Schmidt mit Dete

25. Mai 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Die Scientipps zur WM 2018 (mit Primzahlsensationsalgorithmus)

[Update 7.6.2018: Mittlerweile konnte auch der Primzahlsensationalgorithmus einmal die WM durchtippen; das Ergebnis habe ich unten an diesen Beitrag angefügt.]

Man kommt ja gar nicht zum Luftholen: Kaum sind die Scientipps 2017/18 beendet, geht es schon weiter im Programm: Die WM 2018 steht vor der Tür! Und natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder eine Sonderausgabe des allseits beliebten Tippspiels mit wissenschaftlichen Preisen und generischem Femininum – die „Scientipps WM 2018“-Edition (Link führt zur Anmeldung; alle interessierten Tipperinnen, ob Wissenschaftlerin oder nicht, sind  herzlich eingeladen!).

Bei den regulären Bundesliga-Runden gibt es immer auch Preise zu gewinnen, die Kolleginnen gestiftet haben. Für die WM plündere ich aber nur meinen eigenen Belegexemplarschrank und verlose folgende Preise (Hinweis: als „aktive Tipperin“ gilt jede Teilnehmerin, die mindestens an acht der zwölf „Spieltage“ inkl. Bonustipps teilgenommen hat).

(1) „Die invertierte Preispyramide“

  • Am Ende der WM (alle Spiele inklusive Bonus-Fragen) entscheidet der Punktestand; die drei Erstplatzierten unter den aktiven Tipperinnen erhalten folgende Preise (bei Gleichstand entscheidet das Los):

1. Preis: Drei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste

2. Preis: Zwei Bücher nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der von der 1. Gewinnerin gewählten Bücher)

3. Preis: Ein Buch nach Wahl aus unten stehender Liste (abzüglich der von der 1. und 2. Gewinnerin gewählten Bücher – also das, das übrig bleibt)

2) Der „Ohne Putin wär hier gar nichts los“-Pokal

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Wer wird Weltmeister [sic!]?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 14.6.2018 um 17 Uhr bei den Bonusfragen abgegeben werden): 1x Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (Hrsg.): Populismus und Schule
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.
  • Sollte keine Tipperin die richtige Mannschaft tippen, geht dieser Preis an die aktive Tipperin mit den wenigsten Bonuspunkten; bei Gleichstand entscheidet das Los.

3) „Die Trophäe des treffsichersten Torjägerinnentipps“

  • Sonderpreis für den korrekten Bonustipp „Welche Mannschaft stellt den Spieler [sic!] mit den meisten Toren?“ (Achtung: Dieser Tipp muss bis zum 14.6.2018 um 17 Uhr bei den Bonusfragen abgegeben werden): 1x Fritz (2011): Wie Computerspieler ins Spiel kommen
  • Bei mehreren richtigen Antworten gewinnt, wer die wenigsten Gesamtpunkte unter den aktiven Tipperinnen hat; bei Gleichstand entscheidet das Los.
  • Sollte keine Tipperin die richtige Mannschaft tippen, geht dieser Preis an die aktive Tipperin mit den wenigsten Bonuspunkten; bei Gleichstand entscheidet das Los.

—-

Wie schon bei vergangenen Großereignissen wird erneut Sepp Blatter am Tippspiel teilnehmen, bzw. besser gesagt: simuliert werden. Dazu kommt ein weiteres Mal der von mir entwickelte Primzahlsensationsalgorithmus zum Einsatz. Sein zentraler Parameter ist der Rang einer Mannschaft auf der FIFA-Weltrangliste vom 7.6.2018. Um das Ergebnis einer Partie zu bestimmen, gelten folgende Regeln:

1) Bestimme die Mannschaft mit dem niedrigeren Rang. Sie schießt mindestens so viele Tore:
Rang >= 50: 0 Tore
Rang >= 25: 1 Tor
Rang >= 10: 2 Tore
Rang >= 2: 3 Tore

2) Bestimme die Differenz zwischen den Rangplätzen der beiden Mannschaften. Die bessere Mannschaft schießt

0 Tore mehr wenn Diff < 4
1 Tor mehr wenn 4 =< Diff <10
2 Tore mehr wenn 10 =< Diff <22
3 Tore mehr wenn 22 =< Diff < 40
4 Tore mehr wenn 40 <= Diff

Es kann nach dieser Regel also Unentschieden geben, wenn die Mannschaften weniger als vier Plätze voneinander entfernt sind. Daher brauchen wir Regel

3) In K.O.-Spielen (ab dem Achtelfinale) gilt: Die bessere Mannschaft schießt

1 Tor mehr in der Verlängerung wenn 1 < Diff < 4
1 Tor mehr im Elfmeterschießen wenn Diff = 1

Weil sich nach diesen Regeln aber immer die besserplatzierte Mannschaft durchsetzen würde, gibt es noch den *trommelwirbel* „Primzahlsensation“-Faktor:

4) Wenn [(Produkt der beiden Weltranglistenplätze) – 1] eine Primzahl ist, dann geht das Spiel genau andersherum aus als in den Schritten 1-3 errechnet. Bei einem Unentschieden bleibt es bei einem Unentschieden.

Ein Beispiel: Belgien (Rang 3) spielt gegen Schweiz (Rang 6) [Stand der Weltrangliste am 24.5. beim Verfassen dieses Beitrags]
1) Rangniedrige Mannschaft (SUI) schießt 3 Tore
2) Ranghöhere Mannschaft (BEL) hat weniger als 4 Ränge Vorsprung, ergo schießen sie 0 Tore mehr
Das Spiel geht 3-3 aus. Bei Spielen in der Gruppenphase bleibt es dabei, Primzahlsensation hin oder her.

Wenn es aber ein K.O.-Rundenspiel wäre, würde greifen:
3) Die Differenz von 3 Punkten macht ein Tor mehr in der Verlängerung für Belgien.
4) Nun ist aber (3*6)-1 = 17, also eine Primzahl. Ergo erleben wir eine Primzahlsensation, und die Schweiz gewinnt 4-3 n.V..

Sobald die FIFA-Weltrangliste Anfang Juni veröffentlicht wurde, werde ich die Spiele nach diesem Algorithmus durchtippen und Tipperin Sepp_Blatter ins Rennen schicken.

