Schmidt mit Dete

Rezension zu “International Blogging”

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Für eine der kommenden Ausgaben von Medien & Kommunikationswissenschaft habe ich ein Buch lesen und besprechen dürfen; unten die um einige Links angereicherte Rezension:

Russell, Adrienne / Nabil Echchaibi (Hrsg.): International Blogging. Identity, Politics, and networked publics. New York: Peter Lang. 205 Seiten.

Auch wenn Netzwerk- und Videoplattformen oder die Wikipedia deutlich weiter verbreitet sind: Blogs haben sich als niedrigschwellige Formate des onlinebasierten Publizierens und damit als prototypische Vertreter des Web 2.0 etabliert. Dies drückt sich auch in einem stetig wachsenden Forschungsstand aus, in dem jedoch international vergleichende Untersuchungen nach wie vor eher dünn gesät sind. Die zu besprechende Aufsatzsammlung vereint neun länder- bzw. sprachbezogene Fallstudien, deren Anspruch Ko-Herausgeberin Adrienne Russell (University of Denver, USA) in ihrer Einleitung formuliert: Stellenwert und Folgen von Blogs sollen in Beziehung zum jeweiligen nationalen Mediensystem sowie dem politischen und kulturellen Kontext diskutiert werden. So ließe sich zum einen der Dominanz des us-amerikanischen Modells von Blogs und ihrer gesellschaftlichen Institutionalisierung entgegnen, zum anderen einer impliziten Technikeuphorie vorbeugen, die gesellschaftliche Wirkungen vorrangig aus technischen Merkmalen ableitet.

Die Fallstudien besitzen in „Identität“ und „Politik“ zwei gemeinsame inhaltliche Nenner. Diese verweisen darauf, dass Blogs eine Verbindung zwischen individueller Selbstpräsentation (durch das explizit-Machen und Aushandeln von Identitätsaspekten) und kollektiven Handeln (durch die Artikulation politischer Positionen oder Widerstände) schaffen können. Zur weitergehenden Strukturierung des Bandes taugen diese beiden Leitbegriffe allerdings nur bedingt; die Autor/innen argumentieren letztlich doch zu sehr von unterschiedlichen Perspektiven und aufgrund unterschiedlicher methodischer Zugänge, sodass die inhaltliche Klammer des Bandes eher schwach bleibt.

Positiv ist hervorzuheben, dass alle Kapitel einen kurzen historischen Überblick zur Verbreitung und Institutionalisierung von Blogs in den betrachteten Ländern haben. Darauf aufbauend liegt der Fokus mal auf einzelnen Angeboten wie dem „Bondy Blog“, das N. Echchaibi als Forum für marginalisierte Stimmen aus den französischen Banlieues charakterisiert, oder dem Blog des italienischen Komikers Beppe Grillo, das in Kombination mit anderen Online-Werkzeugen graswurzelartige politische Strukturen in Italien fördert (G. Navarria). Andere Beiträge analysieren die Rolle von Blog-Netzwerken: Bruns/Adams zeigen auf Grundlage von Netzwerk- und Inhaltsanalysen der australischen politischen Blogosphäre, dass dort eine hohe Polarisierung, aber eher links-progressive Tendenzen vorzufinden ist, die sie als Gegengewicht zu den eher konservativen Mainstream-Medien des Landes deuten. In Singapur hingegen, so Y. Ibrahim, stehen Blogs vor allem in Konflikt mit der dort herrschenden politischen Kultur, die Pluralismus als Bedrohung ansieht und sich u.a. in einer starken Regulierung bis hin zur direkten Kontrolle der etablierten Medien äußert.

In einem besonders lesenswerten Text diskutieren Alexanyan/Koltsova, wie sich auf der Plattform „LiveJournal“ sowohl die nationale wie die transnationale russissche Online-Kultur manifestiert. Interessant ist diese Fallstudie auch deswegen, weil LiveJournal 1999 in den USA gegründet wurde, seit 2007 aber in Besitz des russischen Medienunternehmens SUP ist. Diese Übernahme erzeugte vor allem bei den nicht in Russland lebenden russigsprachigen Nutzern Sorgen: „[On LiveJournal] there is the large Russian diaspora, many with powerfully negative memories of the Soviet Union, and with a deep-seated distrust of anything associated with Russian commercial or political interests. These people specifically chose LiveJournal as ‘their online home’ because of its American ownership, and their reaction to having any part of their LiveJournal data ‘transferred’ to Russia is akin to having themselves symbolically deported.” (78)

