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Expertise zu politischer Sozialisation und Partizipation Jugendlicher im Internet

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Anfang 2013 habe ich für den Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut eine Expertise zum Thema „Politische Sozialisation und Partizipation von Jugendlichen im Internet“ erstellt, in der ich einige grundlegende Facetten von internetbezogener Teilhabe systematisiert und in Bezug auf Jugendliche diskutiert habe. Der Text ist nun in leicht gekürzter Form als Teil eines Arbeitspapiers des Forschungsverbunds erschienen; eine Zusammenfassung habe ich unten angefügt. Neben meinem Beitrag und einer Einführung von Erich Sass & Mirja Lange sind auch noch zwei weitere Texte enthalten: Ulrike Wagner, Peter Gerlicher & Annika Potz vom JFF haben eine Sekundäranalyse von empirischen Studien zu politischen Aktivitäten junger Menschen online erstellt, und ein Team rund um Nadia Kutscher (Uni Vechta) berichten Befunde einer qualitativen Studie zu politischen Beteiligungsformen Jugendlicher.

Schmidt, Jan-Hinrik (2015): Politische Sozialisation und Partizipation von Jugendlichen im Internet. In: Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut e.V./Technische Universität Dortmund (Hrsg.): Politische Partizipation Jugendlicher im Web 2.0. Chancen, Grenzen, Herausforderungen. Dortmund. S. 11-38. Online verfügbar: http://www.forschungsverbund.tu-dortmund.de/fileadmin/Files/Freiwilliges_Engagement/2015-01_Expertisen_Polit_Partizipation_WEB_2-0.pdf.

Zusammenfassung

  • Digitale vernetzte Medien sind Teil des Alltags von Jugendlichen, beeinflussen mithin auch deren Erfahrungen von und Erwartungen an gesellschaftliche Teilhabe. Zwei Verständnisse von Partizipation lassen sich in diesem Zusammenhang unterscheiden: Das weite Verständnis stellt medienvermittelte Teilhabe an kollektiven Aspekten der Lebenswelt in den Vordergrund. Das enge Verständnis fokussiert hingegen auf Teilhabe am politischen System, also auf Handlungen, die politische Entscheidungen beeinflussen sollen.
  • Der Zusammenhang mit Internet und Partizipation lässt sich in drei Varianten deuten: Teilhabe im Internet umfasst Partizipationsprozesse in den Kommunikationsräumen des Internets. Teilhabe mit Hilfe des Internets meint Partizipationsprozesse, in denen das Internet als Werkzeug genutzt wird. Teilhabe am Internet bezeichnet diejenigen Partizipationsprozesse, in denen die Gestaltung der Medientechnologien selbst Gegenstand ist.
  • Internetbasierte Partizipation von Jugendlichen hat Sollen-, Tun- und Können-Facetten:
  1. Normative Aspekte äußern sich darin, dass Teilhabe ein zentraler demokratischer Wert unserer Gesellschaft ist. In ihrem (Medien-)Alltag erfahren Jugendliche Teilhabe zudem als Handlungsanforderung, die sich in subkultur- oder plattformspezifischen Erwartungen an ihr „Mitmachen“ im Internet artikuliert.
  2. Praktische Aspekte äußern sich darin, dass Partizipation in situativen Handlungsepisoden stattfindet, in denen unterschiedliche Modi bzw. unterschiedliche Aktivitätsgrade vorherrschen. Jugendliche und junge Erwachsene gehören im Vergleich mit anderen Altersgruppen zwar eher zu den aktiven Nutzern, doch auch unter ihnen gibt es deutliche Unterschiede im Grad der Aktivität und Teilhabe.
  3. Befähigungsbezogene Aspekte äußern sich darin, dass Partizipation bestimmte Kompetenzen, Wissensbestände, Ressourcen und Gelegenheitsstrukturen voraussetzt. Diese sind gesellschaftlich ungleich verteilt, sodass auch unter Jugendlichen Partizipation durch Strukturen sozialer Ungleichheit bzw. der „digital divide“ geprägt ist.
  • Politische Sozialisation ist dieser Unterteilung zufolge der kontinuierliche und strukturell gerahmte Prozess, in dem Jugendliche Teilhabe an kollektiven Facetten der Lebenswelt praktizieren und zugleich die rahmenden normativen und befähigenden Strukturen (re)produzieren. Die Ausübung solcher Partizipationsepisoden lässt sich zudem als Bewältigung von übergeordneten Entwicklungsaufgaben verstehen, das heißt internetbasierte Partizipation ermöglicht Jugendlichen immer auch Selbst-, Sozial- und Sachauseinandersetzung im Prozess des Heranwachsens.
  • Die behandelten Befunde und Differenzierungen lassen sich zu einer analytischen Heuristik verdichten, die bei der Identifizierung möglicher Forschungsfragen und vertiefender Vorhaben hilfreich sein kann.

 

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