Nun aber: Macht zahlreich mit, und möge die beste Tipperin gewinnen und Deutschland wieder Weltmeisterin werden!

Update 7.6.2018

Auf Basis der aktuellen FIFA-Weltrangliste habe ich den Primzahlsensationalgorithmus soeben einmal alle Spiele tippen lassen.1 Und wenn diese Tipps korrekt sind – woran kein Zweifel besteht, denn immerhin handelt es sich hier um einen Algorithmus!!!!1!ELF! – erwartet uns eine sehr interessante WM…

Fangen wir mit der deutschen Gruppe F an: Zwei souveränen Siegen (4-2 gegen Mexiko und 4-0 gegen Südkorea) steht eine primzahlsensationelle Niederlage gegenüber: 2-5 gegen Schweden! Trotzdem reicht es zum ersten Platz in der Gruppe.

In Gruppe A setzen sich Uruguay und Ägypten durch (Gastgeber Russland scheidet mit nur einem Punkt sang- und klanglos aus). Das ist aber auch die einzige Gruppe, in der die laut Weltrangliste stärksten Teams auch weiterkommen; in allen anderen Gruppen gibt es Überraschungen:

  • In Gruppe B düpiert Marokko primzahlsensationell sowohl Portugal als auch Spanien und wird Gruppenerster vor Portugal; Spanien muss direkt die Segel streichen.
  • Australien gewinnt Gruppe C vor Peru; Dänemark und Frankreich, die beide Australien primzahlsensationell unterliegen, scheiden aus.
  • In Gruppe D setzt sich Island – u.a. dank eines primzahlsensationellen 4-2 gegen Argentinien – vor Kroatien durch. Nigeria und Argentinien haben das Nachsehen.
  • Die Titelträume von Brasilien enden jäh in der Gruppenphase von Gruppe E. Gegen die Schweiz und Serbien setzt es Primzahlsensationsniederlagen, sodass am Ende nur der letzte Platz bleibt; Costa Rica (die Schweiz Südamerikas) und die Schweiz (das Costa Rica Europas) setzen sich durch.
  • Gruppe G sieht am Ende Belgien vor Tunesien an der Spitze; England wird noch hinter Panama – gegen das sie primzahlsensationell 0-4 verlieren – Letzter.
  • Aus Gruppe H schließlich kommen Kolumbien und der Senegal in die KO-Runde. Polen bleibt nur der undankbare 3. Platz vor Japan.

Im Achtelfinale kommt es zu weiteren Primzahlsensationen, und Australien (3-1 gegen Kroatien) sowie Island (4-2 gegen Peru) setzen ihren Siegeszug fort. Keine guten Nachrichten hingegen für Jogi Löw: Deutschland verliert primzahlsensationell mit 3-4 gegen die Schweiz und kann sich den Titel #52 abschminken. Und irgendwo wird Sandro Wagner leise-hysterisch kichern….

Das Viertelfinale verläuft hingegen fast schon langweilig nach Plan: Portugal watscht Australien mit 4-1 ab, Belgien macht mit Costa Rica kurzen Prozess (4-2), Island gewinnt gegen Marokko (3-1) und die Schweiz besiegt Kolumbien mit 4-2. Ganz anders aber im Halbfinale: Portugal gegen Belgien ist ein enges Match, der 4. gegen den 3. der Weltrangliste. Aber weil 4*3-1 eine Primzahl ergibt, setzt sich Portugal mit 4-3 nach Elfmeterschießen durch und steht im Finale. Dort trifft es aber nicht auf die Schweiz, weil die ebenso primzahlsensationell Island mit 4-2 unterliegt!

Obwohl mittlerweile die ganze Welt exklusive Portugal den Isländern die Daumen drückt, reicht es im Finale nicht. 22*4-1 ist 87, und das lässt sich in ganzzahlige Faktoren zerlegen, ist also keine Primzahl, ergo bleibt die Sensation aus, will sagen: Portugal gewinnt mit 4-2 und ist zwei Jahren nach dem Europameistertitel erstmals auch Weltmeister. Donnerwetter!

 

 

  1. In diesem .pdf habe ich die Ergebnisse, die der Algorithmus vorhersagt, in die „Ergebnis“-Kästchen eingetragen; in den „Tipp“-Kästchen ist jeweils die Platzierung der Mannschaft in der Weltrangliste vermerkt. Wenn ein * bei den Platzierungen steht, kommt es bei dem betreffenden Match zu einer Primzahlsensation.
  2. Ironischerweise eine Primzahl.

23. Mai 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Vorträge 2018 (2)

Die letzte Übersicht meiner anstehenden Vorträge ist schon wieder einige Monate her – hier ein Update mit den kommenden Terminen und Themen. Dreimal werde ich den Vortrag „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht: Wie soziale Medien Meinungsbildung und Orientierung in der Welt prägen“ halten, den ich in den vergangenen Monaten bereits bei mehreren anderen Gelegenheiten präsentiert habe:

Am 18.6. schließlich habe ich es nicht weit, weil ich in Hamburg bleibe und zur HafenCity Universität fahre, wo ich einen Beitrag zur interdisziplinären Vortragsreihe „Anonymität“ leiste. Titel meines Vortrags dort: „Zwischen Authentizität und Anonymität. Praktiken des Identitätsmanagements in sozialen Medien“.