Die Beiträge zur muslimischen Blogosphäre (E. Siapera) sowie zu Blogs in Marokko (A. Douai) und China (K. de Vries) sind insofern problematisch, als bei ihnen nur auf englischsprachige Blogs zurückgegriffen wird. Dadurch können sie zwar herausarbeiten, wie sich in den Blogs „reconfigurations of western modernity“ (Siapera) artikulieren oder Verbindungen zu globalen Diskursen über Menschenrechte, Demokratisierungsbemühungen o.ä. hergestellt werden. Leider bleibt durch diese Beschränkung jedoch unklar, welchen Stellenwert Blogs jenseits dieser – relativ gesehen – Elitendiskurse der international orientierten Blogger haben. Dies führt zum letzten Kritikpunkt an dem Band: Der Fokus auf politische Kommunikation und die Verbindungen zu massenmedialen politischen Öffentlichkeiten lässt zu selten deutlich werden, ob bzw. zu welchem Grad Blogs in den jeweiligen Gesellschaften noch andere Sphären des Identitäts- und Beziehungsmanagements berühren, beispielsweise in Bezug auf das Verhältnis von lokalen und globalen Populärkulturen, oder für die Pflege von erweiterten sozialen Netzwerken aus dem Privatleben. Für die international vergleichende Blogforschung gibt es also noch eine ganze Menge zu tun.

Blogging practices – framework visualized

What a surprise: A couple of months ago I discussed some aspects of my blogging practice framework with Manolo Vergara from Mexico, who was working at his masters’ thesis in Communication at that time.  As part of that work, he collaborated with designer Mariana González Guzmán-Poirê (check out her collection of Mexican kitsch.. :-)) to [...]

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Öffentlichkeiten und Informationsselektion bei Twitter

Zwischen all den Konferenzreisen komme ich zum Glück zumindest ab und an auch mal dazu, mir einige konzeptionelle Gedanken zu machen. Schon länger geistert mir durch den Kopf, wie man die spezifische Architektur des Kommunikationsraums von Twitter visualisieren könnte, der ja trotz mancher Ähnlichkeiten dann doch anders als z.B. das Weblog oder die Profilseite auf [...]

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Übereifriger Jugendschutzfilter

Zur Abwechslung mal wieder was Kurzweiliges: An sich ist ja schon interessant, dass Spreeblick beim SiteCoach-Jugendschutzfilter aufgrund vermeintlich jugendschutzgefährdender Inhalte geblockt wird. Viel interessanter finde ich aber die Begründung – denn “Forbidden Keyword fisting!” klingt ja weniger jugendschutz- als gesundheitsgefährdend… 1

Ob da der ZDF-Versprecher von vor einigen Tagen Pute Pate stand?
Fehlermeldung gesehen im Bahnhofsinternetcafe von Würzburg.↩

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Blogs vs. MSM – Mehr Lob als Kritik

In den letzten Monaten habe ich viele Vorträge über das neue Netz im Allgemeinen gehalten, über persönliche Öffentlichkeiten und die Grenzverschiebungen der Privatsphäre. Bei der diesjährigen General Online Research Conference (GOR) kann ich zur Abwechslung mal wieder aktuelle Forschungsergebnisse über Blogs vortragen, genauer: Zum Verhältnis von Weblogs und den etablierten, journalistisch betriebenen Medien. Den Vortrag [...]

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Journalistische Ethik im Social Web

Ich hatte ja bereits einige Male das Thema “Forschungsethik im Web 2.0” angeschnitten; heute bin ich auf einen interessanten und leider nicht sonderlich erfreulichen Fall gestossen, dass sich ähnliche Fragen auch für den Journalismus stellen1, insbesondere im Umgang mit online verfügbaren persönlichen Daten. Darauf aufmerksam gemacht hat mich eine Redakteurin von “Zapp“, die wohl in [...]

