzeit sowohl einen Be­deutung­s­verlust journalistischer Nachrichten als auch einen Aufstieg sozialer Medien beobachten können. Unabhängig davon, ob dies nur zeitliche Koinzidenz oder tatsächlich kausaler Zusammenhang ist: „Das schwächt die politische Informiertheit und die Diskursfähigkeit der Bevölkerung und verstärkt die Polarisierung der Gesellschaft“ (S. VIIIf.), so die Ausgangsthese des Buches. Sie wird in sechs Kapiteln unter Bezug auf verschiedene Stränge kommunikationswissenschaftlicher Forschung ausgeführt und „unterfüttert“: Von allgemeinen demokratietheoretischen Überlegungen zur Rolle des (Nachrichten-)Journalismus und der informierten Bürger über Studien zum nachrichtenbezogenen Informationsverhalten bis hin zu Konzepten der Meinungsbildung und der Meinungsklimawahrnehmung. Aus Platzgründen will ich nur auf zwei Aspekte eingehen, die Schweigers Anliegen und Argumentation m.E. gut verdeutlichen können, nämlich das Konzept des „granularisierten Nachrichtenkontakts“ sowie der Fokus auf die „politisierte Bildungsmitte“.

Die Organisationsprinzipien sozialer Medien begünstigen der Analyse zufolge den „granularisierten Nachrichtenkontakt“: Sie lösen Nachrichten und Meldungen aus dem Kontext publizistischer Angebote und betten sie ein in den personalisierten, ständig aktualisierten Strom von Neuigkeiten in der Timeline von Twitter oder dem Facebook-Newsfeed. Dort stehen journalistische Nachrichten neben privat-persönlichen Updates aus dem Freundeskreis und der persuasiven Kommunikation von Marken oder politischen Parteien.

Von dieser Beobachtung ist es nur ein kurzer Schritt hin zur „Filterblase“-These, die postuliert, dass psychologische und soziologische Mechanismen des Informationsmanagements durch technisch-algorithmische Selektion verstärkt würden, was die Vielfalt der empfangenen Informationen senke. Schweiger weist zu Recht daraufhin, dass auch die entgegengesetzte Annahme – die Erweiterung persönlicher Online-Netzwerke steigere die Chance, mit heterogenen Informationen konfrontiert zu werden – gleichfalls plausibel sei; der aktuelle Forschungsstand jedenfalls lasse jedoch noch keine klare und abschließende Beurteilung der Personalisierungseffekte von sozialen Medien zu.

Doch eine andere Wirkungskette sieht Schweiger als bedrohlicher an: Der granularisierte Nachrichtenkontakt in sozialen Medien verhindere einen umfassenden Nachrichtenüberblick und begünstige die Konfrontation mit „Fälschungen, Lügen und Halbwahrheiten“ (S. 112). So könne es zu einer Negativspirale „aus sinkendem Nachrichtenüberblick und Journalismusvertrauen sowie zurückgehender Nachrichtennutzung vieler Bürger“ (S. 81) kommen. Diese Entwicklungen blieben wiederum nicht folgenlos für die Meinungsbildung, die dem demokratietheoretischen Ideal zufolge informierte Bürgerinnen und Bürger voraussetzt, die Kenntnisse von Fakten wie auch von konkurrierenden Haltungen und Meinungen zu politischen Anliegen haben.

In Kapitel 5 legt Schweiger einen Schwerpunkt auf die „politisierte Bildungsmitte“, wie er „stark politisierte(.) Bürger mit durchschnittlicher formaler Bildung, die sich über soziale und alternative Medien informieren“ (S. 7) bezeichnet. Anhand dieser Bevölkerungsgruppe, aus der sich auch viele Anhänger von (rechts)populistischen Bewegungen speisen, entwickelt er ein Wirkungsmodell, das die Veränderungen auf Seiten der online verfügbaren Informationen mit individuellen Faktoren zusammenbringt. Politisch stark involvierte Menschen mit geringem politischen Vorwissen und gering ausgeprägter Medienkompetenz seien, so die Annahme, von der Vielfalt der online verfügbaren Informationen nicht nur inhaltlich überfordert, sondern insbesondere auch anfällig für Einstellungs- und Wissenseffekte wie Pseudo-Informiertheit, Polarisierung und verzerrte Meinungsklimawahrnehmung, die die sozialen Medien begünstigen können. Insoweit diese „Wutbürger“ auch redebereiter und politisch aktiver sind, können sie über ihre Teilnahme an öffentlicher Bürgerkommunikation in den sozialen Medien die Sichtbarkeit ihrer Meinungen überproportional erhöhen und andere Menschen mobilisieren.