15. Mai 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2018-05)

In diesem Monat ist es vergleichsweise einfach, das „Mittendrin zur Monatsmitte“-Update zu schreiben:

  • Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert (ich schreibe diesen Beitrag einige Tage vor und lasse ihn automatisch veröffentlichen), werden wir heute das Gutachten „Auswirkungen von Algorithmen auf die individuelle Meinungsbildung“ an das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) schicken. Es wird in die Erstellung eines umfassenderen Berichts einfließen, d.h. zunächst nicht öffentlich zugänglich sein. Aber ich kann zumindest verraten, dass wir auf ca. 70 Seiten versucht haben, zum einen die existierenden Befunde zu den Potenzialen und Risiken algorithmischer Selektion für Prozesse der Meinungsbildung darzustellen, und zum anderen daraus Handlungsoptionen abzuleiten – wohl wissend, dass der Bundestag ein, aber natürlich nicht der einzige Addresat für medienrechtliche Weichenstellungen ist.
  • Nach Abgabe des Gutachtens werde ich mich etwas intensiver dem Beitrag über Elternblogs widmen können, der für die Sonderausgabe „Kinder|Medien|Rechte“ von „merz.wissenschaft“ vorgesehen ist. Mehr kann und will ich hier nicht schreiben, weil der Beitrag erst den „double-blind peer review „-Prozess durchlaufen muss – aber es sind spannende Befunde zu erwarten! :-D
  • Und dann muss ich irgendwie noch Zeit finden, um dieses Blog an die Anforderungen der neuen Datenschutzgrundverordnung anzupassen. Gebookmarked, aber noch nicht durchgearbeitet, habe ich dazu eine Reihe von Artikeln, u.a. von Sascha Kuhra, in der WP Tavern und bei BlogMojo.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. die Dissertation von Jörg Pohle („Datenschutz und Technikgestaltung. Geschichte und Theorie des Datenschutzes aus informatischer Sicht und Folgerungen für die Technikgestaltung„; .pdf) – eine sehr detailreiche (und soweit ich das bisher beurteilen kann: komplexe) Auseinandersetzung mit der Datenschutzdebatte der vergangenen 50 Jahre.

15. April 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2018-04)

Es ist wieder Monatsmitte, die monatliche Bestandsaufnahme steht an. Leider bin ich heute knapp bei Zeit und etwas kürzer angebunden, aber: woran arbeite ich gerade?

  • Zwar kein Projekt im eigentlichen Sinn, aber zweifelsfrei berichtenswert: Vor wenigen Tagen fiel der endgültige Beschluss der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, das Hans-Bredow-Institut in die Leibniz-Gemeinschaft aufzunehmen. Damit ist ein mehrjähriger Prozess (vorläufig) abgeschlossen, in dem wir viele unserer internen Abläufe und Strukturen geändert oder neu zusammen gestellt haben, etwa die stärkere Orientierung der wissenschaftlichen Arbeit an Forschungsprogrammen oder die Dokumentation unseres wissenschaftlichen „Outputs“ (Publikationen, Vorträge, Interviews, etc.) für Evaluationszwecke.
  • Die nächsten Wochen werden überwiegend im Zeichen des Gutachtens zum Thema „Algorithmen und Meinungsbildung„, das wir für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) erstellen – denn am 15.5. ist die Deadline für die Abgabe. Mit einem Team-Workshop läuten wir diese Woche die heiße Phase ein; dabei wird es vor allem darum gehen, die verschiedenen Befunde aus dem Forschungsstand sowie unseren eigenen (Sekundäranalysen) zusammenfassend zu interpretieren und mögliche Empfehlungen abzuleiten.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Gutachten meiner Kollegen Stephan Dreyer und Wolfgang Schulz für die Bertelsmann-Stiftung zur Frage, wie algorithmische Entscheidungssysteme im Lichte der neuen Datenschutzgrundverordnung zu beurteilen sind.

15. März 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2018-03)

Sollte ich mir Sorgen machen, wenn der Abstand zwischen „Mittendrin zur Monatsmitte“-Einträgen größer ist als der zwischen Trainerentlassungen beim HSV…?? Nun denn, hier einige der Vorhaben und Projekte, an denen ich derzeit arbeite:

  • Das Gutachten zum Thema „Algorithmen und Meinungsbildung„, das wir für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) erstellen, macht weiter Fortschritte. Die Unterkapitel zum Forschungsstand sind in einer ersten Fassung fertig und können jetzt von uns Projektbeteiligten wechselseitig gegengelesen und aufeinander bezogen werden. Als nächstes to do stehen für mich zwei Unterkapitel an, in denen ich Sekundärauswertungen von zwei Studien beschreibe, nämlich vom Reuters Institute Digital News Survey und von der Intermediäre-Studie für die medienanstalten. In beiden Fällen werde ich mit meinen Kolleg/innen noch einmal in die vorliegenden Daten eintauchen und einzelne Aspekte (v.a. Einstellungen zu algorithmischen Filtern sowie „algorithm awareness“) näher beleuchten. Übrigens: Im Moment ist im Kontext des Projekts auch eine Online-Umfrage des TAB im Feld, die sich mit „Chancen und Risiken automatisch personalisierter Nachrichten im Internet“ befasst. Wer mitmachen möchte, klicke bitte den Link…
  • In den letzten Wochen habe ich etwas mehr Zeit als sonst in Begutachtungen für wissenschaftliche Zeitschriften investiert. Mit schöner Regelmäßigkeit, d.h. ca. ein Review pro Monat, begutachte ich natürlich für unsere institutseigene Zeitschrift „Medien & Kommunikationswissenschaft„. Beim Online-Journal kommunikation@gesellschaft, das ich mit herausgebe, standen die finalen Arbeiten an der Sonderausgabe „Originalität und Viralität von (Internet-)Memes“ an. Und dann landeten Anfragen von „New Media & Society“ und dem „International Journal of Communication“ für Begutachtungen auf meinem Schreibtisch, die ich beide angenommen habe (die Anfragen, nicht die Paper.. :-)). Und zu guter Letzt habe ich mir ein Profil bei „publons“ eingerichtet; die Plattform1 erlaubt es, die eigenen Reviews zu dokumentieren und zu „metrifizieren“ (z.B. auf einer eigenen „Statistik„-Seite). Hilfreich war, dass ich nach der Registrierung alle meine „Thank you for your review for Journal xyz“-Mails dorthin weiterleiten konnte und die Reviews dann dort eingepflegt wurden; mein Enthusiasmus geht nicht so weit, dass ich da jetzt alle Gutachten aus den letzten Jahren nachtragen würde. Und ich weiss auch nicht, ob ich den Dienst in ein paar Monaten noch nutzen werde, mal sehen.
  • Und zu guter Letzt noch zwei Dinge, die ich cliffhanger-artig im letzten „Mittendrin“-Beitrag offen gelassen hatte: Bei den Betriebsratswahlen des Bredow-Instituts wurde ich wiedergewählt, und der Abstract für die diesjährige Ausgabe von „merz.wissenschaft“ wurde akzeptiert; bis Juni haben meine Koautorin und ich also Zeit, unseren Beitrag zu „Elternblogs“ auszuarbeiten.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. einen Vierseiter von Philipp Staab und Florian Butollo, erschienen in der Arbeitspapierreihe „Wiso direkt“ der Friedrich-Ebert-Stiftung: „Digitaler Kapitalismus – wie China das Silicon Valley herausfordert„.

