Schmidt mit Dete

Social Media im Wahlkampf

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Kommenden Montag werde ich von der Deutschen Welle zur Rolle von Social Media im Bundestagswahlkampf interviewt. Die Fragen werden vermutlich bei den Strategien der Parteien und Kandidaten ansetzen, aber ich will versuchen, zumindest auch einige Bemerkungen zu den eher locker organisierten Formen der Auseinandersetzung unter zu bringen. Ich habe die vergangenen Tage fasziniert verfolgt, wie sich das “Yeaahh!”-Mem verbreitet hat: Ausgehend vom Foto eines geremixten CDU-Wahlplakats über Twitter und zahlreiche Blogs hin zu einem  Slogan-GeneratorT-Shirts, diversen Musikstücken und einem Flashmob in Hamburg (Videos), bei dem die Teilnehmer nach jedem Satz der Kanzlerin “Yeaahh!” rufen.

Das spannende an diesem Fall finde ich, dass er eine beachtenswerte Verflechtung von offline betriebenem Wahlkampf und online organisierten Reaktionen besitzt: Ausgangspunkt war ein bekritzeltes Wahlplakat, wie es tausende gibt. Dieses eine war bemerkenswert und lustig genug, um fotografiert, gebloggt, getweetet und empfohlen zu werden, und schließlich bei den Aufmerksamkeitsverteilern Nerdcore und Spreeblick zu landen. Dort entfaltet der Vorschlag zum Flashmob so viel Wucht, dass sich beeindruckend viele Menschen spontan bei der Kundgebung auf dem Gänsemarkt versammeln, die Merkels Rede begleiten. Dieser ganze Vorgang wiederum macht es zum Thema in verschiedenen Online-Leitmedien, wodurch es noch weitere Kreise zieht.

Es fühlt sicher immer noch ein wenig nach ‘Fingerübung’ an, denn letztlich wird “Und alle so: Yeaahh!” keinen spürbaren Einfluss auf den Wahlkampf oder die Wahl haben. Aber es zeigt, dass längst auch in Deutschland ein lockeres Netz von kommunikativen Knoten existiert, das sich unvorhersagbar organisiert, ohne Parteibindung auskommt und sich kreativ mit den etablierten Formen der politischen Kommunikation auseinandersetzt1. Eine gute Entwicklung, wie ich finde.

  1. Ein anderes schönes Beispiel ist auch der Remix der Schäuble/CDU-Plakate.

3 Kommentare

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  2. Ich finde das die Mittel eigentlich immer noch zu wenig genutz wurden.

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