Dementsprechend warnt Schweiger im Fazit auch: Dass sich ein Teil der Bevölkerung von journalistischen Nachrichtenmedien abwende und in den sozialen Medien – aber nicht nur da, siehe den Zulauf zu Pegida-Demonstrationen – formieren und den demokratischen Diskurs unterhöhlen könne, bedrohe grundlegend den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dem gegen zu steuern sei Aufgabe der Bildungspolitik (Stichwort: Medienkompetenz für die digitale Gesellschaft), vor allem aber auch der Medienpolitik, die zum einen die großen Plattformen gerade in Hinblick auf Hasskommentare und gezielt irreführende Informationen stärker regulieren, zum anderen die Rahmenbedingungen für journalistische Qualität verbessern müsse.

Schweigers Buch ist gelungen, auch und gerade weil es zeigt, dass wir Kommunikations­wissenschaftler/-innen Stellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen beziehen können (und sollten), die nicht nur den Kern unseres Faches, sondern auch das Herz der demokratischen Öffentlichkeit berühren. Er konzediert selbst, dass nicht jede Annahme gleichermaßen durch empirische Befunde zweifelsfrei abgesichert sei, er sich aber am Leitbild der „kumulativen Evidenz“ orientiere. Jede Leserin und jeder Leser wird daher vermutlich einzelne Stellen finden, die er oder sie weniger überzeugend findet. Mir etwa sei (pro domo) der Hinweis auf eine Lücke im Forschungsstand zur Nachrichtennutzung erlaubt, die durchaus folgenreich ist: Die deutsche Teilstudie des „Reuters Institute Digital News Survey“ liefert bereits seit 2012 repräsentative Daten zur Nachrichtennutzung, die sich noch dazu mit der Lage in mittlerweile 36 Ländern vergleichen lassen. Sie kann zeigen, dass in Deutschland die Nutzung sozialer Medien generell und für nachrichtliche Zwecke im speziellen im Lauf der Jahre zwar zugenommen hat. Aber der Anteil derjenigen, die soziale Medien als Haupt- oder gar als einzige Nachrichtenquelle verwenden, ist gerade im internationalen Vergleich nach wie vor recht klein. Man darf also nicht nur die Internetnutzung betrachten, sondern muss andere Medien­gattungen mit einbeziehen, weil diese nach wie vor für viele Menschen wichtige Informations­quellen sind. Dies wiederum kann bedeuten, dass manche der Annahmen und Wirkungsketten, die Schweiger entfaltet, gar nicht für die Gesellschaft als ganzes zutreffen, sondern möglicherweise nur für die „Social Media only“-Gruppe Gültigkeit haben.

Doch auch wenn man diesen Einwand für gravierend hält, muss das den Wert des Buches nicht grundlegend schmälern. Es bietet viele Anknüpfungspunkte für die weitere kommunikationswissenschaftliche Forschung, die in den nächsten Jahren Schweigers Annahmen und Wirkungsmodelle prüfen und, wo nötig, verbessern wird.  Wenn es unser Fach dann auch schafft, dieses Wissen in die Politik und breitere Öffentlichkeit zu tragen, wäre viel gewonnen.

 

15. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-09)

Die Ferien-/Urlaubszeit ist vorbei (vom Sommer will ich gar nicht reden) – mit welchen Themen und Aufgaben beschäftige ich mich gerade?

