Vernoe13 06

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Sitzung 6: Vernetzte Identitäten, vernetzte Gemeinschaften[bearbeiten]

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Worum geht es?[bearbeiten]

Um an vernetzten Öffentlichkeiten teilzuhaben, muss man zumindest bestimmte Facetten seiner Selbst mit anderen Menschen teilen.

  • Läuft Selbstdarstellung im Internet anders ab als offline?
  • Kann sich Gemeinschaftsgefühl entwickeln, wenn man sich nie persönlich trifft?
  • Verlieren wir unsere Privatsphäre, wenn wir ins Internet gehen?


Zu Gast: Jessica Einspänner.

Weiterführende Literatur und Links[bearbeiten]

Literatur aus den Folien

  • Baym, Nancy K. (2010) Personal Connections in the Digital Age. Cambridge.
  • boyd, danah (2008): Taken out of context. American teen sociality in networked publics. Ph.D. Dissertation an der University of California, Berkeley. Online: http://www.danah.org/papers/TakenOutOfContext.pdf.
  • Buckingham, David (2008): Introducing Identity. In: Ders. (Hrsg.): Youth, Identity, and Digital Media. Boston, MA. S. 1–22.
  • Goffman, Erving (1976): Wir alle spielen Theater. Die Selbstdarstellung im Alltag. 3. Auflage. München.
  • Hogan, Bernie (2013): Pseudonyms and the Rise of the Real-Name Web. In: Hartley, John / Jean Burgess / Axel Bruns (Hrsg.): A Companion to New Media Dynamics. Malden, MA. S. 290-307.
  • Marwick, Alice E. (2013): Online Identity. In: Hartley, John / Jean Burgess / Axel Bruns (Hrsg.): A Companion to New Media Dynamics. Malden, MA. S. 355-364.
  • Paus-Hasebrink, Ingrid/Jan Schmidt/Uwe Hasebrink (2009): Zur Erforschung der Rolle des Social Web im Alltag von Heranwachsenden. In: Jan Schmidt/Ingrid Paus-Hasebrink/Uwe Hasebrink (Hrsg.): Heranwachsen mit dem Social Web. Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Berlin. S. 13-40.
  • Reißmann, Wolfgang (2013): Jugendliche zwischen Person und Figur: „Medienperson“ als Persona-Typ im „Real-People“-Genre Netzwerkplattform. In: Emmer, Martin et al. (Hrsg): Echtheit, Wahrheit, Ehrlichkeit. Authentizität in der Online-Kommunikation. Weinheim. Im Druck.
  • Schenk, Michael / Julia Niemann / Gabi Reinmann / Alexander Roßnagel (Hrsg.): Digitale Privatsphäre. Heranwachsende und Datenschutz auf sozialen Netzwerkplattformen. Berlin.
  • Schmidt, Jan (2011): Das neue Netz. Merkmale, Praktiken und Konsequenzen des Web 2.0. Konstanz.
  • Schmidt, Jan-Hinrik (2013): Practices of Networked Identity. In: Hartley, John / Jean Burgess / Axel Bruns (Hrsg.): A Companion to New Media Dynamics. Malden, MA. S. 365-374.
  • Simmel, Georg (1908/1999): Soziologie. Untersuchungen über Formen der Vergesellschaftung. Bd. 11 der Gesamtausgabe (Hrsg. von Otthein Rammstedt), 3. Auflage. Frankfurt.
  • Turkle, Sherry (1998): Leben im Netz. Identität im Zeitalter des Internet. Reinbek bei Ham­burg.
  • Utz, Sonja / Jan-Hinrik Schmidt (2012): Audience management in social media: Affordances, cultural differences, and implications for privacy. Poster presented at the ECREA conference , Oct. 2012, Istanbul. Online: http://de.slideshare.net/JanSchmidt/posterecreaprivacy-utz-schmidtaudience-management-in-social-media-affordances-cultural-differences-and-implications-for-privacy

Weitere Quellen:

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Folien zur Vorlesung[bearbeiten]

http://de.slideshare.net/JanSchmidt/vernetzte-ffentlichkeiten-2013-sitzung-6-vernetzte-identitten

.pdf-Fassung: http://www.schmidtmitdete.de/pdf/vernoe13_06_print.pdf

Fragen (und Antworten)[bearbeiten]

Frage(n) an Frau Einspänner: - Sie geben Lehrveranstaltungen zu den Hauptstadtmedien. Welche Rolle nehmen die in der vernetzten Gemeinschaft ein?