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Aufsatz zu Bildblog in den Media-Perspektiven

In der aktuellen Ausgabe (11/2008) der Media-Perspektiven ist ein Aufsatz erschienen, in dem meine Bamberger Kollegen und ich uns mit Watchblogs auseinandersetzen und die Ergebnisse der Bildblog-Umfrage kurz zusammenfassen:
Mayer, Florian L./Gabriele Mehling/Johannes Raabe/Jan Schmidt/ Kristina Wied (2008): Watchblogs aus der Sicht der Nutzer. Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildlog. In: Media-Perspektiven, [...]

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“Elektrischer Reporter” über Twitter und beim ZDF

Mario Sixtus aka “Elektrischer Reporter” ist nun auch beim ZDF zu sehen. In der neuesten Folge geht es um Twitter, und ich komme auch mit einer kurzen Einschätzung zu Wort. Wer das nicht in der ZDF-Mediathek sehen möchte, kann auch hier vorbeischauen.

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Bibliographien zu LiveJournal und Blogs

Via Facebook bin ich auf eine Zusammenstellung von Forschungsliteratur zu LiveJournal aufmerksam geworden (von Alice E. Marwick), die recht vielversprechend aussieht. Der Fund hat mich daran erinnert, dass ich auch seit längerer Zeit schon auf die Sammlung von Literatur zu Weblogs hinweisen wollte, die David Brake auf citeULike pflegt. Voila!

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Ein Jahr Schmidt mit Dete

Ui, ich merke gerade: Heute vor genau einem Jahr habe ich dieses Blog offiziell eröffnet1 – inzwischen sind es 176 Beiträge mit 540 Kommentaren sowie einer technorati-authority von 75. Herzlichen Dank an meine geneigten Leser/innern für das Interesse, so macht das Bloggen Spaß!
allerdings hatte ich bereits im Frühjahr 2004 meine allerersten Blog-Versuche unter der Adresse [...]

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Neuer “State of the Blogosphere”-Report

Das passt ja zeitlich wunderbar zu meinem neuen Buch: Technorati veröffentlicht neue Daten zum “State of the Blogosphere“. Dazu greifen sie nicht nur auf ihre Datenbank mit zwischenzeitlich etwa 130 Millionen Blogs, sondern auch auf Ergebnisse einer Befragung von Bloggern (N=1,290 aus 66 Ländern) zurück. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss man im Hinterkopf behalten, [...]

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Rezension zu M. Keren “Blogosphere”

Für die kommende Ausgabe der Zeitschrift “Medien & Kommunikationswissenschaft” habe ich eine Rezension zum Buch “Blogosphere. The New Political Arena” von Michael Keren verfasst. Da es noch einige Zeit dauern wird, bis das Heft erscheint, hier schon mal der Preprint.

Keren, Michael: Blogosphere. The New Political Arena. Plymouth: Lexington Books. 2006. 165 Seiten.
In den letzten [...]

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Statistik am Sonntag

Was wäre ein Sonntag ohne ein wenig Statistik.. ;-)
In den Kommentaren zum Beitrag über die ARD/ZDF-Onlinestudie sind Fragen zur Stichprobengröße aufgekommen, auch im Vergleich zum TNS-(N)Onlineratlas. Hier mal ein paar Rechnungen zu den Stichproben1:

ARD/ZDF und TNS-(N)Onliner machen beide Angaben über die deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren. TNS nennt explizit die “deutsche Bev. ab 14 mit [...]

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Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 ist da

Weihnachten war gestern, heute ist einer der spannendsten Tage1 im Leben von Internetforschern: Die neueste ARD/ZDF-Onlinestudie ist da!
Bereits im Juni waren erste Ergebnisse vorab in einer Pressemitteilung bekannt gegeben worden; nun sind die verschiedenen Aufsätze, die auch in den Media-Perspektiven erscheinen, online verfügbar. Wie üblich, gibt es die grundsätzliche Einordnung der Ergebnisse zur Internet-Nutzerschaft (Birgit [...]

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Der SPIEGEL über Beta-Blogger

Im aktuellen Print-SPIEGEL ist ein Artikel über die deutsche Blogosphäre erschienen, der schon am Wochenende für einiges Rumoren gesorgt hat; inzwischen ist der Text auch online verfügbar. Ich komme auch kurz zu Wort; ich hatte mich letzte Woche länger mit einem der Autoren unterhalten, wobei es insbesondere um meine Einschätzung zu den Unterschieden zwischen der [...]

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