  • Die Analysen zu den Social-Media-Aktivitäten von Bundestagswahl-Kandidierenden läuft auf vollen Touren. Vor einigen Tagen hatte ich ja einige erste Befunde zur Twitternutzung bei Kandidierenden von acht großen Parteien gebloggt. Mittlerweile haben wir auch die übrigen Parteien fast vollständig gecheckt und können zum Stichtag 24.9., also am Wahltag, eine weitere Datenabfrage starten. Praktisch bedeutet dies im Moment insbesondere, eine ganze Reihe von Skripten zu aktualisieren und „in Stellung zu bringen“, mit denen wir über die Twitter-API Daten u.a. zu Friends, Followern etc. checken können.
  • Über die Bundestagswahl hinaus wird mich das Thema „Meinungsbildung in digitalen Öffentlichkeiten“ weiter beschäftigen; zum einen im Rahmen einer Reihe von Vorträgen (die aktualisierte Übersicht findet sich hier), zum anderen in einem größeren Projekt, das ich leider Stand heute noch nicht offiziell nennen kann, das aber in kommenden „Mittendrin zur Monatsmitte“-Folgen sicherlich vorkommen wird.
  • Was ich aber verkünden kann: Seit längerer Zeit befasse ich mich mal wieder etwas ausführlicher mit dem Thema „Blogs“ – ich habe zugesagt, für die Neuauflage des „Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung“ einen Beitrag beizusteuern, der sich grundsätzlich mit Aspekten des Feldzugangs, der Stichprobenziehung und der Datenerhebung & Auswertung im Rahmen von Blogforschung befasst.
  • Und wo ich gerade bei den (Vor-)Ankündigungen bin: Die zweite Auflage des „Social Media“ -Buchs ist von meiner Seite aus fertiggestellt und befindet sich bereits in Produktion. Laut Verlag soll es wohl in der zweiten Oktober-Hälfte lieferbar sein.

Was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. „Netzprominenz. Entstehung, Erhaltung und Monetarisierung von Prominenz im digitalen Zeitalter“, die Dissertation von Hanne Detel aus Tübingen.

4. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Twitter bei der Bundestagswahl 2017

[Update 19.9.2017: Eine .csv mit allen von uns recherchierten Twitteraccounts aller Kandidierenden steht zum Download zur Verfügung.]

Zusammen mit einigen studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeite ich seit Ende Mai an einer Analyse der Twitter-Aktivitäten von Kandidierenden bei der Bundestagswahl 2017. Ein Großteil der bisherigen Arbeit bestand darin, die Grundgesamtheit (= alle Kandidierenden aller Parteien) zusammen zu stellen und parallel zu recherchieren, wer davon einen Account auf Twitter1 hat. Mit diesem Datensatz möchten wir in den folgenden Wochen eine Reihe von Fragen beantworten, darunter

  • Wie viele Kandidierende haben einen Twitter-Account? Gibt es Unterschiede nach Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Art der Kandidatur (Liste vs. Wahlkreis)?
  • Wie setzen sich die „Twitter Friend Repertoires“ der Kandidierenden zusammen, d.h. welchen Accounts folgen die Kandidierenden auf Twitter?
  • Welche Rolle spielen Kandidierende in der „hashtag public“ zur Bundestagswahl, also in der Gesamtheit aller Tweets mit dem hashtag #btw17 bzw. #btw2017?

Am vergangenen Sonntag, also genau vier Wochen vor dem Wahltag, haben wir für acht große Parteien (CDU, CSU, SPD, Linke, Grüne, FDP, AfD und Piraten)2 die Recherche abgeschlossen und eine erste Abfrage der Twitter Friends vorgenommen3. Unten habe ich einige erste Befunde zusammen gefasst; weitere werden folgen. Wer selbst tiefer in die Daten zu den Twitter Friends eintauchen möchte: In diesem Google Spreadsheet sind eine Reihe von Top100-Listen (über alle Kandidierende sowie nach Geschlecht und nach Partei untergliedert) dokumentiert. Weiterlesen →

  1. Zeitgleich haben wir auch die Facebook-Accounts recherchiert, aber das ist ein separates Vorhaben
  2. Update 5.9.: Weil es gerade eine (berechtigte) Twitter-Nachfrage gab: Als „große Partei“ verstehen wir die sieben Parteien, die absehbar über 5% kommen werden. Zu den Piraten haben wir Daten aus früheren Wahlen & wollten sicherstellen, dass wir Vergleich anstellen können, daher sind sie in dieser Analyse mit enthalten. Zum Stichtag 24.7. erheben wir die Daten nochmal mit allen Parteien.
  3. Zwei weitere Abfragen werden am Wahltag sowie zwei Wochen nach der Wahl folgen.

