Schmidt mit Dete

Kurz zum neuen Institut für Internet und Gesellschaft

[Vorab zur Klarstellung/Offenlegung: Ich bin Mitarbeiter des Hans-Bredow-Instituts, das "integrierter Gründungskooperationspartner" des neuen Instituts ist; an der Vorbereitung oder Organisation des Berliner Instituts war/bin ich aber nicht beteiligt.]

Kurz einige Bemerkungen zu den Reaktionen auf die gestrige  “Enthüllung” des Forschungsinstituts für Internet und Gesellschaft:

Ich begrüße es voll und ganz, dass nun Anlauf genommen wird, um in Deutschland ein (letztlich auch über Deutschland hinausreichendes) interdisziplinäres wissenschaftliches Institut aufzubauen, das sich mit der Wechselwirkung von Internet und Gesellschaft auseinandersetzt. Nicht nur, weil mich dieses Thema selbst umtreibt, persönlich wie wissenschaftlich, sondern auch weil ich davon überzeugt bin, dass wir noch viel zu wenig darüber wissen, wie digitale Technologien die soziale Welt formen und umgekehrt (und mindestens genauso wichtig) wie wir gesellschaftlich digitale Technologien formen, gestalten, und auch: regulieren können und sollten.

Etwas den Kopf geschüttelt habe ich bei der Diagnose von Philip Banse, der Anschub  dieser Einrichtung durch Google sei ein “Armutszeugnis für die deutsche (Online-)Forschung“; seine Stossrichtung geht ja einerseits an die Wissenschaftspolitik, die es nicht geschafft hat, entsprechende Institute selbst zu fördern, zum anderen an die Forscher/innen selbst, die international nicht wahrgenommen würden und sich nun auch noch von möglicherweise anrüchiger (weil von Google stammender) Finanzierung abhängig machten. Dankenswerterweise hat Martin Emmer bereits einige Dinge geradegerückt und einen schönen Überblick zur sozialwissenschaftlichen Onlineforschung in Deutschland zusammengestellt. Ich teile mit ihm den Eindruck, dass es durchaus jede Menge von Forschungsnetzwerken und Verbünden gibt, die Onlineforschung betreiben – und ich finde es auch gut, dass sich nicht alle davon primär als “Think Tank” für Politik und Öffentlichkeit begreifen, sondern Grundlagenwissenschaft jenseits von direkter wirtschaftlicher oder politischer Verwertbarkeit betreiben. Denn in der Tat (um Martin leicht abzuwandeln): “Ohne fundamentale Analyse und Erklärung der beobachteten Phänomene [sollten keine] Regulierungs- und Geschäftsmodelle entwickelt und diskutiert werden.”

Das beherrschende Thema in den Diskussionen, die ich so wahrnehme, ist aber die Frage nach Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Forschung angesichts des Anschubfinanziers Google. Gesunde Skepsis1 ist hier völlig angebracht – nicht, weil ich befürchte, dass sich das neue Institut Forschungsfragen oder Schlußfolgerungen wird vorschreiben lassen. Aber es ist ein gutes Zeichen, wenn gesellschaftlich hinterfragt wird, wie wissenschaftliche Forschung ermöglicht wird.  Hinter der Finanzierung eines Instituts durch Unternehmen stecken immer auch wissenschaftsfremde Interessen, selbst wenn es nicht um “bezahlte Auftragsforschung” a la Tabak- und Pharmalobby geht, sondern um Aktivitäten, die unter dem Label “corporate citizenship” laufen: Googles Europa-Aktivitäten hat de NYT unlängst schön zusammen gefasst.

Insofern ist es gut, wenn von Anfang an auf Unabhängigkeit gepocht wird. Ich bin in dieser Hinsicht aber zuversichtlich: Die Konstruktion des neuen Instituts sieht zum einen die Trennung von finanzieller Abwicklung2 und wissenschaftlicher Arbeit vor. Zum anderen sollen meines Wissens weitere Finanzquellen eröffnet werden; teils durch das Gewinnen weiterer Förderer aus dem Bereich der Internetwirtschaft, teils durch das gängige Einwerben von Drittmitteln im Rahmen der öffentlichen Wissenschaftsföderung. Und beides kann nur gelingen, wenn die wissenschaftliche Arbeit exzellent ist, das heißt transparent, unabhängig und den akademischen  Standards, nicht den unternehmerischen Interessen verpflichtet ist.