 

  1. Sie gehört zu Clarivate Analytics, einem der größeren Fische im Teich von „Academic Analytics“-Dienstleistungen.

16. Februar 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2018-02)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Ich bin mal wieder etwas spät dran, aber hier nun einige der Themen und Vorhaben, an denen ich derzeit arbeite.

  • Ich bin in diesen Tagen in Hannover bei der „Computational Communication Science: Towards a Strategic Roadmap”-Konferenz in Hannover. Im Rahmen eines Blocks zu forschungsethischen Fragen habe ich einen kurzen Input-Vortrag zum Thema „Big Data and Research Ethics“ gehalten, der unten eingebettet ist. Ich arbeite ja nicht systematisch zu forschungsethischen Fragen, habe aber immer mal wieder  zu diesem Thema Vorträge gehalten oder publiziert (zuletzt v.a. mit Nele Heise). Der Vortrag in Hannover war eine gute Gelegenheit, mir mal wieder etwas ausführlicher Gedanken zu machen; insbesondere durch die Diskussionen und Gespräche im Anschluss ist mir deutlich geworden, wie sehr forschungsethische Fragen im Bereich der „Computational Communication/Social Science“ nicht nur den Forschungsprozess im engeren Sinne berühren, sondern weit darüber hinausreichende Implikationen haben. Am Ende des Vortrags habe ich das mit Verweis auf den „surveillance capitalism“ angerissen.

  • Die diesjährige Ausgabe von „merz.wissenschaft“ wird sich dem Thema „Kinder|Medien|Rechte“ widmen. Ich arbeite gerade an einer Einreichung zu „Elternblogs“, zusammen mit einer Masterstudentin, deren Abschlußarbeit ich betreut habe. Sollte das abstract akzeptiert werden, kann ich hoffentlich in den folgenden Monaten noch etwas mehr zu der sehr aufschlußreichen Umfrage schreiben, die Grundlage für das Paper sein wird.
  • Auch die Arbeiten, die ich in der letzten Ausgabe von „Mittendrin zur Monatsmitte“ erwähnt habe, sind weiterhin aktuell – u.a. das „TAB-Gutachten„, aber auch die Betriebsratwahlen im Hans-Bredow-Institut werden mich absehbar noch einige Zeit beschäftigen.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Paper „Autobiography in Real Time: A Genre Analysis of Personal Mommy Blogging“ von Aimée Morrison, das im Kontext der oben erwähnten „Elternblog“-Studie sehr aufschlussreich ist. Ich finde es ganz schön, mich nach längerer Zeit mal wieder etwas ausführlicher mit Literatur rund ums Bloggen befassen zu können und zu prüfen, ob die Analysen, die ich vor mehr als zehn Jahren durchgeführt habe, noch aktuell sind.

25. Januar 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Vorträge 2018 (1)

Die ersten Vorträge in diesem Jahr stehen an, also will ich mal wieder eine Übersicht verbloggen, wo ich in den nächsten Wochen sprechen darf. Der Fokus wird ganz klar auf dem Thema „Internet und Meinungsbildung“ liegen – die Titel sind fast wortgleich, allerdings werden einzelne Vorträge unterschiedliche Nuancen setzen und ganz unterschiedliche Publika adressieren:

  • Am 26. Januar bin ich bei den „Hardehausener Medientagen“ eingeladen, die von „YOUPAX“ (dem „jungen Glaubenportal im Erzbistum Paderborn“) organisiert werden. Ich werde dort den ersten Keynote-Vortrag zum Thema „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht. Wie das Internet Informationssuche und Meinungsbildung verändert“ halten.
  • Im Februar gibt es dann eine Premiere: Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge Niedersachsen veranstaltet seine fachdidaktische Tagung „Populismus und Schule“ dieses Jahr gleich 3x mit identischem Programm, aber an unterschiedlichen Orten. So kommt es, dass ich am 8.2. in Hannover, am 22.2. in Lüneburg und am 27.2. in Oldenburg sein werde; auch hier lautet das Thema „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht. Wie soziale Medien Meinungsbildung und Orientierung in der Welt prägen“.
  • Dazwischen gibt es inhaltliche Abwechslung (aber keine räumliche): In Hannover findet vom 12. bis 16.2. die internationale ‚Workshop Conference‘  „Computational Communication Science“ statt, die Julia Niemann-Lenz, Sabine Reich, Dorothée Hefner, Christoph Klimmt und Leonard Reinecke mit Unterstützung der Volkswagen-Stiftung organisieren. Als Teil dieser Veranstaltung soll am 15./16.2. eine „Roadmap Conference“ durch Vorträge und Gruppenarbeit an einer mittelfristigen Strategie zur Etablierung und Stärkung von „Computational Methods in Communication Science“ arbeiten. Ich darf am Abend des 15.2. mit einem Vortrag zu „Big Data & Ethics“ einen ersten Impuls setzen und dann am Vormittag des 16.2. zusammen mit Sabine Reich einen Workshop moderieren, wo dieses Thema von den Teilnehmenden weiter vertieft wird.
  • Am 14.3. bin ich beim Präventionsrat Verden zu Gast, um anlässlich der Vollversammlung des Präventionsrats den Eröffnungsvortrag „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht. Wie das Internet unsere Meinungsbildung beeinflusst“ zu halten.
  • Am 20.4. schließlich werde ich den Vortrag „Zwischen Partizipationsversprechen und Algorithmenmacht. Wie das Internet unsere Meinungsbildung beeinflusst“ auch noch einmal in Stuttgart halten, nämlich beim „Stuttgarter Jugendhaus„, einem gemeinnützigen freien Träger von Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit.

 

15. Januar 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2018-01)

Neues Jahr, alte Blog-Rubrik: Auch 2018 werde ich in „Mittendrin zur Monatsmitte“ jeweils am 15. des Monats kurz davon berichten, was gerade bei mir auf dem Schreibtisch liegt.