22. August 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Vorträge 2017 (3)

Im Mai hatte ich zuletzt einige anstehende Vorträge notiert. Im Lauf der vergangenen Wochen haben mich eine ganze Reihe von Anfragen erreicht, zu dem Themenbereich „Soziale Medien und Meinungsbildung“ zu sprechen, sodass einige weitere Termine hinzukommen sind. Hier die aktualisierte Übersicht:

  • Am 25. August bin ich in Hannover bei der Landesgruppe Niedersachsen der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen zu Gast, um über „Soziale Medien und Meinungsbildung: Von Filterblasen, Echokammern und Algorithmenmacht“ zu referieren.
  • Am 28. August reise ich nach Schwerin, um der Arbeitsgruppe „Zukunft der Demokratie im digitalen Raum“ der Direktorinnen und Direktoren der deutschen Landesparlamente, beim Deutschen Bundestag und des Bundesrates (kurz: Landtagsdirektorenkonferenz) einen Vortrag zum Thema „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht. Wie das Internet demokratisches Engagement formt und verändert“ zu halten.
  • Ein interessantes Format werde ich am 14. September kennen lernen: Die Volkshochschule Bremen lädt im Rahmen der Reihe „Smart Democracy“ zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Politische Kommunikation und Wahlkampf im Netz“ ein, bei der Martin Fuchs und ich jeweils Inputvorträge liefern und anschließend an einem Podiumsgespräch teilnehmen. Der Clou: Der Abend wird live gestreamt und kann so auch von anderen Volkshochschulen ins Programm genommen werden.
  • Am 22. September geht es nach Magdeburg zur Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE). Ich darf dort eine Keynote zum Thema „Kommunikationswissenschaftliche Onlineforschung: Was ist das, und wie sollte sie sich entwickeln?“ halten.
  • Eine Woche später, am 29. September, werde ich der Europäischen Akademie Sankelmark einen Besuch abstatten; im Rahmen des Seminars „Medien, Politik und Gesellschaft. Können wir unseren Medien vertrauen?“ werde ich über das breite Thema „Medien und Gesellschaft“ sprechen und mich dabei (wen wundert’s?) insbesondere auf die digitalen Medien konzentrieren.
  • Am 15. Oktober reise ich zum „Symposium Turm der Sinne“ nach Nürnberg, Die Veranstaltungs- bzw. Symposiumsreihe hat ihren Schwerpunkt eigentlich in der Psychologie und Neurowissenschaft, aber bei dem diesjährigen Thema („Gehirne unter Spannung: Kognition, Emotion und Identität im digitalen Zeitalter“) dürfen sozial- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven nicht fehlen – ich werde daher zum Thema „Filterblasen und Algorithmenmacht. Wie sich Menschen im Internet informieren“ sprechen.
  • Am 17. Oktober bin ich in der Evangelischen Akademie Loccum zu Gast. Im Rahmen der Tagung „Verheddert im sozialen Netz: Öffentlichkeit und politische Kommunikation in Zeiten von Social-Bots, Fake-News und Shit-Storms“ nehme ich an der abschließenden Podiumsdiskussion teil.
  • Von dort geht es weiter nach Potsdam, wo ich am 18. Oktober bei der 6. Netzwerktagung „Medienkompetenz stärkt Brandenburg“ den Vortrag „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht: Wie soziale Medien Meinungsbildung und Orientierung in der Welt prägen“ halten werde.
  • Am 7. November bin ich auf Einladung von Ulrich Dolata und Jan-Felix Schrape in Stuttgart, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digitalisierung: Arbeit, Öffentlichkeit, Identität“ ebenfalls zum Thema „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht: Wie soziale Medien Meinungsbildung und Orientierung in der Welt prägen“ zu sprechen.
  • Am 28. November reise ich ins Saarland, genauer gesagt: zur Europäischen Akademie Otzenhausen. Dort findet die Fachtagung „Wer bildet Meinung? Gesellschaftspolitischer Diskurs zwischen Medienfreiheit und alternativen Fakten“ statt, die der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB) organisiert. Ich werde auch dort meine Gedanken zum Thema „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht: Wie das Internet Informationsverhalten und Meinungsbildung verändert“ vorstellen.
  • Am 29./30. November bin ich dann (voraussichtlich) im Münchner Polizeipräsidium – zum Glück nur zum „38. Seminar für Leiterinnen und Leiter von Polizeibehörden“. Auch dort werde ich den Vortrag „Soziale Medien und Meinungsbildung: Von Filterblasen, Echokammern und Algorithmenmacht“ halten.
  • Vom 4. bis 6. Dezember schließlich findet in Hannover die Jahrestagung der „International Political Science Association“ (IPSA) statt. Jeannette Hofmann und Christian Volk haben ein Panel mit dem Titel „Partizipation and the public sphere in times of digitalisation“ zusammengestellt, zu dem ich den Vortragsvorschlag „How do online intermediaries shape information repertoires and opinion formation?“ beigesteuert habe. Das Panel ist für die Tagung angenommen worden, aber der genaue Zeitpunkt, an dem wir präsentieren können, steht noch nicht fest.