  1. “Ungesunde Skepsis” ist meines Erachtens die Vorstellung, Google würde eine Art ausgelagerte Marktforschung betreiben wollen – dazu bräuchten sie nun wahrlich kein Institut fördern, das seine Ergebnisse öffentlich zur Verfügung stellen wird….
  2. Das wird wohl über eine eigenständige Förder-gGmbH laufen.

Social Media im Katastrophenfall

Die drei Katastrophen in Japan – Erdbeben, Tsnunami und Kernschmelze – spiegeln sich auch in den zahlreichen Social-Media-Öffentlichkeiten wieder; einschlägige hashtags wie #japan, #fukushima oder #prayforjapan sind unter den trending topics. Auf Youtube sind unzählige Augenzeugen-Videos zu sehen. Die Rolle, die Social Media im Katastrophenfall spielen kann, ist für vergangene Vorfälle und Krisen auch wissenschaftlich [...]

weiterlesen »

Q&A zu “Digitalisierung und wissenschaftliches Arbeiten”

Am 14. und 15.2. bin ich auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI) und des Deutschen Historischen Instituts Paris zu Gast in Essen bei der Konferenz “Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“. Zur Vorbereitung der “Delphi-Runde: Digitale Wissenschaftskommunikation – Drei Generationen der Mediennutzung” wurde ich gebeten, einen Fragenkatalog zum [...]

weiterlesen »


Vorträge im Frühjahr 2011

Neues Jahr, neue Reisen – auch 2011 stehen wieder eine ganze Reihe von Vorträgen an, die ich hier, so gut es geht, schon mal ankündigen möchte. Am morgigen Freitag, 14.1. bin ich beim Medienforum Ingolstadt zu Gast, das sich mit dem Thema “Das Ende der Privatheit. Medien zwischen öffentlicher und privater Kommunikation” befasst. Ich werde [...]

weiterlesen »

Vortrag beim Salon Surveillance

Kommenden Freitag (22.10.) werde ich auf Einladung des Leipziger Vereins “Engagierte Wissenschaft e.V.” in der Veranstaltungsreihe “Salon Surveillance” eine Veranstaltung zum Thema “Informationelle Selbstbestimmung im Social Web” bestreiten. Beginn ist um 19 Uhr in der Moritzbastei; es wird einen kurzen Impulsvortrag geben, an den sich eine hoffentlich lebhafte Diskussion anschließt. Zur Vorbereitung habe ich ein [...]

weiterlesen »


Wie viele Blogs gibt es in Deutschland?

Heute wurde ich mal wieder von einem Journalisten mit der Frage konfrontiert, die ich am liebsten weiträumig meide: “Wie viele Blogs gibt es in Deutschland?” Ich habe ihm per Mail etwas ausführlicher geantwortet und veröffentliche das leicht abgewandelt auch hier nochmal, um bei späteren Anfragen etwas zum Drauf-Verweisen zu haben.. :-)1 Warum meide ich die [...]

weiterlesen »

Boateng und das Internet

(…) Zudem will ich anmerken, dass Sie als Soziologe sicherlich eine hervorragende Menschenkenntnis haben und bestimmt ein netter Typ sind. Aber: Der Fall Boateng ist ene reine Sache, die sich über den Fußball erklären lässt. Diese Emotionen entstehen nur durch den Fußball. Deswegen sind diese Reaktionen bei Facebook usw. auch nur kurzfristig. Sie werden sehen, [...]

weiterlesen »


Einige Notizen zu den rivva-Leitmedien

Heute ist bei carta ein interessantes Portrait von Frank Westphal, dem Macher von rivva.de erschienen. Das hat mich daran erinnert, dass ich seit einigen Tagen schon vorhatte, Ergebnisse einer kleinen Auswertung zu bloggen, die ich mit meiner studentischen Mitarbeiterin Jessica Kunert vor knapp einem Monat vorgenommen habe. Im Kern ging es uns darum zu ermitteln, [...]

