Schmidt mit Dete

Zweibändige Bestandsaufnahme zum Social Web erschienen

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[Update] Nachdem in den Kommentaren die Frage nach einer elektronischen Variante der Bücher auftauchte: Es wird aller Voraussicht nach eine eBook-Version geben, die über ciando.com vertrieben werden wird. Ich weise gerne darauf hin, wenn es soweit ist.

Großartig: Der Herbert von Halem-Verlag hat es in einem Kraftakt geschafft, rechtzeitig zur GOR das zweibändige Werk „Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web“ fertigzustellen, das ich mit den Leipziger Kollegen Ansgar Zerfaß und Martin Welker herausgegeben haben. Ein großes Dankeschön an Herrn von Halem und seine Mitarbeiter für diesen Einsatz – und auch an die DGOF für die Unterstützung der Publikation, die in der Reihe „Neue Schriften zur Onlineforschung“ erschienen ist.

Letztlich hat es also nur etwa ein Jahr vom „Call for Proposals“ bis zur Fertigstellung gedauert – ich freue mich sehr, dass dieses Projekt jetzt abgeschlossen ist und eine umfangreiche Bestandsaufnahme deutschsprachiger Forschung zum Social Web vorliegt. Wir waren Mitte letzten Jahres ja einigermaßen von der Reaktion auf den Call überrascht worden und mussten aus fast 80 Einreichungen etwa 40 Texte für die beiden Bände auswählen. Um diese Menge an Beiträgen weiter zu strukturieren, haben wir die zwei Bände in sechs Abschnitte untergliedert: Im ersten Band („Grundlagen und Methoden: Von der Gesellschaft zum Individuum„; Inhaltsverzeichnis und Vorwort als .pdf) finden sich Beiträge zu den Komplexen „Wandel von Öffentlichkeiten und Kommunikationsformen“, „Aktive Rezipienten und Nutzung im Social Web“, und „Das Social Web als Forschungsinstrument“. Im zweiten Band („Strategien und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik„; Inhaltsverzeichnis und Vorwort als .pdf) sind die Abschnitte „Journalismus und Verlage im Spannungsfeld von Selektion und Partizipation“, „Politische Kommunikation im Social Web“ und „Interaktive Wertschöpfung und Kommunikation im Unternehmen“ enthalten.
Ich habe auch einen Beitrag beigesteuert, der im ersten Band erschienen ist:

Schmidt, Jan (2008): Was ist neu am Social Web? Soziologische und kommunikationswissenschaftliche Grundlagen. In: Zerfaß, Ansgar; Welker, Martin; Schmidt, Jan (Hrsg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 1: Grundlagen und Methoden – Von der Gesellschaft zum Individuum. Köln: Herbert von Halem. S. 18-40.

Die Zusammenfassung lautet:

Der Beitrag legt zunächst Kontinuitäten der Internetentwicklung dar, um die Annahme eines revolutionären Sprungs zu widerlegen, wie sie der Begriff des ›Web 2.0‹ impliziert. Für die kommunikationssoziologische Analyse wird anschließend ein praxistheoretischer Bezugsrahmen skizziert, der unabhängig von konkreten Anwendungen des Social Web einsetzbar ist. Schließlich werden aktuelle Veränderungen diskutiert, die einerseits das Zusammenwachsen von Rezeption, Produktion und Distribution von Wissens- und Kulturgütern, andererseits die Erweiterung von Öffentlichkeiten berühren, sowie derzeit offene gesellschaftliche Fragen daraus abgeleitet.

23 Kommentare

  1. toll, Glückwunsch!

  2. Wird es dazu auch irgendeine Form der elektronischen Publikation geben? Oder muss man sich über den Wandel hin zu den neuen Medien ganz auf die „altmodische“ Art informieren?

  3. Ich frag mal ganz dumm: was ist die GOR?

  4. Die „General Online Research“-Konferenz, die dieses Jahr in Hamburg stattfand. Ich habs im Beitrag mal verlinkt.. :)

  5. @Matthias: Im Moment ist nicht geplant, die zwei Bände komplett und frei ins Netz zu stellen.

  6. Muss auch dumm fragen: was ist ein praxistheoretischer Rahmen? (Beide Bände schon letzte Woche bestellt!)

  7. Christiane, damit meine ich meinen analytischen Ansatz, Nutzungsweisen bzw. Praxen (anstatt bspw. einer Anwendung oder Technologie als solche) in den Mittelpunkt zu stellen; also zu untersuchen, wie die konkrete Nutzung in einer bestimmten Situation von geteilten Verwendungsregeln, von existierenden oder neu aufgebauten Beziehungen, und von den in der Software „eingeschriebenen“ Optionen beeinflusst wird und diese im Gegenzug wieder beeinflusst. Dieses analytische Raster kann man m.E. auf alle möglichen Bereiche des Social Webs anwenden und hat so eine Basis, um Vergleiche (z.B. des Identitätsmanagements auf Blogs vs. studiVZ) anzustellen.

  8. Pingback: Kooperationssysteme (CSCM) » Blog Archive » Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web

  9. Pingback: Wissenswerkstatt | Verständnisschwierigkeiten und kontraproduktive Schlagzeilen » Wie man den wissenschaftlichen Forschungsstand zum “Social Web” einseitig darstellt | Werkstattnotiz LXXVIII

  10. Pingback: Schmidt mit Dete » Zur aktuellen Aufregung um den Reifegrad der Blogosphäre

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  12. Ich habe eine Frage betreffend dem Begriff Social Web: Jan Schmidt schreibt in seinem Beitrag „Was ist neu Social Web“, dass der Begriff Web 2.0 zwar als Sammelbegriff für verschiedene Anwendungen geeigenet ist, aber wegen seiner Implikation eines deutlichen Bruchs mit früheren Phasen der Internetentwicklung jedoch nicht haltbar ist. Möchte Jan Schmidt somit den Begriff Social Web als Alternativbegriff zum in der Zwischenzeit etablierten Begriff Web 2.0 aufbringen? Oder gibt es einen inhaltlichen Unterschied zwischen den zwei Begriffen? Im Deutschen Wikipedia gibt es z.B. auch noch keinen ensprechenden Eintrag zu dem Begriff Social Web. Ich wäre dankbar, wenn mir hier jemand weiterhelfen könnte. Danke.

