Geschlechterunterschiede in der Blogosphäre
In wenigen Wochen wird Inzwischen ist im Vieweg-Verlag der Sammelband “Web 2.0 – Eine empirische Bestandsaufnahme” erscheinen erschienen, den Paul Alpar und Steffen Blaschke herausgeben. Ich habe einen Aufsatz beigesteuert, den ich schon lange schreiben wollte: Eine “Sonderauswertung” der “Wie ich blogge?!”-Umfrage, um geschlechtsspezifische Aspekte des Bloggens näher zu beleuchten. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags kann ich jetzt schon die finale preprint-Version online zur Verfügung stellen:
Schmidt, Jan (2008): Geschlechterunterschiede in der deutschsprachigen Blogosphäre. In: Alpar, Paul und Steffen Blaschke (Hrsg): Web 2.0 – Eine empirische Bestandsaufnahme. Wiesbaden: Vieweg. S. 75-86.
Aus der Einleitung:
Eine Besonderheit des noch vergleichsweise jungen Formats „Weblogs“ ist das nahezu ausgeglichene Geschlechterverhältnis unter den Nutzern. Allerdings konzentrieren sich viele Debatten über Relevanz und Konsequenzen von Weblogs nur auf bestimmte reichweitestarke Angebote, die überproportional häufig von Männern geführt werden. Dieser Beitrag zeichnet entsprechende Diskurse nach und identifiziert auf der Grundlage einer onlinebasierten Befragung die spezifischen Verwendungsweisen des Weblog-Formats von Männern und Frauen, die die unterschiedliche Wahrnehmung und Beurteilung erklären können.
Passend dazu auch ein Interview, das in der heutigen SZ erschienen und im Netz bei jetzt.de zu finden ist. Es geht darin um die Frage, inwieweit im Internet, speziell im Social Web, das Geschlecht eine Rolle spielt.
[Update] Inzwischen gibt es einige Reaktionen auf dieses Interview und das thematisch ähnlich gelagerte im Tagesspiegel, z.B.

- This is the Homepage/Weblog of Jan Schmidt. I'm a senior researcher for digital interactive media and political communication at the 





[...] Geschlechterunterschiede in der Blogosphäre [...]
[...] Jan Schmidt, seines Zeichens amtlicher Vermesser der Blogosphäre und ihrer Bewohner, bemüht sich ja [...]
[...] der Woche hatte ich mit der SZ bzw. jetzt.de über Geschlechterunterschiede in der Blogosphäre und im neuen Netz gesprochen, heute ist ein Gespräch zu ähnlichen Themen im Tagesspiegel zu [...]
Ein paar Fragen/Anmerkungen zu dem preprint:
(1) Lässt sich das Geschlechterverhältnis mit den Begriffen Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement bzw. Informations- und Wissensmanagement beschreiben? Wäre das sinnvoll? Wenn ich den Text richtig lese, dass haben Männer bspw. einen Hang dazu, Blogs eher instrumentell einzusetzen.
(2) Mir ist die Verwendung der Zusammenhangsmaße Chi^2 bzw. Eta nicht klar geworden. Wird für die Beschreibung von Tabelle 4.4 Eta (=0,378**) benutzt? Warum? Auf welchen Datensatz bezieht sich die Statistik?
(3) Liegt den Tabellen 4.5 (Motive des Bloggens) und 4.6 (Inhalte des Weblog) eigentlich eine dimensionale Struktur zugrunde? (vielleicht wurde das in einem der anderen Papiere diskutuiert, die kenne ich aber leider nicht…)
(4) Im Fazit findet sich der Hinweis: “Schließlich besteht Forschungsbedarf dahingehend, die entstehenden Öffentlichkeiten und Beziehungsgeflechte netzwerkanalytisch zu untersuchen, um nähere Hinweise auf die Ursachen von Zentralität bzw. Marginalität bestimmter Weblogs bzw. ihrer Autoren zu erlangen.” Dem kann ich nur zustimmen. Während in anderen Bereichen menschlichen Zusammenlebens Netzwerkdaten erst aufwendig beschafft werden müssen, können sie bei Weblogs relativ einfach automatisiert erfasst werden. Benedikt (viralmythen) hat hierzu ja schon einige gute Sachen vorgelegt.
