Schmidt mit Dete

Zwei Aufsätze zu Google

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In den letzten Tagen sind mir zwei interessante Aufsätze zu Google untergekommen, auf die ich hier gerne hinweisen will:

Zunächst stieß ich via Markus auf „Das Google-Imperium“ von Daniel Leisegang in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Auch wenn ich mich am Anfang erst mal ärgern musste1 , finde ich den Text als Überblick zu den verschiedenen Geschäftsfeldern von Google und dem ausgeprägten Hunger nach unseren persönlichen Daten sehr gut gelungen. Er hat mir auch nochmal vor Augen geführt, dass selbst ein Boykott der vielen Google-Dienste seine Grenzen hat – sobald ich eine Mail an einen GMail-Account schreibe, werden die Informationen dort gespeichert (und können in personalisierte Profile einfließen), ohne dass ich meine Zustimmung erteile.

Der zweite Aufsatz ist in der jüngsten „Media-Perspektiven“-Ausgabe veröffentlicht; Ralf Kaumanns und Veit Siegenheim setzen sich mit Googles Weg „Von der Suchmaschine zum Werbekonzern“ auseinander. Ihnen geht es folgerichtig vor allem darum, die unterschiedlichen Werbeangebote von Google (Adwords und AdSense) ökonomisch zu analysieren. Ausserdem beschreiben sie, wie durch Übernahmen und Eigenentwicklungen zunehmend auch andere Werbesegmente ausserhalb der textbasierten Onlinewerbung erschlossen werden sollen. Auf die Datenschutz-/privacy-Probleme gehen sie nur am Rande in ihrem Fazit ein. Dennoch ein wichtiger Aufsatz, den man gut als Einführung in die Werbeaktivitäten von Google heranziehen kann. Ausserdem ist folgende schicke Abbildung enthalten, die die wichtigsten Dienste und Werbeangebote von Google chronologisch darstellt (klick vergrößert).

PS: Ebenfalls und weiterhin sehr empfehlenswert für den Zusammenhang zwischen Suche, Vermarktung und Privatsphäre: „„Think of it first as an advertising system“: Personalisierte Online-Suche als Datenlieferant des Marketings“ von Theo Röhle in kommunikation@gesellschaft.

  1. Leisegang schreibt: „Im Internet geben immer mehr Nutzer – zumeist freiwillig – ihre letzte Intimität preis.“ – das ist in meinen Augen eine dieser Übertreibungen, die momentane Entwicklungen im Social Web als „Cyber-Exhibitionismus“ o.ä. framen und eben nicht bedenken, dass die ganz überwiegende Zahl der Nutzer durchaus und weiterhin Grenzen zwischen der (Netz)Öffentlichkeit und ihrer eigenen Privat-, vor allem aber der Intimsphäre zieht.

5 Kommentare

  1. Deiner Kritik am Modebegriff „Cyber-Exhibitionismus“ kann ich voll und ganz zustimmen, würde allerdings noch hinzufügen, dass sich womöglich auch die Grenze zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit verschoben hat, so dass einige Dinge, die man „ins Netz schreibt“ gar nicht mehr zur Privatsphäre gezählt werden. Die Unterscheidung privat/öffentlich ist historisch-kulturell kontingent.

  2. Interessanter Kommentar von Benedikt. Ich befasse mich auch gerade mit der Funktion von Suchmaschinen und frage mich, ob Anbieter wie Google auf Dauer nicht so sogar gezwungen sein werden, auf die persönlichkeitsbezogenen Daten ihrer User zurückzugreifen, um bessere (=passendere) Suchergebnisse liefern zu können.

    Das könnte der Debatte um den Schutz der Privatspähre noch einmal eine ganz andere Wendung geben.

  3. @Matthias: Der oben verlinkte Aufsatz von Theo Röhle zeigt genau diese Tendenzen auf; die Lektüre lohnt sich auf jeden Fall.

  4. „Cyber-Exhibitionismus“ hin oder her, ein wichtiger Aspekt des neuen Netz bleibt doch, dass Unternehmen nach Geschäftsmodellen suchen, die auf Erhebung, empirische Auswertung und kommerzielle Nutzung personenbezogener und relationaler Daten, Inhalten und natürlich von unbeabsichtigt hinterlassenen Fußspuren abzielen. In diesem Zusammenhang auch ganz interessant ist ja, dass Internet und Mobiltelefonie immer weiter zusammenwachsen (Blog-kommentare aufs Handy etc.) und Mobilfunkbetreiber darüber nachzudenken scheinen, wie sie das erfolgreiche Google-Modell für’s Handy passend machen können. Das Prinzip ist ja dann immer dasselbe: Ich geb Dir einen schönen Dienst mit einem praktischen Nutzen, und dafür bekomme ich etwas: Information. Und Du kriegst auch etwas (was du vielleicht gar nicht haben willst) : personaliserte Werbung. Also: Navigationssystem für Fußgänger standardmäßig ins Handy einbauen. Der Nutzer kriegt das Navi und der Betreiber bekommt den Standort, die Fußwege, die Suchziele („nächste Kneipe bitte“) und damit erneut eine Fülle von lebensstil- und konsumbezogenen Informationen. Darüber haben sie heute morgen bei CNN von einer großen Mobilfunkmesse in Barcelona berichtet. Ich finde es schon nachvollziehbar, wenn dem Datenschutzbeauftragten beim Nachdenken über die Folgen von „Web 2.0“ als Geschäftsmodell schlecht wird, denn viele Leute wissen nicht, wie leicht sich Datensätze in SPSS oder anderen Statistikprogrammen matchen lassen.

  5. Buch zum Aufsatz. Der zweite, erwähnte Aufsatz „Von der Suchmaschine zum Werbekonzern“ ist wirklich sehr interessant. Dazu gibt es von dengleichen Autoren auch noch ein umfassendes Buch: http://it-rezensionen.chip.de/rezensionen/business-management/die-google-okonomie-books-on-demand.html
    Hab’s gelesen….sehr interessante Erkenntnisse und Schlußfolgerungen

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