Schmidt mit Dete

Online-Games und Killerspiele

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So, das erste „neue“ Projekt am Hans-Bredow-Institut steht: Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden wir in den kommenden Monaten eine Expertise „Spielen im Netz – Expertise zur Systematisierung des Phänomens ‚Online-Games'“ erarbeiten. Sehr schön, das gibt mir die Gelegenheit, mich stärker in das Thema „Games“ einzuarbeiten, das neben der Online-Forschung zu meinen Hauptaufgaben im neuen Job gehören wird. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Instituts macht sich gleich bemerkbar, da ausser mir auch noch ein Medienjurist und eine Medienpädagogin beteiligt sind. Ich freu mich drauf….

… vor allem weil ich hoffe, dass wir mit der Expertise einen fundierten Beitrag zur Spiele-Debatte leisten können. Dass so etwas nötig ist, zeigen zwei aktuelle Beispiele:

  • Die Erklärung der „Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie“, die ein gesetzliches Verbot gewaltverherrlichender Spiele forderte1 und seriösen Wissenschaftlern Industrienähe vorwarf. All das bar jeder echten Begründung, und von Christian Stöcker bei SpON säuberlich auseinander genommen.
  • Der erstaunliche Erfolg eines YouTube-Videos namens „Killerspiele in ARD, ZDF und WDR„; Urheber ist der 22jähriger Bremer Jura-Student Matthias Dittmayer, der sich mit der Aufbereitung des Killerspiel-Themas in Beiträgen für „Panorama“, „Hart aber fair“, „Kontraste“ und „Frontal 21“ auseinandersetzt und dabei nicht nur tendenziöse Gestaltung, sondern auch sachliche Fehler dokumentiert. Matthias betreibt auch die Seite Stigma-Videospiele.de, die ich noch nicht komplett durchgeschaut habe, die mir aber sehr informativ und gut gemacht erscheint; auf jetzt.de gibt es ein weiterführendes Interview mit ihm. Das Video ist derzeit ein Renner auf YouTube (ca. 260.000 Zugriffe), und zeigt noch einen anderen Aspekt sehr schön: Wie sich Videoportale als Instrument einer informierten Gegenöffentlichkeit und einer Medienkritik nutzen lassen.

Beide Themen wurden in den letzten Tagen intensiv auf der Spielkultur-Liste diskutiert, die ich an dieser Stelle nochmal allen empfehlen möchte, die sich für den Games-Bereich interessieren. Dort habe ich vor einigen Tagen auch einen Hinweis auf den Dokumentarfilm „Moral Combat“ gepostet, den ich hier gerne nochmal empfehlen möchte. Ich bin über einen längeren Blog-Eintrag von Henry Jenkins (MIT) darauf aufmerksam geworden, der schreibt: “ /Spencer Halpin’s Moral Kombat/ is perhaps the most important film ever made about video games and you should see it if you get a chance. The film will force people on all sides of the debate about games and violence to re-examine their own positions and ask harder questions.“ Da Jenkins ja DER Theoretiker der „participatory culture“ von Blogs, Videoportalen etc. ist, hätte er vermutlich auch seine Freude am oben verlinkten Video…

  1. das es schon längst gibt

3 Kommentare

  1. Pingback: Malte Ziewitz

  2. …und zur Fortsetzung der Debatte seien noch die Antwort von Frontal (http://www.zdf.de/ZDFde/download/0,6753,7001626,00.pdf) und die Replik bei d-frag (http://d-frag.de/blog/2007/12/02/dittmayer-vs-frontal21), die wiederum die Frontal-Antwort auseinandernimmt, empfohlen.

  3. Pingback: Der Amoklauf und die Mentalität des Killerspiels | jan ulrich schmidt

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