Im letzten „Mittendrin“-Beitrag kam es schon zur Sprache: Ich habe in den letzten Wochen mit zwei Mitarbeiterinnen an einem kleinen Projekt zur ARD-Dialogrunde „Was Deutschland verbindet“ gearbeitet. Genauer gesagt haben wir die 84 Personen, die zwei Tage in Leipzig und Baden-Baden zu den Gesprächsrunden zusammen kamen, einmal direkt zuvor und dann noch einmal direkt im Anschluss nach ihren Erwartungen, Eindrücken und Einstellungen gefragt. Eine dritte Befragung soll nach den Sommerferien folgen. Durch einen individualisierten Code, den die Befragten selbst vergeben haben, können wir die einzelnen Fragebögen der Person zuordnen, wahren aber zugleich ihre Anonymität. Dies erlaubt uns, Veränderungen der Antworten auf individueller Ebene zu messen.
Im Vorfeld und insbesondere im Nachgang der Dialogaktion habe ich eine ganze Reihe von Interviews für Radio und vereinzelt auch Fernsehen geführt, die hier aufgelistet sind. Zudem haben wir einige Ergebnisse der ersten beiden Befragungen in einem Text für das „Media Research Blog“ zusammengefasst, der nun online gegangen ist.
Ein meines Erachtens besonders interessanter Befund ist, dass bei zwei dialogbezogenen Einstellungen die Hälfte der Teilnehmer/innen bei der zweiten Befragung andere Einschätzungen abgegeben hat: Sowohl bei der Aussage „Wenn Menschen eine andere Meinung haben als ich, vermeide ich längere Diskussionen lieber“ (21 Personen haben sich stärker in Richtung Zustimmung bewegt, 14 Personen stärker in Richtung Ablehnung) als auch bei der Aussage „Wenn Menschen mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen, braucht es jemandem, der eine klare Entscheidung in die eine oder andere Richtung trifft“ (22 Personen stärker in Richtung Zustimmung, 7 Personen stärker in Richtung Ablehnung).
Wir vermuten, dass sich hier auf jeden Fall ein Effekt des ungewohnten Dialog-Settings zeigt. Es ist ja eher unüblich, zwei Tage lang u.a. auch ohne die Vorgabe zu diskutieren, am Ende zu einer gemeinsamen Position kommen zu müssen, sondern unterschiedliche Ansichten stehen zu lassen. Es ist nachvollziehbar, dass zumindest manche der Teilnehmer/innen direkt im Anschluss angeben, dass sie auf längere Diskussionen mit Andersdenkenden eher verzichten und sich auch klare Entscheidungen wünschen. Aber offensichtlich ging das nicht allen so, denn bei manchen ging die Tendenz ja auch genau in die andere Richtung. Es wird interessant zu sehen sein, ob diese Veränderung auch nach der dritten Befragung, wenn einige Monate ins Land gegangen sein werden, bestehen bleibt.