Hallo Bernd, mit leichter Verspätung kurz einige Antworten:
zu (1): Generell würde ich sagen, dass sowohl Männer als auch Frauen Id-, Bez- und Inf.Managament betreiben, allerdings auf teilweise unterschiedliche Arten. Man könnte also sagen, dass sich die konkreten Handlungsmuster in Bezug auf die drei Komponenten unterscheiden können; die Komponenten selbst würde ich aber als universal ansehen (nunja, es sind halt analytische Kategorien, die man anlegen kann oder auch nicht..).
zu (2): Hmmm, das ist in der Tat etwas verwirrend ausgedrückt an der Stelle: Wir haben in der Regel chi-2-Tests gerechnet, um die Signifikanz von Unterschieden der jeweiligen Variablen nach dem Geschlecht zu bestimmen; um die Stärke eines Zusammenhangs zu berechnen, haben wir dann eta genommen. Klärt das die Frage?
zu (3): Wir haben ganz zu Beginn der Auswertungen mal Faktorenanalysen über die genannten items laufen lassen. Ist jetzt schon eine Weile her; wenn ich mich recht erinnere, gab es zwar Anzeichen für zugrundeliegende Dimensionen, die waren aber nicht so richtig ausgeprägt und teilweise auch schwer interpretierbar, deswegen haben wir auf eine Dokumentation verzichtet. Der Datensatz steht ja frei zur Verfügung; wenn Du magst, kannst Du Dich gerne auch nochmal dransetzen – ich würde mich sogar drüber freuen, da Du ja quantitativ-methodisch sehr fit bist.. :) [siehe http://www.bamberg-gewinnt.de/wordpress/archives/791
zu (4): Einen ersten Ansatz, die Befragungsdaten mit netzwerkanalytischen Maßzahlen zu verbinden, habe ich mit Hilfe der twoday.net-Betreiber durchgeführt; das paper findet sich hier: http://www.schmidtmitdete.de/archives/46
Da ist aber definitiv noch mehr möglich…
Hallo Jan,
danke für Deine Antwort.
Ad (1): Ich denke halt immer in messbaren Strukturen und fragte mich, wo ich Frauen und Männer jeweils in dem 3D-Raum des IBI-M-Modell verorten würde.
Ad (2): Eta kenne ich aus dem Bereich Varianzanalyse (siehe den Link zu WLM-Seite) und wird benutzt, um den Einfluss zwischen einem nominalen Faktor und einem kontinuierlichen Merkmal zu erfassen. Im Hinblick auf Tabelle 4.4 und den Zusammenhang zwischen Geschlecht und technischer Basis (Provider vs “Stand alone”-Software) habe ich Schwierigkeiten, das kontinuierliche Merkmal zu entdecken. Ich persönlich mag bei 2×2-Tabellen odds ratios; Phi ist aber auch gut, weil es zwischen 0 und 1 variieren kann.
Ad (3): Was die Hauptkomponentenanalysen betrifft, so könnte ich das tatsächlich mal durchrechnen, denn ich habe mir Eure Daten vor ein paar Monaten vom ZA besorgt.
[...] finde ich es schade, dass die Möglichkeit zum Gespräch über mögliche Ursachen und Lösungen der völlig schiefen öffentlichen Repräsentation von Frauen in der Blogosphäre vertan wurde. Andererseits respektiere ich das Anliegen, “leider wollte dogmatisch aufgefasst [...]
[...] Geschlechterunterschiede in der Blogosphäre Wissenschaftliche Worte von Jan Schmidt (tags: gender genderblog blogs bloggen web2 frauen frauenbild maenner maennerbild) [...]
[...] Geschlechterunterschiede in der Blogosphäre Wissenschaftliche Worte von Jan Schmidt [...]
