Schmidt mit Dete

Blogs vs. MSM – Mehr Lob als Kritik

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In den letzten Monaten habe ich viele Vorträge über das neue Netz im Allgemeinen gehalten, über persönliche Öffentlichkeiten und die Grenzverschiebungen der Privatsphäre. Bei der diesjährigen General Online Research Conference (GOR) kann ich zur Abwechslung mal wieder aktuelle Forschungsergebnisse über Blogs vortragen, genauer: Zum Verhältnis von Weblogs und den etablierten, journalistisch betriebenen Medien. Den Vortrag zu „How do blogs comment on mainstream media content?“ halte ich am morgigen Mittwoch, für meine geneigten Leserinnen und Leser gibt es hier schon mal einen exklusiven Vorgucker.

Ausgangspunkt der kleinen Inhaltsanalyse, die ich im Herbst 2008 mit meinen studentischen Mitarbeitern Julia Gutjahr und Norman Müller durchgeführt habe, war die Beobachtung, dass die Onlineauftritte der etablierten Medien (MSM) zu den meistverlinkten Angeboten in der Blogosphäre gehören. Bislang eher unklar war allerdings, inwieweit diese Links auch in einen wertenden Kontext eingebunden sind: Verlinken Blogs auf MSM, um deren Inhalte zu kritisieren, oder um zu loben? Oder doch eher, um einfach „neutral“1 hinzuweisen?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir eine Inhaltsanalyse einer Zufallsauswahl von Links (N=1.168) aus der deutschsprachigen Blogosphäre auf 20 populäre MSM-Angebote sowie 5 populäre Blogs durchgeführt. Das Schlüsselergebnis: Die ganz überwiegende Mehrheit der Verlinkungen (~80 Prozent) ist nicht wertend, sondern neutral. Unter den wertenden Beiträgen überwiegen die positiven Beiträge (also Lob, Empfehlungen o.ä.; 11,5%), und nur eine Minderheit von Blogeinträgen (7,4%) verweist kritisch auf die Inhalte von professionell-journalistischen Angeboten.

Es gibt noch einige Unterschiede zwischen einzelnen Subgruppen, die allerdings alle nicht sonderlich stark sind; besonders interessant finde ich, dass die Online-Angebote von öffentlich-rechtlichen Anbietern tendenziell etwas positiver bewertet werden als die Angebote der privaten Konkurrenz (sowohl Rundfunk als auch Print).

Alles weitere dann morgen beim Vortrag oder in dem Paper, das ich hoffentlich zeitnah erstellen kann.

  1. Aufmerksamkeitsökonomisch ist bereits ein ’neutraler‘ Link eine Empfehlung, da ja die Aufmerksamkeit eines Lesers auf die verlinkte Quelle gelenkt wird.

7 Kommentare

  1. Mit einem solchen Ausgang der Inhaltsanalyse hätte ich eigentlich als letztes gerechnet. Immerhin sehen sich nicht wenige Blogger als Retter der Menschheit und weisen gerne (teilweise allzu gerne) auf die Fehler der anderen hin. Somit verwundert es schon, dass bei so vielen Blogs, die sich nur durch die Fehleranalyse der anderen nähren, dennoch die Neutralität durchsetzt.

    ggf. läuft es dann vielleicht aber auch auf einen gänzlich anderen Punkt hinaus : Lese ich die falschen Blogs ?

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