  13. @ Martin Stricker: Eine gute Frage, die sich gar nicht so leicht beantworten lässt. Versuchen wir es mal so: Für mich sind „Web 2.0“ und „Social Web“ Begriffe, die sich a) teilweise überschneiden, aber b) unterschiedliche Zwecke erfüllen.

    zu a) „Social Web“ ist für mich der umfassendere Begriff, wenn ich beschreiben möchte, dass im Internet neben Transaktionen und dem reinen Informationsabruf noch ein weitere wichtige Klasse von Handlungen stattfinden – Interaktionen zwischen Menschen, Kommunikation, Kollaboration, etc. Diese Erkenntnis ist nicht neu, da das Internet ja schon seit langem Dienste wie Newsgroups, Chat, Foren, MUDs etc. kennt. In letzter Zeit sind aber eine Reihe von Anwendungen hinzugekommen, die dieses Phänomen einfach nochmal ins Bewusstsein rufen (Blogs, Networking Sites, …) und eng mit dem Begriff „Web 2.0“ verbunden sind. Aus dieser Perspektive ist Social Web der umfassende Begriff, von dem das Web 2.0 nur einen Teil darstellt.

    b) „Web 2.0“ wird oft mit dem impliziten oder expliziten Ziel gebraucht, auf einen qualitativen Bruch in der Internetnutzung hinzuweisen: Irgendwann vor ein paar Jahren sind so viele neue Softwareanwendungen, Geschäftsmodelle, etc. dazu gekommen, dass sich die Art und Weise, wie und mit welchen Konsequenzen wir das Internet nutzen, „radikal“ verändert hat – der Sprung von 1.X auf 2.0. Diese Annahme halte ich für nicht gerechtfertigt, bzw. sie verstellt den Blick dafür, dass es Kontinuitäten in der Nutzung gibt, dass viele Leute nix mit Web 2.0-Anwendungen am Hut haben und das Netz noch „klassisch“ nutzen, etc. Deswegen ist „Social Web“ m.E. auch besser geeignet, weil dort eben nicht dieser Bruch mit dem vorigen impliziert wird.

    Das Problem an diesen begrifflichen Differenzierungen ist, dass „Web 2.0“ als Sammelbegriff schon so etabliert ist, dass man ihn nicht mehr aus der Welt schaffen wird. Im Gegenteil, in vielen Fällen ist es sogar sinnvoll, ihn zu gebrauchen, wenn man ein gemeinsames Verständnis schaffen will, worüber man jetzt gerade redet (= der Teil des Internets, der relativ neu ist… :-)). In dieser Weise benutze ich ihn selbst auch immer mal wieder auf Vorträgen oder in Diskussionen. In Publikationen versuche ich in der Regel aber, den Begriff zumindest im oben geschilderten Sinn zu problematisieren und dann „Social Web“ stattdessen zu verwenden.

    Ich hoffe, das hilft weiter. :)

  14. @Jan Schmidt: vielen Dank für die ausführliche und klare Antwort.

  15. Pingback: Voss: NGO's und Social Web

  16. Ich habe nun nach mehreren Monaten Bestellzeit und Bibliotheksdurchlauf endlich den ersten Band in der Hand (der zweite ist wohl immer noch in der Registrierphase) und staune: Ist dem Verlag ein Druckfehler unterlaufen oder warum lese ich bei den Herausgebern an erster Stelle „Ansgar Zerfass“, obwohl er weder das Vorwort noch sonst einen Beitrag verfasst hat? Er ist ja nicht einmal der Reihenherausgeber. Oder sind seine Beiträge im zweiten Band, den ich noch nicht habe? Und warum steht er an erster Stelle, wenn er nicht prominent mitgewirkt hat. Ich staune!

  17. Rätsel gelöst. Er hat das Vorwort im zweiten Band mitverfasst und ist Co-Autor eines weiteren Beitrags. Nennung kann ich jetzt nachvollziehen, aber warum nicht in alphabetischer Reihenfolge?

  18. @Christiane: Aaaalso, ursprünglich hatten wir ja nur an einen Band gedacht; die Resonanz auf den Call machte dann ein zweibändiges Werk nötig. Wir haben uns auf die Reihenfolge Zerfaß/Welker/Schmidt geeinigt, weil sie auch in etwa den Aufwand wiedergibt, den wir drei mit der Koordination und Organisation des Werkes hatten. Die redaktionelle Betreuung im engeren Sinne, also Kontakt zu den Autoren, Durchsicht der Texte und Rückmeldungen, etc. hatten wir aufgeteilt: Ich hatte die ersten beiden Abschnitte von Band I (Makro- und Mikro-Perspektiven); Martin Welker die Teile über Methoden (Band I) und Journalismus (Band II), Ansgar Zerfaß die Teile über Politik und Unternehmen (Band III). Aber jeder von uns drei kennt sich natürlich in allen Beiträgen aller Bände aus… ;-)

  19. Alles klar. Danke für die Antwort auf diese doch immer wieder recht heikle Frage. :)

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  21. Pingback: Der Dieckmann » Anmerkungen zu Zerfaß/Welker/Schmidt (Hg.): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Bd.1 u. 2., März 2008

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