  • Da ist zunächst das Gutachten zur Rolle von Algorithmen für die individuelle Meinungsbildung, das das HBI für das Büro für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags erstellt. Die Arbeiten nehmen weiter an Fahrt auf, denn im Januar haben wir teaminterne Deadlines für Unterkapitel zum Forschungsstand. Hier gilt es insbesondere, die Fülle an neuen Studien zu sichten, die in den vergangenen Monaten erschienen sind.
  • Auch die Bundestagswahl 2017 wird mich weiter beschäftigen. Der Aufsatz mit einer ersten Bestandsaufnahme unserer Befunde ist ja Anfang des Jahres in den Media Perspektiven erschienen, aber es stehen noch einige vertiefende Analysen an. Hier werde ich mich entscheiden müssen, ob ich zuerst die Twitter Friend Repertoires der Kandidierenden weiter analysiere oder mich an den Korpus mit Tweets zur „hashtag public“ #btw17 setze, die wir in den sechs Wochen um die Wahl erfasst haben.
  • Ausserdem beschäftigen wir uns in einer Instituts-Arbeitsgruppe mit der Ausschreibung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), das den Aufbau eines dezentral organisierten „Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ fördern wird. Der Wandel von Medienkommunikation und gesellschaftlicher Öffentlichkeit wird dort explizit (und richtigerweise) als wesentlicher Einflussfaktor benannt, sodass es nahe liegt, dass wir auf die Ausschreibung reagieren werden.
  • Und dann steht dieses Jahr noch eine Besonderheit an: Als Vorsitzender des Betriebsrats habe ich die ehrenvolle Aufgabe, mich um die Organisation der diesjährigen Betriebsratswahlen zu kümmern; ich ahne, vor allem nach einem Blick in enstprechende Handreichungen und Ratgeberbücher, dass es da eine ganze Menge Dinge zu beachten gibt.. :-)

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das WZB-Discussion Paper „Parlamentarische Praxis der AfD in deutschen Landesparlamenten„. Neben den Befunden zur Medienstrategie der Partei bzw. Landtagsfraktionen, die u.a. auch für die Analyse zur Bundestagswahl interessant sind, enthält das Papier sehr detailreiche Übersichten und Analysen zur bisherigen parlamentarischen Arbeit der Partei – nicht wirklich freudvolle Lektüre, aber wichtig.

 

8. Januar 2018
von Jan-Hinrik Schmidt
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Aufsatz zur Bundestagswahl 2017 erschienen

Aufmerksame Leser/innen meines Blogs wissen, dass ich vergangenes Jahr mit tatkräftiger Unterstützung einiger studentischer Mitarbeiter/innen eine Analyse der Social-Media-Aktivitäten von Kandidierenden zum Deutschen Bundestag vorgenommen habe. Eine erste Zusammenfassung der Befunde ist mittlerweile in der Zeitschrift „Media Perspektiven“ erschienen und frei im Netz zugänglich:

Schmidt, Jan-Hinrik (2017): Twitter-Nutzung von Kandidierenden der Bundestagswahl 2017. Verbreitung, Aktivität und Informationsquellen. In: Media Perspektiven, 12/2017, S. 616-629. Online verfügbar: http://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/media-perspektiven/pdf/2017/1217_Schmidt.pdf

 

15. Dezember 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-12)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Wieder mal bin ich etwas zu spät dran, um meinen „Mittendrin zur Monatsmitte“ pünktlich am 15. um 12 Uhr zu veröffentlichen – aber ich habe eine gute Entschuldigung, dass es heute einige Stunden später wurde: Heute war mein letzter Arbeitstag in diesem Jahr, weshalb die vergangenen Tage recht arbeitsam und deadline-intensiv waren. Unter anderem habe ich auf den letzten Jahresmetern noch abgeschlossen:

  • Für einen Beitrag zu „Blogs“, der in der Neuauflage des „Handbuch empirische Sozialforschung“ erscheinen wird, mussten noch einige Rückmeldungen der Herausgeber berücksichtigt werden.
  • Gleiches gilt für einen Beitrag zur Social-Media-Nutzung der Kandidierenden zur Bundestagswahl, der noch dringend vor Weihnachten überarbeitet werden musste, damit er im Januar 2018 in den Media-Perspektiven erscheinen kann.
  • Dann galt es noch eine kurze Expertise für den MDR fertig zu stellen, die sich mit „Algorithmischem Empfehlen“ beschäftigt und hoffentlich 2018 in weiteren, dann auch breiter kommunizierbaren Aktivitäten mündet.
  • Und zu guter Letzt waren noch einige Reviews fällig; neben einigen Gutachten zu Aufsatzeinreichungen für Medien & Kommunikationswissenschaft gehörte dazu auch eine Stellungnahme zu einem Forschungsprojekt im Rahmen einer universitätsinternen Förderinitiative (mehr verrate ich nicht, sonst wäre es nicht mehr anonym.. ;-)).

Natürlich gab es noch mehr „to do“’s und „man müsste mal“’s, die ich dieses Jahr nicht geschafft habe. Aber wenn ich auf meine Post-It-Wand schaue, bin ich doch ganz zufrieden, was ich dieses Jahr so alles auf die linke „erledigt“-Seite schieben konnte…

Die bunten Zettel in der rechten Spalte zeigen, dass 2018 schon seine Schatten vorauswirft. Aber die nächsten drei Wochen habe ich erstmal Urlaub… :-)

Was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln im Urlaub? U.a. „The Hanging Tree“ aus der sehr empfehlenswerten Rivers-of-London-Reihe von Ben Aaranovitch.