15. August 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-08)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Ich komme heute aus dem Urlaub zurück und habe keine aktuelle Folge von „Mittendrin zur Monatsmitte“ erstellt, aber die Übersicht meiner anstehenden Vorträge aktualisiert.

4. August 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Scientipps 2017/18

Zum mittlerweile sechsten Mal starte ich die #scientipps – Tipprunde zur neuen Bundesliga-Saison. Wie in den letzten Jahren gibt es auch diesmal wieder jede Menge wissenschaftliche Preise zu gewinnen, und das generische Femininum1 bleibt natürlich auch.

Die Mittipperinnen der letzten Jahre sind automatisch eingeladen, aber es ist auch noch genug Platz (und Preise) für neue Tipperinnen vorhanden. Ihr müsst natürlich nicht in der Wissenschaft arbeiten, sondern einfach nur Spaß am Tippen haben – wer neu einsteigen möchte, kann sich auf dieser Seite bei kicktipp.de anmelden. Die Regeln des Tippspiels sind auf einer eigenen Blog-Unterseite niedergeschrieben, sodass mir an dieser Stelle eigentlich nur bleibt, die Pokale und Preise vorzustellen. In altbewährter Manier hat sich ein weiteres Mal eine illustre Runde von Wissenschaftlerinnen bereit erklärt, ihren Belegexemplarschrank zu durchforsten und Preise zu stiften (an dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Damen Bieber, Bruns, Hohmann, Faas, und Weller).

(1) Der Scientipps Grand Prix

Am Ende der Saison (inklusive Relegation, DFB-Pokalfinale und Ende der 2. Liga) entscheidet der Punktestand; die drei Erstplatzierten unter den aktiven Tipperinnen erhalten folgende Preise (bei Gleichstand entscheidet das Los):

  1. Preis: Drei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste
  2. Preis: Zwei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der vom 1. Preis gewählten Bücher)
  3. Preis: Ein Buch nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der vom 1. und 2. Preis gewählten Bücher – also das, das übrig bleibt)

Die Bücher:

Daneben gilt es eine Reihe von Sonderpreisen zu ergattern, die zum Teil (#2, #7) auch schon während der laufenden Saison vergeben werden:

(2) Die „Faas’sche Wundertüte“

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Wer wird Herbstmeisterin?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x ein Überraschungspreis von Faas
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer bis dahin die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(3) „Snurb’s dynamic down under cup“

  • Sonderpreis für die korrekten Bonustipps „Welche Mannschaften belegen die letzten drei Plätze?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x Bruns (2018): Gatewatching and News Curation [im Erscheinen]
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(4) „Dr Bieber’s most daring tipperinnen special trophy“

  • Sonderpreis für das torreichste korrekt vorausgesagte Spiel: 1x ein Überraschungspreis von Bieber
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(5) kwelle’s Zusatzherausforderung: „Nie mehr zweite Liga!“

  • Sonderpreis für die korrekten Bonustipps „Welche Mannschaften belegen die ersten drei Plätze in der zweiten Bundesliga?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x ein Überraschungsbuch aus dem kwelle‚rschen Bücherschrank
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(6) Hohses „Siegen ist nicht alles“-Prämie

  • Sonderpreis für die meisten Punkte aus Spieltagssiegen: 1x ein Überraschungspaket von Hohse
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(7) Die „Das ganze Leben ist ein Spiel“-Trophäe

