Schmidt mit Dete

Nach der Arbeit

Länderpunkt Brasilien: Fussball beim EC Vitoria

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Ich bin ja kein wirklicher Groundhopper, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, besuche ich dann doch gern mal auf Reisen ein einheimisches Fussballspiel1. Und heute ergab sich eine solche Gelegenheit, denn während meiner Brasilienreise auf Einladung des Goethe-Instituts war ich – zusammen mit Christoph Bieber und Gerhard Vowe, also in exzellenter Gesellschaft – bei einem Spiel in der ersten brasilianischen Liga, dem Campeonato Brasileiro.

Einer der beiden lokalen Vereine in Salvador de Bahia, nämlich der EC Vitoria, spielte gegen Botafogo aus Rio de Janeiro – beide waren vor dem Match im oberen Drittel der Tabelle zu finden, Botafogo auf 4 und Vitoria auf 6 oder 7. Das Spiel fand nicht in der für die WM gebauten neuen Arena im Zentrum statt, sondern im Estádio Manoel Barradas, das etwas ausserhalb in einem eher einfachen Stadtteil liegt (Google Maps). Wir hatten die Tickets (40 Real, also etwa 14 Euro) vorab über das Goethe-Institut organisieren können und brachen abends mit dem Taxi vom Hotel auf – und gerieten bald in einen ordentlichen Stau, der gefühlt zu einem Drittel Rushhour, einem Drittel Fussballfans und einem Drittel wild in der Gegend herumfahrenden Gefährten bestand. Irgendwann ließ der Taxifahrer sein Auto am Wegrand stehen und führte uns zu Fuss den letzten Kilometer zum Stadion, um das herum unglaublicher Trubel herrschte: Essensstände, Bierstände, Fans auf Mopeds und zu Fuss, und mittendrin drei begeisterte Internetforscher aus Deutschland.. :-)

Das Stadion ist in einen Hang gebaut, mit den zwei Fanlagern hinter den beiden Toren und einer Haupttribüne wo wir saßen. Eine Gegentribüne gibt es nicht, dort sind nur die Spielerkabinen und eine Anzeigentafel – so hat es fast etwas von einem Amphitheater, siehe auch die beiden Videos unten. Die Heimfans machten von Anfang an ordentlich Stimmung, mit Sambatrommeln, Gesängen und einer tribünengroßen Trikot, das vor dem Anpfiff hochgezogen wurde.

Im Spiel selbst hatte Vitoria relativ schnell Übergewicht, aber Botafogo die etwas klareren Chancen – die allerdings zum Teil sehr leichtfertig vergeben wurden. Vitoria hingegen wurde ein Tor wegen Abseits nicht anerkannt – zumindest aus Sicht der Zuschauer um uns herum absoluter Blödsinn, weil das ja eindeutig kein Abseits gewesen sei und der Schiedsrichter wahlweise Ähnlichkeit mit bestimmten unerfreulichen Tierarten oder wenig prestigereichen Berufen in der Sexindustrie hätte, und zudem diverse ansteckend-nässende Krankheiten (zumindest deutete ich das wilde Geschreie um mich herum so, aber es waren eine Menge neuer portugiesischer Worte, die nicht in den Reiseführern stehen…).

Zur Halbzeit stand es also 0-0, wobei sich beide Mannschaften nicht über einen Rückstand hätten beschweren können. Überhaupt: Es gab jede Menge technischer Stockfehler, umständlichen Spielaufbau und Gedaddel im Strafraum – aber trotzdem war das Spiel durchaus abwechslungsreich, denn es ging immer wieder hin und her. In der zweiten Hälfte wurde es noch intensiver, Vitoria wechselte zweimal unter großem Jubel aus – und einer der Joker, ein junger Schlaks mit gelb gefärbten Haaren2, schoss dann tatsächlich so um die 80. Minute herum das Führungstor. Wir nutzten die allgemeine Euphorie, um aufzubrechen und wieder zum vereinbarten Treffpunkt mit dem Taxifahrer zurück zu laufen. Zwar mussten wir noch einige Minuten an einem kleinen Platz warten  – offensichtlich hatte er nicht damit gerechnet, dass  wir tatsächlich vor Abpfiff aufbrechen würden – umgingen so aber den großen nach-dem-Spiel-Stau und waren nach knapp 20 Minuten (statt 60 wie beim Hinweg) wieder im Hotel… mit einem Länderpunkt und einem tollen Ground im Gepäck.

Vor dem Anpfiff


Nach dem Führungstor

  1. Neben diversen Partien in Deutschland habe ich immerhin schon die Grashoppers Zürich und Bnei Yehuda Tel Aviv auf meiner Liste.
  2. Mit vollem Namen William Henrique Rodrigues da Silva.

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