15. November 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-11)

Heute gibt es eine ganz besondere Folge von „Mittendrin zur Monatsmitte“. Warum? Weil heute mein 10-Jähriges Dienstjubiläum am Hans-Bredow-Institut ist! Zehn Jahre darf ich nun also schon mit wunderbaren Kolleg/innen und motivierten studentischen Mitarbeiter/innen an unglaublich spannenden und gesellschaftlich relevanten Themen forschen, wie schön! Und noch toller: Das Institutsgedächtnis hat gespeichert, dass ich vor zehn Jahren zu meinem Einstand einen Original Bamberger Leberkäse mitbrachte, buk und verteilte1. Statt eines Jubiläumskuchens gab es daher heute Leberkäsbrötchen als Geschenk für mich und alle Anwesenden…! :-)

Leider besteht meine Arbeit derzeit nicht ausschließlich aus Dienstjubiläen und kulinarischen Überraschungen; im Moment treiben mich vor allem zwei Vorhaben um:

  • Für das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag arbeiten wir ja an einem Gutachten zum Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung. Morgen steht ein interner Team-Workshop an, bei dem wir den bisherigen Stand aus den verschiedenen Arbeitspaketen zusammen tragen und abgleichen wollen. In Sachen Forschungsstand soll das insbesondere vermeiden, dass manche Studien und Befunde mehrfach erwähnt werden, oder dass bestimmte Aspekte übersehen werden. In Sachen eigener empirischer (Sekundär-)Analysen geht es vor allem um einen allerersten Überblick, in welche Richtung die Befunde gehen werden; hier wird die eigentliche Arbeit wohl erst Anfang 2018 laufen.
  • Ausserdem sitze ich weiterhin an einer ersten Zusammenfassung der Studie zu den Social-Media-Aktivitäten der Bundestagskandidierenden. Hier gilt es in den kommenden Tagen vor allem noch, die Analyse der Twitter Friend Repertoires abzuschließen; also zu überprüfen, wie die Sets von Accounts zusammengesetzt sind, denen die Kandidierenden auf Twitter folgen.

Daneben gibt es eine Reihe von kleineren Aufgaben und Vorhaben, und nicht zuletzt noch zwei Vortragsreisen, bevor dann Mitte Dezember bereits mein Weihnachtsurlaub beginnt. Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. das Buch „The closing of the Net“ von Monica Horten, das eine sehr interessante Perspektive auf die Machtstrukturen und Prozesse der Ordnungsbildung gibt, die die derzeitige Gestalt des Internet prägen.

  1. Die anfängliche Skepsis bei einigen Kolleg/innen mit norddeutschem Hintergrund wich bald der Freude über so leckeres Essen…. bilde ich mir zumindest ein… :-

15. Oktober 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-10)

Wenn dieser Text zu lesen ist, habe ich es diesen Monat nicht geschafft, einen Blog-Eintrag zu meinen aktuellen Vorhaben und Baustellen zu schreiben… Die Kommentare können gerne dazu benutzt werden, mich zu verhöhnen, anzufeuern, zu ermuntern, oder mich durch demonstratives Schweigen zu strafen.

Mit eintägiger Verspätung kommt jetzt der „Mittendrin zur Monatsmitte“-Eintrag für den Oktober. Das Warten hat sich gelohnt, denn heute ist die Bredowcast-Folge online gegangen, die ich mit Daniela Friedrich zur frisch erschienenen 2. Auflage meines Buches „Social Media“ aufgenommen habe. Wer sich also anhören möchte, was ich zu Inhalt, Anliegen und Kontext dieser Neuauflage zu erzählen habe:

(Das Buch kostet leider nicht, wie ich bei der Aufnahme des Podcasts noch dachte, „zehn bis zwölf Euro“, sondern wird vom Verlag jetzt für 15 [ebook] bzw. 20 Euro [print] angeboten. Ich hätte mir ja weiter den niedrigeren Preis wie bei der ersten Auflage gewünscht, hatte da aber leider kein Mitspracherecht…)

Was Projekte angeht, stehen derzeit vor allem zwei Dinge im Vordergrund:

  • Die Auswertung der Social-Media-Aktivitäten der Bundestagskandidierenden geht voran; eine erste Publikation habe ich für Anfang 2018 in Aussicht, aber das ist im Moment noch nicht ganz spruchreif.
  • Zusammen mit Cornelius Puschmann koordiniere ich die Erstellung eines Gutachtens, das wir in einem größeren HBI-Team für den Deutschen Bundestag erstellen, genauer: Für das Büro für Technikfolgenabschätzung, das sich derzeit u.a. mit dem Einfluss von Algorithmen auf die Meinungsbildung beschäftigt.

Und was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. den Aufsatz „Qualitäts- und Erfolgsmessung in einem öffentlich-rechtlichen Medienhaus„, der einige Fragen berührt, die mich gerade im Zusammenhang mit algorithmischer Personalisierung beschäftigen.

 

29. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Rezension zu „Der (des)informierte Bürger im Netz“

Für die aktuelle Ausgabe von M&K habe ich eine Rezension beigesteuert, nämlich von Wolfgang Schweigers Buch „Der (des)informierte Bürger im Netz. Wie soziale Medien die Meinungsbildung verändern“ – hier im Blog gibt es die Fassung mit Hyperlinks! :-)

In den letzten Jahren sorgten unter anderem die Debatten um Flüchtlingspolitik und die Geschehnisse in der Kölner Silvesternacht 2015/2016, aber auch die für viele Beobachter/-innen überraschenden Ausgänge des Brexit-Referendums und der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl für ein enormes Interesse an der Rolle, die soziale Medien mittlerweile im Gefüge der politischen Öffentlichkeit eingenommen haben. Neben solchen äußeren Anlässen motivierten wohl auch die hartnäckigen Nachfragen von Fachkollegen Wolfgang Schweiger dazu, die Überlegungen seiner Hohenheimer Antrittsvorlesung vom Januar 2015 weiter zu denken und zu einem gestandenen Buch auszuarbeiten. Von Seiten des Rezensenten vielen Dank für diesen kollegialen Druck, denn das Werk kommt, soviel kann dem Fazit schon vorgegriffen werden, zur richtigen Zeit – auch wenn es damit leben muss, dass manche Passagen angesichts der rasanten technischen und gesellschaftlichen Entwicklung wie auch der hoch dynamischen Forschungslage quasi mit Erscheinen schon wieder veraltet sind.

