Schmidt mit Dete

Vortrag bei der Hegelwoche in Bamberg

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[Update: Mitschnitte der Veranstaltungen sind inzwischen auf der Seite der Universität Bamberg verfügbar.]

Zur Zeit findet die 19. Bamberger Hegelwoche statt, die sich dieses Jahr dem Thema „Second Life, Avatare, Cyberwelt. Gibt es ein zweites Leben?“ widmet. Ich durfte gestern einen Vortrag über „Second Life und Web 2.0. Zur Untrennbarkeit von virtueller und realer Welt halten“, was mich sehr gefreut hat: Nicht nur, dass ich dadurch eine Gelegenheit bekam, mal wieder nach Bamberg zu kommen, sondern auch die Ehre, zu dieser durchaus prestigträchtigen Veranstaltung beizutragen. Die Liste der Referenten aus den vergangenen Jahren liest sich nämlich sehr beeindrucken – u.a. waren Ernst Ulrich von Weizsäcker, Heiner Geißler oder Hans-Georg Gadamer schon mal hier.

Nicht zuletzt war es aber auch schön, einem sehr gemischten Publikum einige Dinge über aktuelle Entwicklungen im Internet näher zu bringen. Mein Vortrag ist unten eingebettet; dem Anlaß entsprechend habe ich auf detaillierte theoretische Erörterungen verzichtet, viel mit Visualisierungen gearbeitet und an verschiedenen Beispielen erörtert, warum eine Trennung zwischen der virtuellen und der realen Welt nicht wirklich tragfähig ist: Angefangen mit Argumenten gegen verschiedene Raumlosigkeitsthesen, über Erkenntnisse und Beobachtungen aus Second Life (das einerseits zwar freie und kreative Schöpfungen erlaubt, andererseits aber von Referenzen und Strukturierungsprinzipien der „realen“ Welt durchzogen ist) bis hin zu den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Netzwerkplattformen wie studiVZ, auf denen Menschen Aspekte und Facetten ihrer Identität abbilden, echte Beziehungen pflegen und aushandeln bzw. erfahren, wie sich die Grenzen von Privatsphäre und Öffentlichkeit verschieben. Ich habe auch erstmals den Vergleich der entstehenden persönlichen Öffentlichkeiten mit den holländischen Straßenzügen vor so einem Publikum verwendet; in aller Kürze geht das Argument so:

Die Inhalte von persönlichen Weblogs oder Profilseiten bei mySpace, studiVZ o.ä. sind mit holländischen Wohnzimmern vergleichbar: Sie sind von der Straße aus einsehbar, weil keine Gardinen oder Rollos davor gezogen werden. Trotzdem stellen sie einen Teil der Privatsphäre dar, und es ist eine soziale Regel, dass es sich nicht gehört, vor dem Wohnzimmer einer fremden Person zu stehen und hinein zu schauen. Der Vorwurf sollte also nicht (oder zumindest nicht ausschließlich) den vermeintlichen „digitalen Exhibitionisten“ gelten, die persönliche Inhalte im Netz für andere Menschen zugänglich machen wollen. Wenn, dann sind die „digitalen Voyeure“ zu kritisieren, die sich über solche persönlichen Öffentlichkeiten aufregen, obwohl die Inhalte überhaupt nicht an sie gerichtet sind – und dies schließt selbstverständlich den oft bemühten Personalverantwortlichen ein, der unter falschem Namen in studiVZ Bewerberprofile durchcheckt. Würde der gleiche Personalchef abends vor dem Fenster meines Wohnzimmers stehen, wo ich gerade eine Party mit Freunden feiere, wäre glaube ich schnell deutlich, dass hier Regeln der Höflichkeit und der Achtung der Privatsphäre verletzt werden.

Heute Abend findet noch eine Podiumsdiskussion statt, über die ich dann hoffentlich in den nächsten Tagen berichten kann – mal sehen, wie groß unser Publikum wird, denn parallel spielt Deutschland gegen Kroatien.. :)Und schließlich noch ein Fundstück, passend zum Thema der ganzen Hegelwoche von realen und virtuellen Sphären: Die Ankündigung einer revolutionären Spielidee namens „World of World of Warcraft“…

‚Warcraft‘ Sequel Lets Gamers Play A Character Playing ‚Warcraft‘

3 Kommentare

  1. Schöne Argumentation, gefällt mir: ACK

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