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Wo findet der erste Trainerinnenwechsel statt?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x Klimmer/Selonke (2017): #Digital Leadership. Wie Top-Manager in Deutschland den Wandel gestalten.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

(8) Der „Vorne hilft uns der liebe Gott“ Gedächtnis-Pokal

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Welche Mannschaft stellt die Torschützenkönigin?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 1. BuLi-Spieltag bei den Sonderfragen abgegeben werden): 1x die Ausgabe 4/2011 von „Communicatio Socialis. Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft“.
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer (a) keinen anderen Preis gewonnen hat sowie (b) die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.

Muss ich noch extra erwähnen, dass der Rechtsweg ausgeschlossen ist? Ja? Also: Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Spaß beim Tippen, und möge die beste Tipperin gewinnen!

  1. Männer sind bei den Formulierungen also immer mit gemeint.

15. Juli 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-07)

Im Juni fiel das „Mittendrin zur Monatsmitte“-Update urlaubsbedingt aus, aber im Juli gibt es wie gewohnt einen knappen Überblick zu den Vorhaben, die mich gerade beschäftigen.

  • Bis Ende des Monats will ich mein „Social Media“-Buch aktualisiert haben, sodass im Herbst die 2. Auflage erscheinen kann. Das Manuskript für die erste Auflage hatte ich im Frühjahr 2013 abgeschlossen, und das merkt man an vielen Stellen. Das kleinste Problem sind die (wenigen) empirischen Daten, die ich recht leicht auf den neuen Stand bringen kann. Aber an vielen Stellen muss ich mir über neue, aktuelle Beispiele Gedanken machen oder Einschätzungen aktualisieren (z.B. zur Piratenpartei oder Wikileaks…). Ausserdem werde ich den Themenkomplex „Social-Media-Intermediäre und Meinungsbildung“ deutlich ausführlicher diskutieren und in dem Zuge auch auf  Phänomene wie „Fake News“, „Social Bots“ oder „Hate Speech“ eingehen.
  • Dann wirft die Bundestagswahl immer größere Schatten voraus. Zum einen schlägt sich das in einer Reihe von einschlägigen Vortragsanfragen nieder (die Liste werde ich bald auch nochmal aktualisieren…), zum anderen schreitet die Recherche der Kandidierenden und ihrer Social-Media-Profile (siehe die Mai-Ausgabe von Mittendrin…) voran.
  • Über das Jahr 2017 hinaus reicht die Perspektive des Forschungsverbunds „Information Governance Technologies„, an dem das Bredow-Institut zusammen mit Kolleg/innen aus der Informatik von der Uni Hamburg und der TU Hamburg-Harburg beteiligt ist. Ich war in die Antragsstellung (die Finanzierung kommt aus der Landesforschungsförderung Hamburg) nicht involviert, werde mich aber zumindest an den Bredow-geführten Arbeitspaketen beteiligen, in denen es u.a. um interdisziplinäre Begriffsarbeit geht. Aus anderen größeren Verbünden, z.B. dem zu „Kommunikative Figurationen„, ist uns klar geworden, dass es solche ausführlichen Phasen der wechselseitigen Verständigung braucht, um tatsächlich erfolgreich interdisziplinär zusammen arbeiten zu können. Daher soll ab Herbst eine regelmäßige verbund-interne „Seminarreihe“ stattfinden, in der Schlüsselkonzepte (z.B. „Autonomie“ oder „Normativität von Software“) gemeinsam diskutiert werden; ich werde dabei in die Konzeption und Organisation eingebunden sein.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Arbeitspapier „Digitale Öffentlichkeit – Wie algorithmische Prozesse den gesellschaftlichen Diskurs beeinflussen“ , das Konrad Lischka und Christian Stöcker für die Bertelsmann-Stiftung verfasst haben und das jede Menge Anknüpfungspunkte zu unseren Institutsthemen enthält.