Schweiger beginnt seine Ausführungen mit der Diagnose, dass wir derzeit sowohl einen Be­deutung­s­verlust journalistischer Nachrichten als auch einen Aufstieg sozialer Medien beobachten können. Unabhängig davon, ob dies nur zeitliche Koinzidenz oder tatsächlich kausaler Zusammenhang ist: „Das schwächt die politische Informiertheit und die Diskursfähigkeit der Bevölkerung und verstärkt die Polarisierung der Gesellschaft“ (S. VIIIf.), so die Ausgangsthese des Buches. Sie wird in sechs Kapiteln unter Bezug auf verschiedene Stränge kommunikationswissenschaftlicher Forschung ausgeführt und „unterfüttert“: Von allgemeinen demokratietheoretischen Überlegungen zur Rolle des (Nachrichten-)Journalismus und der informierten Bürger über Studien zum nachrichtenbezogenen Informationsverhalten bis hin zu Konzepten der Meinungsbildung und der Meinungsklimawahrnehmung. Aus Platzgründen will ich nur auf zwei Aspekte eingehen, die Schweigers Anliegen und Argumentation m.E. gut verdeutlichen können, nämlich das Konzept des „granularisierten Nachrichtenkontakts“ sowie der Fokus auf die „politisierte Bildungsmitte“.

Die Organisationsprinzipien sozialer Medien begünstigen der Analyse zufolge den „granularisierten Nachrichtenkontakt“: Sie lösen Nachrichten und Meldungen aus dem Kontext publizistischer Angebote und betten sie ein in den personalisierten, ständig aktualisierten Strom von Neuigkeiten in der Timeline von Twitter oder dem Facebook-Newsfeed. Dort stehen journalistische Nachrichten neben privat-persönlichen Updates aus dem Freundeskreis und der persuasiven Kommunikation von Marken oder politischen Parteien.

Von dieser Beobachtung ist es nur ein kurzer Schritt hin zur „Filterblase“-These, die postuliert, dass psychologische und soziologische Mechanismen des Informationsmanagements durch technisch-algorithmische Selektion verstärkt würden, was die Vielfalt der empfangenen Informationen senke. Schweiger weist zu Recht daraufhin, dass auch die entgegengesetzte Annahme – die Erweiterung persönlicher Online-Netzwerke steigere die Chance, mit heterogenen Informationen konfrontiert zu werden – gleichfalls plausibel sei; der aktuelle Forschungsstand jedenfalls lasse jedoch noch keine klare und abschließende Beurteilung der Personalisierungseffekte von sozialen Medien zu.

Doch eine andere Wirkungskette sieht Schweiger als bedrohlicher an: Der granularisierte Nachrichtenkontakt in sozialen Medien verhindere einen umfassenden Nachrichtenüberblick und begünstige die Konfrontation mit „Fälschungen, Lügen und Halbwahrheiten“ (S. 112). So könne es zu einer Negativspirale „aus sinkendem Nachrichtenüberblick und Journalismusvertrauen sowie zurückgehender Nachrichtennutzung vieler Bürger“ (S. 81) kommen. Diese Entwicklungen blieben wiederum nicht folgenlos für die Meinungsbildung, die dem demokratietheoretischen Ideal zufolge informierte Bürgerinnen und Bürger voraussetzt, die Kenntnisse von Fakten wie auch von konkurrierenden Haltungen und Meinungen zu politischen Anliegen haben.

In Kapitel 5 legt Schweiger einen Schwerpunkt auf die „politisierte Bildungsmitte“, wie er „stark politisierte(.) Bürger mit durchschnittlicher formaler Bildung, die sich über soziale und alternative Medien informieren“ (S. 7) bezeichnet. Anhand dieser Bevölkerungsgruppe, aus der sich auch viele Anhänger von (rechts)populistischen Bewegungen speisen, entwickelt er ein Wirkungsmodell, das die Veränderungen auf Seiten der online verfügbaren Informationen mit individuellen Faktoren zusammenbringt. Politisch stark involvierte Menschen mit geringem politischen Vorwissen und gering ausgeprägter Medienkompetenz seien, so die Annahme, von der Vielfalt der online verfügbaren Informationen nicht nur inhaltlich überfordert, sondern insbesondere auch anfällig für Einstellungs- und Wissenseffekte wie Pseudo-Informiertheit, Polarisierung und verzerrte Meinungsklimawahrnehmung, die die sozialen Medien begünstigen können. Insoweit diese „Wutbürger“ auch redebereiter und politisch aktiver sind, können sie über ihre Teilnahme an öffentlicher Bürgerkommunikation in den sozialen Medien die Sichtbarkeit ihrer Meinungen überproportional erhöhen und andere Menschen mobilisieren.

Dementsprechend warnt Schweiger im Fazit auch: Dass sich ein Teil der Bevölkerung von journalistischen Nachrichtenmedien abwende und in den sozialen Medien – aber nicht nur da, siehe den Zulauf zu Pegida-Demonstrationen – formieren und den demokratischen Diskurs unterhöhlen könne, bedrohe grundlegend den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dem gegen zu steuern sei Aufgabe der Bildungspolitik (Stichwort: Medienkompetenz für die digitale Gesellschaft), vor allem aber auch der Medienpolitik, die zum einen die großen Plattformen gerade in Hinblick auf Hasskommentare und gezielt irreführende Informationen stärker regulieren, zum anderen die Rahmenbedingungen für journalistische Qualität verbessern müsse.

Schweigers Buch ist gelungen, auch und gerade weil es zeigt, dass wir Kommunikations­wissenschaftler/-innen Stellung zu gesellschaftlichen Entwicklungen beziehen können (und sollten), die nicht nur den Kern unseres Faches, sondern auch das Herz der demokratischen Öffentlichkeit berühren. Er konzediert selbst, dass nicht jede Annahme gleichermaßen durch empirische Befunde zweifelsfrei abgesichert sei, er sich aber am Leitbild der „kumulativen Evidenz“ orientiere. Jede Leserin und jeder Leser wird daher vermutlich einzelne Stellen finden, die er oder sie weniger überzeugend findet. Mir etwa sei (pro domo) der Hinweis auf eine Lücke im Forschungsstand zur Nachrichtennutzung erlaubt, die durchaus folgenreich ist: Die deutsche Teilstudie des „Reuters Institute Digital News Survey“ liefert bereits seit 2012 repräsentative Daten zur Nachrichtennutzung, die sich noch dazu mit der Lage in mittlerweile 36 Ländern vergleichen lassen. Sie kann zeigen, dass in Deutschland die Nutzung sozialer Medien generell und für nachrichtliche Zwecke im speziellen im Lauf der Jahre zwar zugenommen hat. Aber der Anteil derjenigen, die soziale Medien als Haupt- oder gar als einzige Nachrichtenquelle verwenden, ist gerade im internationalen Vergleich nach wie vor recht klein. Man darf also nicht nur die Internetnutzung betrachten, sondern muss andere Medien­gattungen mit einbeziehen, weil diese nach wie vor für viele Menschen wichtige Informations­quellen sind. Dies wiederum kann bedeuten, dass manche der Annahmen und Wirkungsketten, die Schweiger entfaltet, gar nicht für die Gesellschaft als ganzes zutreffen, sondern möglicherweise nur für die „Social Media only“-Gruppe Gültigkeit haben.