weiterlesen »

Rezension zu “International Blogging”

Für eine der kommenden Ausgaben von Medien & Kommunikationswissenschaft habe ich ein Buch lesen und besprechen dürfen; unten die um einige Links angereicherte Rezension: Russell, Adrienne / Nabil Echchaibi (Hrsg.): International Blogging. Identity, Politics, and networked publics. New York: Peter Lang. 205 Seiten. Auch wenn Netzwerk- und Videoplattformen oder die Wikipedia deutlich weiter verbreitet sind: [...]

weiterlesen »


Blogging practices – framework visualized

What a surprise: A couple of months ago I discussed some aspects of my blogging practice framework with Manolo Vergara from Mexico, who was working at his masters’ thesis in Communication at that time.  As part of that work, he collaborated with designer Mariana González Guzmán-Poirê (check out her collection of Mexican kitsch.. :-)) to [...]

weiterlesen »

Öffentlichkeiten und Informationsselektion bei Twitter

Zwischen all den Konferenzreisen komme ich zum Glück zumindest ab und an auch mal dazu, mir einige konzeptionelle Gedanken zu machen. Schon länger geistert mir durch den Kopf, wie man die spezifische Architektur des Kommunikationsraums von Twitter visualisieren könnte, der ja trotz mancher Ähnlichkeiten dann doch anders als z.B. das Weblog oder die Profilseite auf [...]

weiterlesen »


Übereifriger Jugendschutzfilter

Zur Abwechslung mal wieder was Kurzweiliges: An sich ist ja schon interessant, dass Spreeblick beim SiteCoach-Jugendschutzfilter aufgrund vermeintlich jugendschutzgefährdender Inhalte geblockt wird. Viel interessanter finde ich aber die Begründung – denn “Forbidden Keyword fisting!” klingt ja weniger jugendschutz- als gesundheitsgefährdend… 1 Ob da der ZDF-Versprecher von vor einigen Tagen Pute Pate stand? Fehlermeldung gesehen im Bahnhofsinternetcafe [...]

weiterlesen »

Blogs vs. MSM – Mehr Lob als Kritik

In den letzten Monaten habe ich viele Vorträge über das neue Netz im Allgemeinen gehalten, über persönliche Öffentlichkeiten und die Grenzverschiebungen der Privatsphäre. Bei der diesjährigen General Online Research Conference (GOR) kann ich zur Abwechslung mal wieder aktuelle Forschungsergebnisse über Blogs vortragen, genauer: Zum Verhältnis von Weblogs und den etablierten, journalistisch betriebenen Medien. Den Vortrag [...]

weiterlesen »


Journalistische Ethik im Social Web

Ich hatte ja bereits einige Male das Thema “Forschungsethik im Web 2.0” angeschnitten; heute bin ich auf einen interessanten und leider nicht sonderlich erfreulichen Fall gestossen, dass sich ähnliche Fragen auch für den Journalismus stellen1, insbesondere im Umgang mit online verfügbaren persönlichen Daten. Darauf aufmerksam gemacht hat mich eine Redakteurin von “Zapp“, die wohl in [...]

weiterlesen »

Aufsatz zu Bildblog in den Media-Perspektiven

In der aktuellen Ausgabe (11/2008) der Media-Perspektiven ist ein Aufsatz erschienen, in dem meine Bamberger Kollegen und ich uns mit Watchblogs auseinandersetzen und die Ergebnisse der Bildblog-Umfrage kurz zusammenfassen: Mayer, Florian L./Gabriele Mehling/Johannes Raabe/Jan Schmidt/ Kristina Wied (2008): Watchblogs aus der Sicht der Nutzer. Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildlog. In: Media-Perspektiven, [...]

weiterlesen »



Copyright © 2012 by: Schmidt mit Dete • Design by: BlogPimp / Appelt Mediendesign • Foto: Pixelio • Lizenz: Creative Commons BY-NC-SA.