27. Juni 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Wissenschaftliches Gutachten zum Medien- und Kommunikationsbericht

Aufmerksame Leserinnen und Leser meiner „Mittendrin zu Monatsmitte“-Rubrik wissen, dass ich v.a. in der zweiten Jahreshälfte 2016 viel Zeit mit dem „Wissenschaftlichen Gutachten zum Medien- und Kommunikationsbericht der Bundesregierung“, so der volle Titel, zugebracht habe. Anfang des Jahres hatten wir die Endfassung der Auftraggeberin, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, übergeben. Mittlerweile ist das Gutachten, stolze 251 Seiten lang sowie in einer Kurzfassung, auch öffentlich zugänglich.

Das Gutachten hatte zum Ziel, wesentliche Entwicklungen der Medien (Inhalte und Angebote; Wirtschaft und Organisation; Nutzung und Wirkung; Recht und Regulierung) zwischen 2013 und 2016 nachzuzeichnen sowie übergreifende Trends und Entwicklungen zu diskutieren.1 Weil das keine kleine Aufgabe ist, waren mit mir insgesamt neun Kolleginnen und Kollegen sowie studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt, um verfügbare Daten zusammenzutragen, einzuordnen und die „großen Linien“ herauszuarbeiten. Das war nicht immer einfach, wie wir bereits an der Abgrenzung zwischen einzelnen Mediengattungen und Angebotstypen für die Zwecke einer erweiterten Gliederung merkten2. Zudem mussten zahlreiche Querbezüge zwischen den einzelnen Kapiteln hergestellt und bei den Überarbeitungen im Blick gehalten werden. Und der Umstand, dass gerade zum Ende der Deadline hin viele von uns parallel an unterschiedlichen Stellen des Dokuments arbeiten wollten und mussten, sorgte für einige geraufte Haare…

Aber letztlich kann sich das Gutachten, hoffe ich, doch sehen lassen. Die Zusammenfassung auf vier Seiten (.pdf) ist seeehr komprimiert und gibt vor allem einen ersten Überblick über die Themen. Fürs genauere Reinlesen würde ich persönlich das Kapitel 4 („Trends und Perspektiven“) empfehlen, das die vielen vielen Daten und Befunde aus den Kapiteln davor zu einigen übergreifenden Analysen zusammenfasst (und dabei nebenbei bemerkt auch einen guten Einblick in aktuelle forschungsprogrammatische Überlegungen des Hans-Bredow-Instituts gibt). Aber natürlich freue ich mich, wie alle beteiligten Kolleginnen und Kollegen, über jede Art von Feedback!

  1. Dieser Text soll die Grundlage für einen politischen Teil des Medien- und Kommunikationsberichts sein, den die Bundesregierung erstellen und dem Parlament vorlegen soll; ob das noch in dieser Legislaturperiode passiert, kann ich aber nicht beurteilen.
  2. Etwa: Wo behandeln wir die Online-Mediatheken der TV-Sender? Wo sortieren wir Intermediäre wie Facebook ein, die professionellen Journalismus genauso wie nutzergenerierte Inhalte verbreiten? Und wo gehen wir auf Entwicklungen wie algorithmische Personalisierung oder Suchmaschinenwerbung ein?

24. Mai 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Vorträge 2017 (2)

Ab Himmelfahrt werde ich ein weiteres Mal in eine längere Familienpause verschwinden; nach meiner Rückkehr stehen einige Vorträge an, auf die ich hier in bewährter Manier verweisen will:

  • Am 27. Juni werde ich in Leinfelden-Echterdingen bei der Jahrestagung der ajs (Aktionsstelle Jugendschutz) sein, die unter dem Motto steht „Medien: Macht – Gewalt – Kultur?“ (Programm als .pdf). Ich werde dort den Eröffnungsvortrag halten dürfen: „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht: Wie soziale Medien Meinungsbildung
    und Orientierung in der Welt prägen“.
  • Am 25. August bin ich in Hannover bei der Landesgruppe Niedersachsen der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen zu Gast, um über „Soziale Medien und Meinungsbildung: Von Filterblasen, Echokammern und Algorithmenmacht“ zu referieren.
  • Am 29. September werde ich der Europäischen Akademie Sankelmark einen Besuch abstatten dürfen; im Rahmen des Seminars „Medien, Politik und Gesellschaft. Können wir unseren Medien vertrauen?“ werde ich über das breite Thema „Medien und Gesellschaft“ sprechen und mich dabei (wen wundert’s?) insbesondere auf die digitalen Medien konzentrieren.
  • Am 15. Oktober schließlich reise ich zum „Symposium Turm der Sinne“ nach Nürnberg, Die Veranstaltungs- bzw. Symposiumsreihe hat ihren Schwerpunkt eigentlich in der Psychologie und Neurowissenschaft, aber bei dem diesjährigen Thema („Gehirne unter Spannung: Kognition, Emotion und Identität im digitalen Zeitalter“) dürfen sozial- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven nicht fehlen – ich werde daher zum Thema „Filterblasen und Algorithmenmacht. Wie sich Menschen im Internet informieren“ sprechen.