Doch auch wenn man diesen Einwand für gravierend hält, muss das den Wert des Buches nicht grundlegend schmälern. Es bietet viele Anknüpfungspunkte für die weitere kommunikationswissenschaftliche Forschung, die in den nächsten Jahren Schweigers Annahmen und Wirkungsmodelle prüfen und, wo nötig, verbessern wird.  Wenn es unser Fach dann auch schafft, dieses Wissen in die Politik und breitere Öffentlichkeit zu tragen, wäre viel gewonnen.

 

15. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Mittendrin zur Monatsmitte (2017-09)

Die Ferien-/Urlaubszeit ist vorbei (vom Sommer will ich gar nicht reden) – mit welchen Themen und Aufgaben beschäftige ich mich gerade?

  • Die Analysen zu den Social-Media-Aktivitäten von Bundestagswahl-Kandidierenden läuft auf vollen Touren. Vor einigen Tagen hatte ich ja einige erste Befunde zur Twitternutzung bei Kandidierenden von acht großen Parteien gebloggt. Mittlerweile haben wir auch die übrigen Parteien fast vollständig gecheckt und können zum Stichtag 24.9., also am Wahltag, eine weitere Datenabfrage starten. Praktisch bedeutet dies im Moment insbesondere, eine ganze Reihe von Skripten zu aktualisieren und „in Stellung zu bringen“, mit denen wir über die Twitter-API Daten u.a. zu Friends, Followern etc. checken können.
  • Über die Bundestagswahl hinaus wird mich das Thema „Meinungsbildung in digitalen Öffentlichkeiten“ weiter beschäftigen; zum einen im Rahmen einer Reihe von Vorträgen (die aktualisierte Übersicht findet sich hier), zum anderen in einem größeren Projekt, das ich leider Stand heute noch nicht offiziell nennen kann, das aber in kommenden „Mittendrin zur Monatsmitte“-Folgen sicherlich vorkommen wird.
  • Was ich aber verkünden kann: Seit längerer Zeit befasse ich mich mal wieder etwas ausführlicher mit dem Thema „Blogs“ – ich habe zugesagt, für die Neuauflage des „Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung“ einen Beitrag beizusteuern, der sich grundsätzlich mit Aspekten des Feldzugangs, der Stichprobenziehung und der Datenerhebung & Auswertung im Rahmen von Blogforschung befasst.
  • Und wo ich gerade bei den (Vor-)Ankündigungen bin: Die zweite Auflage des „Social Media“ -Buchs ist von meiner Seite aus fertiggestellt und befindet sich bereits in Produktion. Laut Verlag soll es wohl in der zweiten Oktober-Hälfte lieferbar sein.

Was lese ich gerade beim S-Bahn-Pendeln? U.a. „Netzprominenz. Entstehung, Erhaltung und Monetarisierung von Prominenz im digitalen Zeitalter“, die Dissertation von Hanne Detel aus Tübingen.

4. September 2017
von Jan-Hinrik Schmidt
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Twitter bei der Bundestagswahl 2017

[Update 19.9.2017: Eine .csv mit allen von uns recherchierten Twitteraccounts aller Kandidierenden steht zum Download zur Verfügung.]

Zusammen mit einigen studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeite ich seit Ende Mai an einer Analyse der Twitter-Aktivitäten von Kandidierenden bei der Bundestagswahl 2017. Ein Großteil der bisherigen Arbeit bestand darin, die Grundgesamtheit (= alle Kandidierenden aller Parteien) zusammen zu stellen und parallel zu recherchieren, wer davon einen Account auf Twitter1 hat. Mit diesem Datensatz möchten wir in den folgenden Wochen eine Reihe von Fragen beantworten, darunter

  • Wie viele Kandidierende haben einen Twitter-Account? Gibt es Unterschiede nach Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Art der Kandidatur (Liste vs. Wahlkreis)?
  • Wie setzen sich die „Twitter Friend Repertoires“ der Kandidierenden zusammen, d.h. welchen Accounts folgen die Kandidierenden auf Twitter?
  • Welche Rolle spielen Kandidierende in der „hashtag public“ zur Bundestagswahl, also in der Gesamtheit aller Tweets mit dem hashtag #btw17 bzw. #btw2017?

Am vergangenen Sonntag, also genau vier Wochen vor dem Wahltag, haben wir für acht große Parteien (CDU, CSU, SPD, Linke, Grüne, FDP, AfD und Piraten)2 die Recherche abgeschlossen und eine erste Abfrage der Twitter Friends vorgenommen3. Unten habe ich einige erste Befunde zusammen gefasst; weitere werden folgen. Wer selbst tiefer in die Daten zu den Twitter Friends eintauchen möchte: In diesem Google Spreadsheet sind eine Reihe von Top100-Listen (über alle Kandidierende sowie nach Geschlecht und nach Partei untergliedert) dokumentiert. Weiterlesen →

  1. Zeitgleich haben wir auch die Facebook-Accounts recherchiert, aber das ist ein separates Vorhaben
  2. Update 5.9.: Weil es gerade eine (berechtigte) Twitter-Nachfrage gab: Als „große Partei“ verstehen wir die sieben Parteien, die absehbar über 5% kommen werden. Zu den Piraten haben wir Daten aus früheren Wahlen & wollten sicherstellen, dass wir Vergleich anstellen können, daher sind sie in dieser Analyse mit enthalten. Zum Stichtag 24.7. erheben wir die Daten nochmal mit allen Parteien.
  3. Zwei weitere Abfragen werden am Wahltag sowie zwei Wochen nach der Wahl folgen.