  • Antwort (JE): Was genau ist mit der "vernetzten Gemeinschaft" gemeint? Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Medien (i.S. v. Institutionen sowie einzelnen Redaktionen u. Journalisten) gerade in Berlin in einem besonderen Konglomerat von Politik (und Lobbying), Netzszene und eben Medienöffentlichkeit eingebunden sind. Salopp gesagt: "in Berlin spielt sich ein Großteil der deutschen Netz-und Journalistenszene ab". In meinem Seminar beleuchten wir die unterschiedlichen Facetten dieses besonderen Spannungs- aber auch Bereicherungsverhältnisses von Politik, Medien und digitaler Öffentlichkeit sowohl in der Theorie als auch vor Ort im Rahmen einer Exkursion. Informationen erhalten wir hierbei u.a. aus erster Hand mit Hilfe von Interviews div. politischer, journalistischer und netzaktiver Persönlichkeiten.

Wie beeinflussen Zwänge, seine Identität preiszugeben, das Verhalten innerhalb der vernetzten Gemeinschaft? Ich denke da z.B. an Regeln wie auf Facebook, in denen innerhalb der AGB eine Klarnamenspflicht festgehalten wurde, oder immer wieder auftauchende Gesetzesvorhaben, sich z.B. via ePerso identifizieren zu müssen. --@heinecke (Diskussion) 14:34, 16. Mai 2013 (CEST)

  • Antwort (JE): Unter "Zwänge" verstehen Sie wahrscheinlich die technischen und gestalterischen Voraussetzungen, die auf einer Plattform gelten. Das sind zum Beispiel - neben der Klarnamenpflicht - auch die Voraussetzung, eine gültige Emailadresse oder bisweilen auch ein Profilfoto einzustellen, um die Seite überhaupt nutzen zu können (ganz abgesehen übrigens von den Daten, die man beim Onlinebanking oder Onlineshopping eingeben muss; auch bei der Anmeldung von Newslettern wird oft eine übermäßige Menge an Daten verlangt, wie z.B. die Angabe der Postanschrift beim Email-Newsletter). Dies beeinflusst die Identitätspreisgabe innerhalb der vernetzten Gemeinschaft zunächst einmal wenig, zumal diese Voraussetzungen oft ein Einstiegskriterium sind, um sich überhaupt auf der Plattform aktiv zu beteiligen. Viel stärker beeinflussen bestimmte Plattformvorgaben die Ausgestaltung persönlicher Inhalte, wenn sie gar nicht möglich gemacht werden, z.B. gibt es auf Facebook nicht die Möglichkeit, bei der Beantwortung eines Kommentars zugleich auch ein Video oder ein Foto in die Antwort zu laden (allein ein Link lässt sich einfügen).

Es gibt immer wieder Hypothesen, dass sich in der Anonymität des Netzes das eigene Verhalten grundsätzlich ändert, der Ton z.B. deutlich aggressiver ist und das Miteinander nicht mehr im Vordergrund steht. Wie ist denn dazu die wissenschaftliche Meinung? --@heinecke (Diskussion) 14:34, 16. Mai 2013 (CEST)

  • Antwort (JE): Diese Hypothese war insbesondere zu Beginn der Internetkommunikation sehr valent und wurde in verschiedenen Untersuchungen bestätigt (s. z.B. Döring, N., 2003: Sozialpsychologie des Internet, Hogrefe). Ein Grund hierfür ist die Abwesenheit von "social cues" in der computervermittelten Interaktion, was sich vor allem auf die textbasierte Kommunikation bezieht: Hier sind nonverbale Kommunikationselemente wie Mimik, Gestik, soziodemografische Faktoren (Geschlecht, Alter) oder andere Sinneseindrücke und Einflussfaktoren (Hautfarbe, Körpergröße, Gerüche etc.) absent; dies erleichtert den Zugang zum Gegenüber, da man viel weniger Aspekte hat, auf die man sich in der Interaktion konzentriert (in erster Linie Text, vielleicht noch Nickname etc.). Theorien hierzu: SIDE, Hyperpersonalität. Bei multimedialer Kommunikation (z.B. Video-Chat) ist dieser Effekt vermindert. Aggressivität tritt vor allem dann vermehrt auf, wenn geringe "social cues" vorhanden sind, z.B. bei Shitstorms oder Spammings auf anonymen Seiten. Da man selbst nur mit einem absoluten Minimum an Identifikationsmerkmalen (oft reicht hier nur ein Pseudonym) auftritt, traut man sich so mehr.