[...] der das Geschlechterverhältnis von Blog-Autorinnen und Autoren ungefähr gleich verteilt sei. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (diesmal werden in der SZ keine Thesen eines “Digitalen Maoismus” vertreten) kommentiert Jan [...]
[...] Alpar und Steffen Blaschke herausgegeben wurde. Ich konnte ja schon vor einigen Wochen das Preprint meines Beitrags zu Geschlechterunterschieden in der deutschsprachigen Blogosphäre zum Download bereitstellen; schön, dass ich nun auch Einblick in die übrigen Texte habe. Neben [...]
Hallo Jan,
interessant, dass die Trias “IBI” aufgegriffen wurde. Meine These wäre, dass Weblogs attraktiv sind, weil sie diese verschiedenen Funktionen parallel anbieten. Allerdings muss unter InformationsManagement unbedingt mehr verstanden werden, als das Lesen von RSS-Feeds. Vielleicht das größte Manko im Datensatz, wenn ich mich da richtig erinnere.
Zu den verschiedenen Inhaltstypen (Journal vs. Wissen): Hier vermute ich, dass sich auch bei männlichen Bloggern persönliche Anteile finden. Vielleicht aber besser “versteckt”, zwischen oder in eher sachlichen Beiträgen. Da kommt man aber sicher nur durch eine aufwändige, nicht automatisierbare Inhaltsanalyse dran.
@Karsten: Ja, Informationsmanagement ist eine recht breite analytische Kategorie. Das Taggen von Inhalten oder Fotos; das Bewerten von Videos; das Verlinken von Blogbeiträgen sind auch Bestandteile des Informationsmanagements, weil sie einen Beitrag zur Kanalisierung von Aufmerksamkeit leisten (oft auch erst in aggregierter Form wie im Fall von “die 100 populärsten Videos” o.ä.). Wenn man so will, ist das “aktives Informationsmanagement”, während ich bei der Konstruktion des Fragebogens damals noch von einem eher “passiven Inf.mgmt” ausgegangen war, das v.a. die Auswahl aus bestehenden Quellen berührt.
Zu den Geschlechtern: Generell dominiert ja auch bei den Männern der Typ “persönliches Journal”, allerdings ist der Anteil der entsprechenden Blogging-Praktiken unter Frauen noch einmal höher. Dein Punkt ist auch sehr wichtig – “persönliche Inhalte” ist ja keine streng objektivierbare Kategorie; für den einen mag ein bestimmter Text schon hochgradig persönlich sein, für den anderen noch völlig unpersönlich. Vom Kontext hängt es auch ab: In einem Blog auf livejournal oder myblog ist ein Bild von mir bei der Weihnachtsfeier im Betrieb vielleicht schon “offiziell-beruflich”, während das gleiche Bild im Siemens-internen Blog eines Mitarbeiters vielleicht als “persönlich” wahrgenommen wird.
[...] Web 2.0 sind natürlich vor allem die Arbeiten von Franka Hesse vom Projekt Genderblogging und von Jan Schmidt [...]
[...] Jan Schmidt vom Hamburger Hans Bredow-Institut der Uni Hamburg schafft es mit seinem Blog “Schmidt und Dete” auf immerhin auf Platz 490.474. Wir erinnern uns: Der Mann war sich sicher: “Dass in [...]
Genau die Frage bezüglich der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei den Motiven fürs Bloggen lag mir in der UHH-Vorlesung noch auf den Lippen, wurde aber durch den Preprint mehr als ausreichend beantwortet.
Einige Fragen erledigen sich manchmal von selbst – oder sind schon niedergeschrieben worden. ;-)
[...] Schmidt vom Hamburger Hans-Bredow-Institut für Medienforschung beschäftigt sich mit Geschlechterunterschieden in der Blogosphäre. Obwohl zwei Drittel der Blogger in Deutschland weiblich sind, gibt es wenige weibliche [...]
[...] sieht es dann schon anders aus: Von ihnen sind nur 30 % Frauen. (Auch lesenswert: eine Studie zum gleichen Thema von Jan [...]