Schmidt mit Dete

Twitter bei der Bundestagswahl 2017

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[Update 19.9.2017: Eine .csv mit allen von uns recherchierten Twitteraccounts aller Kandidierenden steht zum Download zur Verfügung.]

Zusammen mit einigen studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeite ich seit Ende Mai an einer Analyse der Twitter-Aktivitäten von Kandidierenden bei der Bundestagswahl 2017. Ein Großteil der bisherigen Arbeit bestand darin, die Grundgesamtheit (= alle Kandidierenden aller Parteien) zusammen zu stellen und parallel zu recherchieren, wer davon einen Account auf Twitter1 hat. Mit diesem Datensatz möchten wir in den folgenden Wochen eine Reihe von Fragen beantworten, darunter

  • Wie viele Kandidierende haben einen Twitter-Account? Gibt es Unterschiede nach Geschlecht, Parteizugehörigkeit und Art der Kandidatur (Liste vs. Wahlkreis)?
  • Wie setzen sich die „Twitter Friend Repertoires“ der Kandidierenden zusammen, d.h. welchen Accounts folgen die Kandidierenden auf Twitter?
  • Welche Rolle spielen Kandidierende in der „hashtag public“ zur Bundestagswahl, also in der Gesamtheit aller Tweets mit dem hashtag #btw17 bzw. #btw2017?

Am vergangenen Sonntag, also genau vier Wochen vor dem Wahltag, haben wir für acht große Parteien (CDU, CSU, SPD, Linke, Grüne, FDP, AfD und Piraten)2 die Recherche abgeschlossen und eine erste Abfrage der Twitter Friends vorgenommen3. Unten habe ich einige erste Befunde zusammen gefasst; weitere werden folgen. Wer selbst tiefer in die Daten zu den Twitter Friends eintauchen möchte: In diesem Google Spreadsheet sind eine Reihe von Top100-Listen (über alle Kandidierende sowie nach Geschlecht und nach Partei untergliedert) dokumentiert.

Von den 2.679 Kandidierenden, die für die acht großen Parteien antreten, haben 1.195 einen Twitteraccount, das entspricht 45 Prozent. Unter den Kandidaten ist der Anteil etwas höher als unter den Kandidatinnen (46 zu 41 Prozent). Die Unterschiede zwischen den Parteien sind hingegen deutlich: Bei den Piraten twittern mehr als zwei Drittel der Kandidierenden, bei der AfD weniger als ein Viertel. Von den übrigen Parteien liegen SPD und Grüne knapp über, die CSU knapp unter der 50%-Marke. FDP, Linke und CDU haben Anteile von jeweils um die 40%.

Wie viele Kandidierende der Parteien twittern?

16 Accounts sind im Friend Repertoire von mindestens einem Drittel der Kandidierenden. Die Rangfolge führen @tagesschau, @RegSprecher sowie @SPIEGELONLINE an, denen jeweils knapp die Hälfte der Kandidierenden folgt. Unter den übrigen Accounts sind nur zwei Politiker (@peteraltmaier und @sigmargabriel) zu finden; es dominieren Medienangebote. In den getrennten Ranglisten für Kandidatinnen und Kandidaten sind 17 der populärsten 25 Accounts deckungsgleich (wenngleich die Reihenfolge sich unterscheidet). Anders ausgedrückt: je 8 Accounts kommen nur bei Kandidatinnen bzw. Kandidaten unter den 25 populärsten Accounts vor.

Wem folgen Kandidatinnen und Kandidaten?

Größere Unterschiede werden sichtbar, wenn man die Listen jeweils nur für Kandidierende einer Partei betrachtet, denn dann tritt die erwartbare „In-Group-Orientierung“ klar zutage. So liegt in sechs der acht Ranglisten der Twitteraccount der jeweiligen Partei auf Platz eins; nur bei der FDP (@c_lindner) und der AfD (@fraukepetry) ist es der Bundesvorsitzende und Spitzenkandidat bzw. eine Bundessprecherin. Auf den weiteren Top-Rängen sind jeweils parteispezifische Mischungen aus Parteigliederungen und Spitzenpolitiker/innen zu finden.
Die Tagesschau, in der Summe aller Kandidierenden wie erwähnt auf Rang 1 liegt in den parteispezifischen Ranglisten nie ganz vorne, ist aber bei der CDU, CSU und SPD das erste journalistisch-publizistische Angebot. Bei Kandidierenden der Linken und der Grünen liegt @tazgezwitscher, bei der FDP @spiegelonline vor der @tagesschau bzw. gleichauf. Bei der AfD ist @Junge-Freiheit der populärste publizistische Twitter-Account (die Tagesschau liegt dort auf Rang 87, einen Platz vor @realdonaldtrump…). Bei den Piraten tauchen weder die Tagesschau noch andere „etablierte“ publizistische Angebote, sondern nur @netzpolitik in den Top 100 auf.

Ranglisten nach Parteien

 

 

  1. Zeitgleich haben wir auch die Facebook-Accounts recherchiert, aber das ist ein separates Vorhaben
  2. Update 5.9.: Weil es gerade eine (berechtigte) Twitter-Nachfrage gab: Als „große Partei“ verstehen wir die sieben Parteien, die absehbar über 5% kommen werden. Zu den Piraten haben wir Daten aus früheren Wahlen & wollten sicherstellen, dass wir Vergleich anstellen können, daher sind sie in dieser Analyse mit enthalten. Zum Stichtag 24.7. erheben wir die Daten nochmal mit allen Parteien.
  3. Zwei weitere Abfragen werden am Wahltag sowie zwei Wochen nach der Wahl folgen.

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