15. Mai 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-05)

Mitte Mai ist traditionell die Zeit des Jahres, in der der HSV seine Relegationsspiele absolviert – aber auch Zeit für eine neue Ausgabe von „Mittendrin zur Monatsmitte“. Was beschäftigt mich gerade?

  • Eine große Baustelle der letzten Monate ist abgeschlossen: Ende vergangener Woche ging die Sonderausgabe „Algorithmen, Kommunikation und Gesellschaft“ online, die ich mit Katharina Kinder-Kurlanda, Christian Stegbauer und Nils Zurawski zusammen herausgegeben habe. Dank meiner Zeiterfassung kann ich sogar einigermaßen abschätzen, wie viel Zeit ich dafür aufgewandt habe: Seit Februar 2016, als ich mit Katharina das erste Mal über die Idee für diese Sonderausgabe sprach, kamen knapp 85 Stunden zusammen…
  • Auch zeitaufwändig, derzeit aber vor allem für zwei meiner studentischen Mitarbeiter, ist die Recherche der Kandidierenden zur Bundestagswahl 2017. Bislang haben wir knapp 2.650 Kandidierende erfasst, aber da die Listenaufstellung der Parteien noch nicht überall abgeschlossen ist, wird es noch etwas dauern, bis wir alle beieinander haben. Fernziel ist es, für die Kandidierenden dann auch Social-Media-Präsenzen (d.h. Twitter und Facebook) zu recherchieren – bei einem Meeting vor ein paar Tagen haben wir, neben Absprachen zum weiteren Vorgehen, spaßeshalber mal die Nachnamen und Vornamen in Word Clouds visualisiert (s.u.); für ein Journal Paper werden wir diese Auswertung aber wohl nicht verwenden…

  • Ab Himmelfahrt werde ich wieder eine familienbedingte längere Pause einlegen, aber nach meiner Rückkehr Ende Juni steht ein Termin an, der jetzt schon seine Schatten vorauswirft: Im Zuge unserer Bewerbung um die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft wird eine Begehung durch den Wissenschaftsrat stattfinden, bei der wir zwei Tage lang wir das Hans-Bredow-Institut präsentieren können. Das erfordert natürlich einiges an Vorbereitung und Proben, die momentan neben dem Tagesgeschäft so laufen.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? Mein „Social Media„-Buch von 2013, denn das werde ich in diesem Sommer für eine 2. Auflage aktualisieren, und dafür muss ich mir wieder einen Überblick verschaffen, was ich beim ersten Mal eigentlich so geschrieben habe…

27. April 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Zwei kurze Beiträge über Intermediäre und Meinungsbildung

Diese Woche kamen gleich zwei Belegexemplare von Zeitschriften, in denen Texte über das „Intermediäre und Meinungsbildung“-Projekt als Teil von größeren Themenschwerpunkten erschienen sind:

  1. Die April-Ausgabe der medienpädagogischen Zeitschrift „merz“ befasst sich mit „Journalismus im medialen Wandel“ und hat dazu u.a. einen Beitrag von Uwe Hasebrink, Lisa Merten, Sascha Hölig und mir abgedruckt, der Befunde aus dem Reuters Digital News Survey 2016 und der erwähnten Intermediäre-Studie kombiniert.
  2. Das Halbjahresmagazin „polar“, eine Zeitschrift für „Politik, Theorie, Alltag“, hat in seiner aktuellen Ausgabe den Schwerpunkt „In der Blase – #Zukunft der Öffentlichkeit“, und ich durfte einen Text über „Filterblasen und Echokammern – das Gefüge digitaler Öffentlichkeit“ beisteuern.